Ratgeber Frau
by Patsy Jones
Die folgende Nachricht beschäftigt heute viele Menschen auf facebook und twitter.
“Europas größte Elektronikkette Media Markt will mehr weibliche Kunden anlocken. In Österreich werden deshalb seit Donnerstag (19. April) in allen 31 Fillialen eigens eingerichtete Frauenzonen getestet. Bei Erfolg soll das neue Verkaufskonzept auch in Deutschland eingeführt werden.” (channelpartner.de)
Das erinnert mich daran, dass ich schon seit Monaten plane, einen umfassenden Blogeintrag über Frauen zu schreiben. Frauen sind irgendwie mein persönliches Thema geworden in den letzten Jahren. Davor waren es Männer und ich bin was dieses Thema betrifft, zu einem Ergebnis gekommen, das ich vielleicht in 25 Jahren in dem Buch “Männer – kann man mal machen, muss man sich aber eigentlich nix bei denken” präsentieren werde.
Jetzt sind es Frauen. Ich finde Frauen wahnsinnig spannend, die Menschen bei MediaMarkt sicherlich auch und ich freu mich eigentlich darüber, dass die sich den Kopf darüber zerbrochen haben, was ich will, was mich anmacht und wie man Elektronik für mich noch besser machen kann.
Jetzt muss man allerdings dazu sagen – und wir nähern uns nun dem Kern des Ganzen – dass die da wahnsinnig was missverstanden haben. Ich weiß nicht, wen die gefragt haben oder wo da genau Umfragen stattgefunden haben, die zu diesem Missverständnis geführt haben, ich vermute aber mal es geschah eines nachts um viertel vor zwei in einer Kulturhalle in einer Kleinstadt irgendwo im Großraum Hannover (Ich will nicht Kassel schreiben, das ist mir peinlich), wo gerade eine abgefahrene Schlagerparty stattgefunden haben muss. Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Situation dazu geführt haben muss, dass jemand bei MediaMarkt beschließt, es wäre ganz sinnvoll, in Zukunft Frauenzonen in Media-Märkten einzurichten.
Damit das nicht wieder vorkommt und damit auch niemand mehr nach Hannover (oder Kassel) fahren muss, um dort eine Umfrage zu machen, kurz gesagt: Damit ihr das in Zukunft alle viel schneller und einfacher bekommt – Hier mein stichpunktartiger Ratgeber, was Frauen eigentlich sind, warum man glaub, dass sie so sind und wie man das in Zukunft vermeiden kann.
Die Darstellung von Frauen in der Literatur, in der Werbung oder auf Showbühnen liefert ein unrealistisches Bild ab
Mario Barth stellte zu Beginn seiner einseitigen Karriere als Comedy-Star Frauen als ewig plappernde, unlogische, anstrengende Wesen dar. Rosamunde Pilcher stellt in Teilen ihrer Romane Frauen als verträumte, innerlich zerrissene Geschöpfe dar, die mit Gutsbesitzern verheiratet sind. In Pornos werden Frauen dargestellt als diejenigen, die es schön finden, sich mit ihrer Mutter, ihrer Schwester oder ihrer besten Freundin auf der Wohnzimmercouch einen Mann zu teilen, der einen dicken, weißen, behaarten Bauch und eine unmögliche Frisur hat. Die Frauen selbst sind auch zumeist hässlich, haben ähnlich unmögliche Frisuren und oft beängstigend große Nippel.
Intelligente Menschen wissen, dass diese drei Beispiele (1. nervige Ziege 2. verträumte, tierliebe Frau ohne Geldprobleme 3. Frau mit großen Brüsten und noch größeren Nippeln, die den ganzen Tag an Sex mit hässlichen Männern denkt oder ihn praktiziert) nur einen verschwindend geringen Teil der weiblichen Bevölkerung ausmachen.
Die Darstellung von Frauen in Filmen liefert ein ebenso unrealistisches Bild ab.
Mir fallen auf Anhieb keine Filme ein, in denen Frauen so gezeigt werden, wie sie wirklich sind. Es gibt sie, aber mir fallen auf Anhieb keine ein. Das sagt schon eine Menge aus. Mir fallen nur Filme ein, in denen Frauen so gezeigt werden, wie sie nicht sind. Schauen wir uns mal an, welche Filme den Bechdel-Test bestehen. Den Bechdel-Test kann nur der Film bestehen, in dem mindestens zwei weibliche Figuren mitspielen, die namentlich genannt werden und die miteinander sprechen über etwas anderes als Männer. Ich finde dieses Thema ganz spannend, weil es sich wirklich als nicht besonders leicht herausstellt, einen Film zu finden, auf den das zutrifft. Warum ist das so?
Weite Teile der Filmindustrie scheinen gewisse erfolgsversprechende Eigenschaften nicht unbedingt mit Frauen in Verbindung zu bringen.
Dazu zählen für mich z.B. Humor, cleveres Verhalten, eine gewisse Zwiespältigkeit. In vielen Filmen, das gilt vor allem für z.B. romantische Komödien oder Actionstreifen aus den USA, sind Frauen nett, süß, sexy, bisweilen ein bisschen anstrengend, aufgeweckt, amüsant, hin und wieder überfordert. Bissige, gut geschriebene, großartige, zum Brüllen komische Dialoge? Finden in 9 von 10 Fällen zwischen zwei Männern statt. Eine Frau, die augenscheinlich ein bisschen schusselig ist, kann nichts gegenteiliges mehr sein, dabei erlebe ich es jeden Tag an mir, dass ich schusselig bin aber zwei Minuten später etwas tue oder sage, das ein “schusseliger Mensch” im ersten Moment niemals tun oder sagen würde. Frauen werden gleichzeitig als etwas komplizierte, aber auch sehr eindimensionale Wesen dargestellt, weil es offenbar schwierig ist, sich vorzustellen, dass es anders sein könnte.
Das ist schade. Weil so wenige sich trauen, anders zu sein, möglicherweise, weil es ihnen gar nicht in den Sinn kommt, dass sie die Freiheit besitzen, zwischendurch auch mal etwas anderes sein zu können. Seit Jahrhunderten müssen Frauen immer wieder aufs neue verträumte oder aufreizende oder umsorgende Posen einnehmen, überall. Auf der Leinwand, auf dem Bildschirm, auf Plakatwänden oder Gemälden. Was ist, wenn du gar nicht verträumt oder aufreizend oder umsorgend bist? Und was ist mit denen, die es sind, aber das Gefühl haben, mehr nicht sein zu dürfen? Da stecken uralte Erinnerungen, Vorwürfe, Erwartungshaltungen und Vergleiche in uns drin und viel zu wenige von uns haben das Glück, dass sie diese Dinge von Anfang an nicht beachtet oder früh genug beiseite geschoben haben.
Frauen sind immer sauber und ordentlich und mögen Pastellfarben, aber wie kommt es dann, dass sie genauso häufig den Toilettenrand vollseichen wie Männer?
Ich möchte abschließend noch einmal betonen, wie lächerlich es in meinen Augen ist, eine Frauenzone einzurichten. Mit rosa Dingen. Für die Frau, die rosa Dinge kaufen will. Die den ganzen Tag kocht und putzt und sich am Abend ein duftendes Bad einlässt. Liebe Werber, ihr wisst gar nicht, was Frauen eigentlich sind und wollen. Sollten Damen diesen Bullshit mit entschieden haben (es ist anzunehmen): Frauen wie ihr tragen die Mitschuld daran, dass so ein beschissenes Frauenbild überhaupt Bestand haben kann in dieser Gesellschaft. Im weiteren Verlauf tragt ihr auch die Mitschuld daran, dass ein ebenso beschissenes Männerbild entsteht bzw. Bestand haben kann. Leute, die zu entscheiden haben, was gezeigt wird und was nicht, was in welcher Form vom Konsumenten gebraucht wird und was nicht, solche Leute sind verantwortlich für ein beschissenes Weltbild.
Es handelt sich hier um ein riesengroßes Missverständnis, liebe Macher, liebe Entscheider. Ihr wisst offenbar nicht, wie oft ich in Kinos oder Discotheken auf eine vollgepisste Damentoilette komme und wie oft mir Männer begegnen, die von ihrer Exfreundin verarscht wurden. Warum will mir die Industrie weismachen, dass Frauen überwiegend saubere, nette, auf Allgemeinwohl bedachte Wesen sind, wenn es manchmal (und wir reden hier nicht von Einzelfällen) gar nicht so ist? Warum will man uns weismachen, weiblicher Humor hätte etwas mit Albernheit und kreischen und “Hahahaha, hör mal zu, ihr Uschis, neulich ist mir was passiert, das war so supiwitzig!” zu tun? Warum begegnen mir im deutschen Privatfernsehen so unglaublich häufig arbeitslose, rauchende Mütter von sieben Kindern mit einem bedenklichen BMI oder – auf der anderen Seite – irgendwelche Schreckschrauben, die mit Hilfe von nackter Haut irgendeine Form von Berühmtheit erlangen wollen? Als gäbe es zwischen fetten Tanten ohne Perspektive und spermageilen Pissnelken keinen Platz mehr für tolle, großartige Frauen, die sich einen Föhn kaufen wollen, der einfach nur schwarz ist. Und nur weil irgendwelche saublöden Kinder glauben, dass das die Realität ist IST ES NOCH LANGE NICHT DIE REALITÄT!
Wer anderen immer und immer wieder dieselben Bilder von Frauen und auch Männern verkauft, der traut den Menschen auf dieser Welt sehr wenig zu. Ihr denkt einseitig, ihr seid witzlos, ihr langweilt mich und ihr habt die Kohle nicht verdient, die ihr dafür wahrscheinlich bekommt.
Abschließend noch einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer haben einen Penis und stärkeren Bartwuchs, schmalere Schultern, einen Adamsapfel und mehr Kraft. Sie kommen in den Stimmbruch und in 8 von 10 Fällen sind sie bei Bestellungen (z.B. Restaurant oder Lieferdienst) ein bisschen schneller als Frauen. Frauen haben Brüste, eine Klitoris und keine Brummstimmen. Sie neigen eher als Männer dazu, ihren Autos Namen zu geben. In einigen Ländern dieser Erde werden Sie aus diversen schwachsinnigen Gründen dazu aufgefordert, ein Kopftuch oder eine Burka zu tragen.
Weitere Unterschiede – bezogen auf Eignung, Vorlieben, Frisuren, Talent, Hobbys – gibt es nicht. In Einzelfällen entscheidet die Hirnforschung, jedoch kann man diese Dinge auch ignorieren, weil sie auch zu Missverständnissen führen können, etwa bei Grillveranstaltungen, wenn man beobachtet, wie eine Frau eher Steak isst und ihr Mann eher Salat und man sich dann dazu genötigt fühlt zu sagen “Hey, die Hirnforschung sagt aber, dass Männer mengenmäßig mehr Fleisch essen und Frauen mehr Salat!”
Danke.
Wäre ich Liebhaber pinkfarbener Handys, fände ich es auch unsinnig, dafür extra in eine Damenabteilung zu müssen.
Als leidenschaftlicher Schachspieler leide ich aber vor allem darunter, dass bei Turnieren auf dreihundert Männer höchstens zwei Frauen kommen. Bei Technikfreaks wird es selten anders sein. Obendrein verdächtige ich jede PC-Schrauberin, das nur zu tun, um ihrem leidenschaftlich schraubenden Geliebten oder Vater zu gefallen, “damit er mich einmal in den Arm nimmt und sagt, dass er stolz auf mich ist!”
Und wenn Feministinnen gedankenlose Entscheider beklagen, welche ach so manipulierbare Frauen in Rollenmodelle zwingen, empfinde ich die Millionenauflage der “BILD der Frau” schon als gewisses Maß der Dinge.
Ansonsten nehme ich mir gerne mein Reiseschachspiel und quatsche im Nachtleben Dancing Queens an, dass sie ja bloß trinken und rauchen, weil sie mithalten wollen und weil sie das aus dem Fernsehen kennen. Hätten sie die Kraft, sich aus ihren aufgezwungenen Rollen zu befreien, würde sie jetzt mit mir in den Schachverein kommen.
Wahrscheinlich erlebe ich dann außerordentlich selbstbewusste Frauen, die vielleicht auch für manche Feministin wenig schmeichelhafte Kommentare übrig hätten.
Machen wir uns nichts vor: Leserinnen feministischer Blogs sind eine Minderheit wie die Leser von Schachblogs.
Zurzeit studiere ich übrigens auf “Pinterest”, wie sehr ich in Klischees denke, dass Frauen in Wirklichkeit vielleicht so sind, aber auch ganz, ganz anders.
[...] Frauen werden gleichzeitig als etwas komplizierte, aber auch sehr eindimensionale Wesen dargestellt,… [...]
fantastisch! – das warten hat sich absolut gelohnt & gelacht. allein der bechdel-test, ich werde nie wieder filme unbedarft sehen können. danke dafür.
und wenn ich an diesen rundumschlag noch eine weitere drehung anfügen darf: dieses kultivieren von klischees läßt auch nicht wenige schwachmaten mit “dem stärkeren bartwuchs” glauben, frauen seien SO.
ich erinnere noch schwach, wie sich der frauenversteher und nebenberufliche VW-vorstand daniel goeudevert der frauen annahm, indem er schminkspiegel in der sonnenblende auf der fahrerinneninnenseite propagierte. danach ging der kauf von volkswägen ja sowas von ab.
nun also mädchamarkt …
(dieses ding bohrt btw. in die selbe kerbe http://www.imagebanana.com/view/hgl8ygpy/lidlgirlieeditionakkuschrauber.jpg )
Danke für den Artikel, den mag ich.
[...] Ratgeber Frau | patsyjones.de Frauen sind immer sauber und ordentlich und mögen Pastellfarben… Lesen! [...]
Klasse Text! Aber offenbar schaust Du die falschen Pornos…
Man muss ja nicht alles im Vorfeld als frauendiskriminierend abtun. Sicherlich ist es bescheuert zu glauben, Frauen würden am liebsten alle Elektrogeräte in Rosa kaufen, am besten noch im Hello-Kitty-Design. Es gibt aber schon Unterschiede, was Frauen und Männer lieber kaufen, wenn es um Elektrokram geht. Bei Frauen steht eher der Nutzen im Vordergrund, bei Männern der Spieltrieb. Warum haben wohl alle Waschmaschinen, Staubsauger, Spülmaschinen, etc. mittlerweile diese bunt blinkenden Mäusekinos? Weil Männer den Haushalt für sich entdeckt haben. Ich kenn das ja aus dem Bekanntenkreis. Frauen sind von sowas eher genervt, lesen ungerne Betriebsanleitungen und finden wichtig, dass eine Spülmaschine sauber spült und nicht blinkt und piepst. Bei Stereoanlagen sollten die Boxen möglichst klein sein und die Kabel dünn. Und möglichst wenige Knöpfe. Computer sollten möglichst klein sein und gut aussehen. Nicht umsonst verkaufen sich ja auch Apple-Produkte so gut, auch bei Frauen. Sie sind mittlerweile fast schon sowas wie ein Accessoire. (Nein, Apple Computer sind KEINE Frauencomputer:-))
Ich will hier sicher nicht den seltendämlichen Frauenzonenvorschlag meiner Kollegen vom Fach in Schutz nehmen, aber die Idee, Werbung habe auch nur entfernt mit der Realität zu tun, ist fast ebenso abwegig.
Den Bechdel-Test als Kriterium heranzuziehen, welcher Film Frauen zeigt, wie sie “wirklich” sind, halte ich in Anbetracht von zB “Sucker Punch” für eine etwas gewagte These ;)
Bei Sucker Punch ist das tatsächlich etwas abwegig. :D Ich glaub aber auch, der Bechdel-Test soll in erster Linie erstmal darauf aufmerksam machen, dass Frauen unnötigerweise in sehr vielen Filmen keine oder nur eine sehr kleine Rolle spielen. Ob Darbietungen in Filmen & Serien, die den Test bestehen, dann automatisch der Realität entsprechen ist wahrscheinlich nochmal eine andere Frage.