Ein Gesundheitsplädoyer

by Patsy Jones

Dieser Artikel, in dem dasnuf über die teilweise auftretende Unfähigkeit von Schulmedizinern schreibt, hat mich daran erinnert, dass ich mich schon vor Wochen in ähnlicher Form darüber aufregen wollte. Und das tue ich hiermit. Das wird jetzt eine flammende Rede und Ode an die Gesundheit.

Ich war in den ersten 10 Monaten dieses Jahres bei mehr Ärzten als in den vergangenen 5 Jahren zuvor. Wie kam das? Ich glaube der Hauptgrund war Panik, die sich langsam angesammelt hat in mir. Panik vor irgendetwas Unbekanntem, einer Krankheit, sowas wie Krebs oder eine Autoimmunkrankheit oder etwas, was nur einer von zwei Millionen Menschen hat. Ich fühle mich seit vielen Jahren müde und kraftlos und Ende 2010 begann ich so langsam aber sicher aus irgendeinem Grund zu glauben, dass mit mir etwas nicht stimmt. Das war eine Zeit, in der ich ständig daran denken musste, dass meine halbjährliche Kontrolle beim Hautarzt bald wieder ansteht und ich der ich mich der Einfachheit halber mehrmals die Woche von Fastfood ernährt und mein leichtes Fitnesstraining aus Bequemlichkeit aufgegeben hatte. Im Prinzip die drei Faktoren mangelnde Bewegung, falsche Ernährung und innere Anspannung um die es mir auch irgendwie geht in diesem Beitrag.

Im Winter 2010 zog ich mir eine üble Trommelfellentzündung zu. Seitdem ist es jedes Mal dieses rechte Ohr, dass bei einer Entzündung – ob im Hals oder den Nasennebenhöhlen – zuerst auf sich aufmerksam macht. Ein halbes Jahr später, im Sommer 2011, begann ich mich immer müder und schlapper zu fühlen. Von wieder aufgenommenem Fitnesstraining keine Spur. Die innere Anspannung hatte sich soweit beruhigt, das Ernährungsverhalten war jedoch immer noch eine ganze Ecke davon entfernt, als gesund angesehen zu werden.

Im August machte ich einen Termin beim Hausarzt, weil ich unter Bauchschmerzen litt und mein Körper die Nahrungsaufnahme verweigerte. Beim Ultraschall war alles unauffällig, bis auf die Bauchspeicheldrüse. Was genau es war, wurde mir nicht gesagt, ich bekam nur ein Rezept für Enzyme, die ich ein paar Tage einnehmen sollte. Das sind Tabletten, die normalerweise Menschen nehmen, die richtig krank sind, deren Bauchspeicheldrüse nicht mehr funktioniert, deren Fettverdauung vollkommen gestört ist und die unter höllischen Schmerzen leiden, wenn sie mal das Falsche essen. Ich recherchierte im Internet und war unsicher, planlos, geriet ein bisschen in Panik und das gipfelte dann in einer seltsamen Art von Appetitlosigkeit, wie ich sie nie zuvor erlebt habe.

Ich stand morgens auf und fühlte mich wie erschlagen. Ich ernährte mich von Quark, Joghurt, Zwieback und Toast mit Käse, wofür ich eine Viertelstunde brauchte. Dann beschloss ich, die Tabletten wegzuwerfen, der Hunger kam nach einigen Tagen wieder, Blut- und Stuhlprobe waren unauffällig, genauso wie die Darmspiegelung, die vorsichtshalber gemacht wurde.

Eine wirkliche Diagnose habe ich nie erhalten und ich weiß bis heute nicht wieso mir Tabletten verschrieben wurden, die normalerweise nur Leute einnehmen müssen, die unwiederruflich krank und wirklich darauf angewiesen sind. In den folgenden Wochen beruhigte sich das ganze ein wenig, ich schränkte meinen Kaffeekonsum ein, stieg zwei, drei Monate lang komplett auf Tee um und begann mir statt nur einem Glas immer eine volle Flasche Wasser auf den Schreibtisch zu stellen, weil mir bewusst wurde, wie wenig Flüssigkeit ich eigentlich zu mir nehme.

Im November wurde die Schilddrüse gecheckt, alles wie immer ohne nennenswerten Befund, leicht vergrößert, dagegen gibt es Jod-Tabletten, die ich mal nehme, mal nicht nehme, weil ich das Gefühl habe, es macht keinen Unterschied.  Dann kam der Januar 2012, ich fing mir eine Erkältung ein und musste drei Tage lang die schrecklichsten Antibiotika nehmen, die ich je erlebt habe. Normalerweise kenne ich so etwas wie Nebenwirkungen gar nicht (Man muss ja nicht jeden Scheiß mitmachen).

Die Dinger schlugen mir jedoch ganz wunderbar auf den Magen, vielleicht hätte ich einfach nicht zum Arzt gehen sollen, aber wegen der Geschichte mit meiner Lunge, von der mir seit acht Jahren ein kleines Stück fehlt, muss ich leider hin und wieder ein wenig vorsichtiger sein. Erkältung überstanden, nun ging es zum Zahnarzt. Loch im Zahn, Loch muss weg. Ich ließ mir eine Betäubung geben und traf mich abends noch mit Freundinnen zu einem Spaziergang im Park bei 100 Grad minus und einem anschließenden Cappuccino mit Schuss. Den ganzen Tag lang hatte ich nur ein Brötchen gegessen. Vielleicht war es das. Oder ein unglücklicher Zufall. Oder eine verspätete Nebenwirkung der Antibiotika in Verbindung mit der Betäubung.

Jedenfalls war da abends diese Panikattacke. Im Nachhinein fiel mir auf, dass es eigentlich gar nicht die erste Panikattacke meines Lebens gewesen ist. Ich hatte das schon Jahre zuvor hin und wieder gehabt. Das Herzklopfen, die Unruhe, die wie aus dem Nichts in dir aufsteigt, das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, Gedanken, die sich überschlagen und die Angst vor einem Herzinfarkt. Es war nicht die erste Panikattacke, es war einfach nur die erste, die ich als solche erkannte. Ich hatte Todesangst und ich weiß nicht warum das so war.

Mann fuhr mich ins Krankenhaus, ich landete in der Notaufnahme. Auf dem Weg dahin konnte ich immer wieder nur sagen “Ich weiß nicht was mit mir ist.” Eine halbe Stunde saß ich da, dann warf eine Assistenzsärztin einen Blick auf mich, maß mir den Puls, den Zucker, die Sauerstoffsättigung, schloss mich an ein EKG-Gerät an und fragte mich, was ich den Tag über gemacht hatte. Ich erzählte es ihr, beruhigte mich langsam, fing dann wieder an unkontrolliert zu zittern, meine Beine zappelten wie bei einem kleinen Kind und ich dachte die ganze Zeit nur “Was zur Hölle ist das?!”

Die Ärztin meinte, ich hätte bestimmt Prüfungsstress, ich erklärte ihr, dass es kein Prüfungsstress sein kann und sie gab mir Diazepam mit und erklärte, mit mir sei alles in Ordnung und dass ich zum Hausarzt gehen soll, wenn es am nächsten Morgen nicht besser ist.

Die Pille ließ mich selig schlafen, am nächsten Morgen wachte ich auf und das Zittern war wieder da und es verließ mich auch die nächsten Tage nicht vollständig. Ich habe mich ungefähr vier oder fünf Wochen mit dem Gedanken rumgequält, dass ich jetzt jemand bin, der unter Panikattacken leidet. Ich habe mir ein Buch darüber gekauft und ging jeden Abend eine Viertelstunde in der Kälte spazieren, mit Musik auf den Ohren und einer inneren Unruhe und Anspannung, die einfach nicht verschwinden konnte. Mein Hausarzt, den ich am Morgen nach dem kurzen Besuch in der Notaufnahme aufsuchte und den ich fragte, ob das alles vielleicht doch von meiner Schilddrüse kommt, schüttelte den Kopf, die Werte seien noch absolut im Normbereich und das einzige, was er mir raten könnte wäre, es vielleicht mal mit Entspannungsübungen zu versuchen.

Ich machte einen Termin beim Psychologen, wahrgenommen hab ich ihn nie, weil er vier Monate später war und mir diese verstrichene Zeit eine große Hilfe war. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß ich nicht, denn generell stehe ich dem Thema offen gegenüber. Sonst würde ich auch nicht darüber bloggen. Ich denke ein Gespräch mit einem guten, sympathischen Psychologen kann eine Hilfe sein, da ist nichts verwerfliches dran, nichts schwaches oder krankes, ganz im Gegenteil.

Das Rezept, das ich an dem Morgen vom Hausarzt bekam, für die Tavor, habe ich eingelöst, aber nie eine davon genommen. Weil ich nicht saudämlich bin. Stattdessen begann ich, Bücher zu lesen. Habe die ersten Tage und Wochen, in denen ich die Unruhe noch verstärkt wahrgenommen habe, überbrückt mit Spaziergängen und Baldrian, was irrsinnigerweise tatsächlich gewirkt hat. Habe die Situationen, von denen man weiß, dass sie bei vielen Leuten Panikattacken auslösen, kein einziges Mal gemieden und fand die Wirkung von dem Diazepam sogar ganz interessant. Man sagt dem Zeug nach, dass es sich erst nach vielen Stunden vollständig abgebaut hat. Das können 72, aber auch 200 Stunden sein und ich habe noch nach 5 Tagen eine sehr seltsame Art von Apathie und Müdigkeit gespürt.

Ich finde es auf irgendeine Art und Weise gut, dass es so ein Zeug gibt, es beruhigt unheimlich, in akuten Situationen und bei Ängsten und Erregungszuständen, ob vor Operationen oder wann auch immer, tut es auf jeden Fall seinen Dienst. Ich glaube, vor meiner Lungenspiegelung damals haben sie mir auch etwas davon gegeben, die Wirkung war ziemlich ähnlich. Leider gibt es Menschen, die das Zeug irgendwann brauchen um überhaupt einschlafen zu können. Und das ist die andere Seite, das macht mir Angst und deshalb frage ich mich, wie man es so leichtfertig verschreiben kann, als Arzt, und es so leichtfertig nehmen kann, als Patient.

Diese Panikattacken kommen und gehen wie sie wollen. Oft bleiben sie wochenlang weg, dann kommen sie innerhalb kürzester Zeit an zwei Tagen hintereinander. Aber sie machen mir keine Angst mehr, weil mir wie gesagt irgendwann bewusst wurde, dass mir das Gefühl vertraut ist. Es ist nichts fremdes, nichts Furcht erregendes mehr.  Es ist eine, durch irgendeinen äußeren Reiz oder innere Anspannung, ausgelöste Angelegenheit, mit der man weitaus besser leben kann als mit vielen anderen Dingen. Man ist dem nicht hilflos ausgeliefert, aber das musste ich selber erst erfahren, Schritt für Schritt, durch Mitmenschen und Informationen aus Büchern und dem Internet, das manchmal tatsächlich doch ganz hilfreich sein kann.

Aber es hält auch Ängste und Neurosen lebendig. Das hat es bei mir, noch Wochen und Monate nach dieser scheiß Panikattacke. Ich war unruhig danach, zittrig, wie gesagt. Eine Mandelentzündung im Februar beschäftigte mich so sehr, dass ich mir Sorgen machte, ob 7 Tage Penicillin wirklich ausreichen, die Bakterien kleinzukriegen. Jahrelang habe ich mir nie Sorgen gemacht wegen einer Entzündung irgendwo im Hals, plötzlich googelt man und erfährt, dass eine nicht auskurierte Mandelentzündung manchmal zu einer Herzbeutelentzündung führen kann. Tatsächlich ist das so eine Sache mit der viele Leute zu leichtfertig umgehen, ich kenne allein drei Leute bei denen genau dieser Fall eingetreten ist und da ist man als kleiner Hypochonder dann wieder irgendwie auf der sicheren Seite.

Weil Schwindel sowieso mein ständiger Begleiter war, musste ein Termin beim Neurologen her, schließlich ein Termin für ein MRT, das nichts zeigte außer einer Nasennebenhöhlenentzündung, die eine HNO-Ärztin später als “chronische Schleimbeutelentzündung” diagnostizierte, was von einem anderen Arzt irgendwann widerlegt wurde, der nur den Kopf schüttelte, sich die Sache nochmal ansah und meinte, das sei nichts chronisches, eine Schleumbeutelentzündung in den Nebenhöhlen gibt es nicht und die Entzündung sei kaum mehr vorhanden.

Das MRT zeigte also nichts auffälliges bis auf die Entzündung und zwei Auffälligkeiten, die in dem Befund, den der Radiologe mir mitgab, als “venöse Malformation” bezeichnet wurden. Das war im März. Und da war wieder die panische Angst. Venöse Malformation. Was ist das, warum hat das mal wieder keiner außer mir, wie lange habe ich noch zu leben?

Ich hielt Rücksprache mit dem Neurologen, er schickte mich zur Sicherheit in die Neurochirurgie nach Marburg, in der Zwischenzeit durchforstete ich das Internet und lernte den Unterschied zwischen arteriovenöser, venöser, kapillarer und lympathischer Malformation, die Ärztin in Marburg lief mit den MRT Bildern durch das halbe Krankenhaus, weil ich so eine Scheiß Angst hatte, sie hielt Rücksprache mit dem Oberarzt der Neurochirurgie und mit dem Oberarzt der Radiologie und entließ mich dann mit dem Hinweis, dass alles halb so wild ist und ich einfach wiederkommen soll, wenn sich Lähmungen bemerkbar machen oder sowas wie ein epileptischer Anfall auftritt.

Was ich mittlerweile weiß ist, dass venöse Malformationen oft als belangloser Nebenbefund bei vielen MRT´s gemacht werden. Kein Grund zur Sorge, auch wenn das alles nicht feierlich klingt. Wahrscheinlich habt ihr auch alle venöse Malformationen und wisst es nur noch nicht. Ätsch. Über Epilepsie bin ich mehrere Male gestolpert, auch dass sie in vielen Fällen nichts mit dem berühmten “Person fällt zu Boden, Augen sind verdreht, Person zappelt wie wild” zu tun hat und es diverse Zusammenhänge gibt zwischen Epilepsie und Migräne.

Wir nähern uns langsam dem, was ich eigentlich sagen will.

Die meisten der Ärzte haben es geschafft, mich zu beruhigen, gefehlt hat mir trotzdem ein bisschen die Aufklärung.  Ich habe in diesem Jahr sehr wenige Romane gelesen, das meiste waren Bücher die sich z.B. mit dem Immunsystem des Menschen, Stoffwechsel, Bewegung, Psychologie, Nahrungsmittelallergien, dem Gesundheitssystem, mit evolutionärer Medizin oder dem Zusammenhang von Ernährung und chronischen Krankheiten befasst haben. Das war die eine Sache, die mir geholfen hat. Schlichtes Wissen war schon immer sinnvoller als vage Informationen, Behauptungen und Thesen, nicht nur was die Gesundheit betrifft.

Dann habe ich wieder angefangen, Sport zu treiben, ich nehme mehr Flüssigkeit zu mir und auch wenn ich Fertiggerichte nicht komplett meide, bin ich mir doch im klaren darüber, dass sie bei mir mal Migräne, mal normale Kopfschmerzen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und häufige Infekte auslösen bzw. begünstigen.  Wenn man mit Ärzten spricht, dann wird eigentlich viel zu selten die Frage gestellt “Was essen Sie so den ganzen Tag über?” Es wird zwar empfohlen, mehr Obst und Gemüse zu essen, aber dass zu viele Kohlehydrate in Nudeln und Brot verdammt schädlich sein können und warum, und dass es nicht nur darum geht, Chips zu meiden, das sagt einem keiner.

Ich wünsche mir auch auf die Frage nach meinem Beruf, wenn ich antworte “Mediengestalterin, 8 Stunden Bildschirmarbeit”, dass der Arzt voller Entsetzen reagiert und so etwas sagt wie “Ich weiß, sie müssen Geld verdienen, aber Sie werden im Laufe ihres Lebens wegen dieser Arbeit unter vielen Dingen leiden, wenn Sie keinen Ausgleich finden.”

Jeder Arzt sollte, bevor er irgendein Rezept für irgendein Medikament ausstellt, seine Patienten wissen lassen, dass sie mit Sport und vernünftiger Ernährung eine Vielzahl von Dingen in den Griff bekommen und dass, sobald sie das vernachlässigen, nach und nach alle körperlichen Unzulänglichkeiten, die teilweise genetisch vorbestimmt sind und sich nunmal nicht ändern lassen, über sie hereinbrechen und ihnen das Leben zur Hölle machen, früher oder später. Jeder Arzt sollte außerdem wissen und vermitteln, dass alles was einem Menschen innerlich zusetzt, sich irgendwann körperlich äußert, das ist keine Hexerei, keine Behauptung, sondern eine ganz simple Tatsache, einfach zu verstehen, auch für medizinische Laien, und es gilt auch umgekehrt. Es ist im Grunde egal, ob das Huhn oder das Ei zuerst da war, wichtig ist nur, dass die persönliche Lebensführung und die Gesundheit einander stark beeinflussen und das eine sich nicht ohne das andere verändert.

Wenn ich täglich 72 Lebkuchenherzen esse, tut mir mein Bauch weh und ich werde so langsam aber sicher auch innerlich recht träge. Frohe Weihnachten. Denkt da mal drüber nach, liebe Ärzte, liebe Patienten. Denkt darüber nach, wie elfengeil ihr euch fühlt, wenn ihr Sport getrieben habt.

So etwas sollten Ärzte ihren Patienten einprügeln. Leichte Formen von Depressionen bei Menschen, die einen Job, eine tolle Familie, eine Zukunft haben, behandelt man mit Musik, der Natur, Bewegung, einem Haustier und mit Regelmäßigkeit. Nicht mit Tabletten. Vor allem tabuisiert man es nicht und tut so als würde es nur besonders schwache Leute treffen. Ich will mich jetzt nicht hier unbeliebt machen, aber wir sind mehr oder weniger alle depressiv. Vielleicht ist es ja dem einen oder anderen auch schon aufgefallen.  Wir sollten das so langsam mal akzeptieren und denen, die besonders damit zu kämpfen haben, helfen. Auf sinnvolle Art und Weise. Das geht nicht mit einem Haustier und einem Waldspaziergang, ich weiß, aber mit einer Kombination aus vielen Dingen.

Das Problem ist auf jeden Fall auf der einen Seite, dass Ärzte offenbar nicht über ihr Spezialgebiet hinaus blicken können, was in der heutigen Zeit glaube ich immer weniger Menschen hilft, also denen mit Blinddarmdurchbruch und Leuten, die eine Niere brauchen oder einen Gipsverband, aber sonst offenbar fast niemandem. Und auf der anderen Seite lassen sowohl Arzt als auch Patient es erst so weit kommen, in dem sie Dinge nur symptomatisch behandeln, anstatt ihnen auf den Grund zu gehen.

Dem Arzt fehlt für so etwas oft die Zeit und Möglichkeit, dem Patient das Wissen, aber auch der Sinn für eigenverantwortliches Handeln. Wenn ich höre, dass Leute drei Monate lang mit starkem Husten und Atemnot oder immer wiederkehrenden unerträglichen Bauchkrämpfen herumrennen, ohne einmal deswegen beim Arzt gewesen zu sein, fällt es mir schwer, Verständnis aufzubringen. Am Ende kostet die Dummheit dieser Leute dem Staat viele tausend Euro. Das klingt unromantisch, aber Bluthusten, Fettstuhl und Muskelkrämpfe sind ja bei genauer Betrachtung auch nicht direkt romantisch.

Ärzte lassen zu, dass Pharmaunternehmen ihre kleinen Pimmel tief in deren Ärsche schieben und für die nächsten Jahre entscheiden dürfen, “was den Menschen denn wieder gesund macht und was nicht”. Und viel zu vielen Menschen ist ihre Gesundheit gleichzeitig vollkommen egal. Sie nehmen Vorsorgeuntersuchungen nicht wahr (über die man im Übrigen auch nochmal streiten kann, aber das würde jetzt wirklich zu weit führen), sie zögern ihr Elend unnötig lange hinaus und – der absolute Klassiker an unmenschlicher Dummheit und Naivität – sie rauchen, anstatt ihre innere Anspannung durch Nägelkauen, Ausdruckstanzen und Türentreten abzubauen, wie ich es tue. Über Raucher werde ich irgendwann mal (sprich: nie)  ein Buch schreiben. Titel: “Wie ich neulich im Puff derbe ausgeflippt bin – Ein Gesundheitsbuch. Gegen Raucher. Für den Weltfrieden. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt.”

Zusammenfassend möchte ich sagen: Mehr Butter bei die Fische. Weil Butter gesünder ist als Margarine. Und weil Fische viele Omega-3-Fettsäuren enthalten. Und wenn euer Arzt euch demnächst nicht so richtig weiterhilft, fragt ihn mal ob er sie noch alle hat.