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Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich alles blöd finde – hier Dinge die ich gut finde: Norwegerpullis, Biker-Boots, Küken, Titten.

London

Da war ich also vom 07. bis 11. Mai im wunderschönen London. Und, was soll ich sagen, es war großartig. Nicht nur das Wetter war großartig, auch die Menschen, die Eindrücke, der Straßenverkehr, die Parks, die Tauben, die Sandwiches für umgerechnet 140 Euro.

Ankunft am Samstag. Und das ging ja schon gut los, bevor Schwester und ich überhaupt in Frankfurt angekommen sind. Denn ich musste mir Freitagabend ja unbedingt noch die Zähne aufschlagen. Nun fragt mich bitte nicht, wie ich das gemacht hab. Ich bin so durch die Gegend gefahren, Tasche war noch gar nicht richtig gepackt, ich war irgendwie in Feierlaune und noch gar nicht dazu bereit, endlich nach Hause zu fahren und letzte Vorbereitungen zu treffen… da schlag ich so mit den Zähnen aufeinander und mir bricht eine Ecke aus genau dem Zahn, in den ich mir vor einigen Monaten schon mit Hilfe einer Pizza Diavolo die Füllung rausgehauen hatte. Nur war das diesmal kein kleines Loch mehr, sondern eine komplette Zahnlücke. Sah beinahe interessant aus, hätte man so lassen können, ich war mir nur in dem Schock nicht so sicher, ob das nicht irgendwann im Laufe der nächsten paar Tage anfängt wehzutun. Ich also zum Telefon gegriffen und meine Schwester angerufen. “Julia, ich weiß du schläfst schon, da kann man nichts machen, ich komm jetzt zu dir, zeig dir etwas Schreckliches und du sagst mir ob das schlimm aussieht oder nicht.”

Wir fanden beide, dass das nicht schlimm aussieht aber trotzdem einer Behandlung bedarf. Nachforschungen ergaben dann, wer am nächsten Tag Notdienst hat, kurz im Kopf überschlagen wie viel Zeit ich eigentlich habe, wenn wir um 12 Uhr am Flughafen sein müssen und der Notdienst erst um 10 Uhr anfängt, fantastische Vorraussetzungen, das macht etwa fünfzehn Minuten um zu retten, was da noch gerettet werden kann, hurra.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr die Zahnärztin angeklingelt, ihr das Problem geschildert und gefragt, wann ich vorbeikommen kann. Ich durfte dann eine Viertelstunde früher kommen, bekam eine schöne Spritze, fürchtete mich, Zahn wurde repariert, Zahnärztin wünschte mir einen schönen Urlaub und es konnte dann auch endlich losgehen.

Das war die Vorgeschichte, nun in Stichpunkten mein London-Aufenthalt. Und mit Stichpunkten meine ich, dass das jetzt wahrscheinlich eine etwas längere Angelegenheit werden könnte.

Samstag: Ankunft so gegen 14 Uhr Ortszeit, Gepäck abholen, sich erstmal orientieren. Ist aber in Heathrow irgendwie kein allzu großes Problem. Man hat da auch viele indische Freunde, die einem weiterhelfen. Da fragt man sich dann von Infostelle zu Infostelle, wechselt dreimal die Etage, irrt ein bisschen umher, bis man endlich an der Stelle angekommen ist, wo man die Travelcard ausgehändigt bekommt. Von da aus direkt in die U-Bahn, Picadilly Line, bis zur Haltestelle King´s Cross.

Die Vororte von London sind hässlich. Im Prinzip ist die Innenstadt von London hier und da auch ein bisschen hässlich. Trotzdem eine wahnsinnig faszinierende Stadt irgendwie, man merkt das schon recht schnell, ich kann aber nicht erklären wieso. Jedenfalls haben wir dann nochmal ungefähr eine Stunde gebraucht um überhaupt unser Hotel zu finden. Eigentlich ist es nur zehn Minuten von der U-Bahn-Station entfernt, aber wer sich nicht auskennt, dem hilft auch ein Stadtplan erstmal nicht weiter, weil alles irgendwie gleich aussieht, ein paar Straßen im Plan fehlen und man ab und zu nach Hausnummern erst ein bisschen suchen muss. Ein freundlicher Taxifahrer erklärte uns dann den Weg.

Nassgeschwitzte Ankunft im Hotel, ab unter die Dusche, Dusche funktioniert nicht so, wie man es gerne möchte, von den komischen englischen Steckdosen hätte man uns eigentlich auch mal vorher informieren können, scheißegal, die Frisur sitzt sowieso nicht, das Mädchen braucht keinen Fön und kein Glätteisen.

Zwei Minuten vom Hotel entfernt dann auch direkt ein schönes italienisches Restaurant ausfindig gemacht. Wunderbar leckere Pasta gegessen, dazu irgendein englisches Bier, anschließend noch eine kleine Erkundungstour. St. Pancras, einer der Hauptbahnhöfe, ist ein ziemlich eindrucksvolles Gebäude, von innen wie von außen, vor allem wenn in einem der Restaurants ein Kerl mit einer Gitarre sitzt und “Sex on fire” performt. Die ganze Zeit fand ich es übrigens ein bisschen schade, dass ich mir nicht von irgendwem eine richtige Kamera ausgeliehen habe, weil man unmöglich die Schönheit dieser Stadt mit einer blöden Digicam festhalten kann.

Sonntag: Mit Muskelkater aufstehen, weil die Betten so weich sind. Wir probieren spaßeshalber das Frühstück im Hotel, haben ja schließlich dafür bezahlt. Es ist beängstigend schlecht. Es geht mit der U-Bahn Richtung Oxford Street, erste Souvenirs werden gekauft und natürlich auch der klassische “I <3 London”-Pulli für 12 Pfund (Ich in blau, Schwester in weiß). Ich frage die Verkäuferin, wo ich eine Tasse mit dem Gesicht der Queen drauf finde, sie sagt mir, es gäbe jetzt im Moment eigentlich nur “William & Kate”-Tassen, aber die will ich nicht, ich will den Klassiker, ich will eine Queen-Elizabeth-Tasse. Ich kaufe mir ein Haarband mit Gänseblümchen drauf und wir nähern uns dem anderen Ende der Oxford Street, da wo die Primark-Filiale sich befindet.

Primark hat noch nicht geöffnet, aber es stehen schon rund 100 oder 200 Leute, meist Mädels, in Lauerstellung davor. Der Wahnsinn hat nun also ein Gesicht. Oder besser gesagt 200 Gesichter. Die Mädels sehen alle aus als kämen sie aus einer deutschen Kleinstadt wie Frankenberg. Ich versuche so viel Abneigung wie möglich auszustrahlen, als ich ein Foto von ihnen mache. Wir beschließen, nach einem kleinen Imbiss auch mal vorbeizuschauen, wenn die ersten Massen sich mit Hilfe von spontanen Unsinns-Käufen wieder beruhigt haben.

Aber das ist ja vollkommen naiv. Da beruhigt sich ja niemand. Man geht da rein, nimmt sich so eine riesige Tasche, die so groß ist, dass man eine Pandabärenfamilie hineinbetten könnte, und versucht ohne Blessuren da durch zu kommen. Es herrscht ein Verkehr und ein Treiben wie beim Friedrichshäuser Flatrate-Ficken zur besten Stunde und manche Mädchen sind so irrsinnig bescheuert, dass sie einfach Teile unbetrachtet in ihre Tasche legen, einfach, weil sie eben nur 2 Pfund kosten. Ich gehe kopfschüttelnd von Ständer zu Ständer. Am Ende gebe ich 69 Pfund für eine Jeans, einen Cardigan, zwei Tshirts, zwei Paar Schuhe und Klimmbimm (Gürtel, Tasche, Schmuck etc.) aus und es hat sich eigentlich gar nicht gelohnt. Außer dass ich mich jetzt bei der Air Force bewerben kann und denen erzählen kann, dass ich enormem Druck mühelos standhalte, weil ich einst einen eineinhalbstündigen Primark-Besuch überstand, ohne mir danach die Kugel zu geben.

Ganz ehrlich… Guantanamo… mitten in der britischen Zivilisation… Ich tu´s nie wieder. Sunday, bloody sunday.

Von Primark geht es über next und zara zu H&M, wo ich mich nocheinmal um einige Pfund erleichtere. Ich kann nun, es ist etwa 15 Uhr, nicht mehr stehen, geschweige denn laufen, bin jedoch von den Eindrücken dieser Stadt so überwältigt, dass es nicht ganz so grausam ist. Wir beschließen, zurück ins Hotel zu fahren, zu duschen und mit dem Bus in irgendeine Richtung zu fahren, die uns sinnvoll erscheint.

Am frühen Abend geht es dann mit dem Bus zur London Bridge. Vorbei an wunderschönen Gebäuden, klassischen wie modernen, deren Geschichte man gar nicht kennt und auch sofort wieder vergessen würde, weil es einfach zu viel ist. Der Himmel ist bewölkt, aber das Wetter zeigt sich von einer trotzdem sehr zufrieden stellenden Seite. Wir steigen aus und bewundern die Tower Bridge, schießen Fotos und kehren schließlich in einer urigen, langen, dunklen Gasse bei einem Italiener ein um schon wieder Nudeln zu essen und unbekanntes Bier zu trinken. Man hat einfach eine zu große Angst vor der englischen Küche und mit Pasta oder Lasagne kann man wirklich nichts falsch machen.

Es geht über die Tower Bridge, ab in den nächsten Bus, vorbei am Trafalgar Square in Richtung Picadilly Circus. Leider ist es noch gar nicht richtig dunkel, deswegen ist dieser sonst so eindrucksvolle Platz, der auf so vielen Postkarten als Motiv herhalten muss, an diesem Abend eher gewöhnlich.

Ein verkleideter Bär fasst meiner Schwester an die Brust, ich mache ein Foto davon, jammere ein bisschen rum, weil sie einfach kein Musical mit mir besuchen will, wir laufen durch Chinatown und ich weiß genau, ich muss nochmal dahin, egal mit wem, und mich von Lokal zu Lokal fressen und saufen, auch auf die Gefahr hin, dass ich aus Versehen einen Hundewelpen oder Wellensittich verspeise. Njam.

Montag: Der Beginn eines wunderschönen Tages. Zeit, um ein paar Klassiker abzuarbeiten. Doch zunächst stille ich meinen ungebrochenen Hunger mit Sandwich. An jeder Straßenecke gibt es Menschen, die einem für ein paar Pfund leckere Brote schmieren. Es ist einfach nur wunderbar. Wir steigen an der Station Westminster aus und stehen direkt vor dem Palace of Westminster/Houses of Parliament und Big Ben. Ich glaub dieses Gebäude ist das eindrucksvollste, was ich je gesehen habe. Vom Wasser aus, wenn man da steht und ein Dudelsackspieler noch dazu Musik macht und die Sonne scheint… der Wahnsinn. An London Eye und London Aquarium, die sich direkt auf der anderen Seite der Themse befinden, sind wir nur vorbei gelaufen, auf der Suche nach einem Geldautomaten. Schwester hat Höhenangst (Hallo? Was sie da alles verpasst!!!) und alleine wollte ich nicht mit dem Teil fahren.

Zurück im Park die Reste des Sandwich verspeist (Irgendwann mach ich mal eine kulinarische Fresstour durch alle europäischen Städte. Ich werd immer nur dasselbe essen. Scheißegal. Theoretisch könnte die ganze Zeit ein Personal Assistant neben mir herlaufen und mir kleine Häppchen anreichen, es wäre ein Traum. Dazu ein kühles Bier und das Glück ist perfekt). Vorbei an Westminster Abbey (die wollten als Eintritt 16 Pfund haben. Ob ihr euch wohl schonmal an den Kopf gepackt habt? Keine Kirche der Welt ist so geil, dass ich dafür so viel Geld bezahle) ging es Richtung Buckingham Palace.  Im St. James Park gibt es viele lebensgefährliche Tauben, die man an der ein oder anderen Stelle auch füttern darf. Ich mache “gurr gurr”-Geräusche und stelle fest, dass eine Kugel Eis umgerechnet rund tausend Euro kostet. Mache mir Gedanken über den Lebensstandard in London.

Buckingham Palace ist langweilig. Also wirklich großartig, aber halt langweilig. Ihr versteht schon. Das kann man sich mal angucken, aber dagegen ist eine Fahrt mit der U-Bahn deutlich spannender. Apropos U-Bahn, mit der geht es dann von der Victoria Station aus Richtung Norden. Camden Market. Hier erlebe ich die vielleicht schönsten Stunden der Reise. Nicht nur weil der Chicken Burrito und das Bier so wunderbar schmeckt. Nein, es ist dort einfach wunderbar. Man betritt einen Laden und kommt zweieinhalb Stunden später wieder raus, hat tausende schöne Sachen gesehen, die Menschen sind alle zufrieden und gut gelaunt, die Preise sind menschenfreundlich, ich will da nochmal hin. Immer wenn mir jetzt jemand erzählt, dass er drei Tage lang in den Heide-Park-Soltau fährt oder eine 4-Tage-Ballermann-Tour macht, werde ich anfangen zu weinen und zu mir sagen, dass ich möglicherweise stattdessen in den nächsten Jahren eine Woche lang durch Camden laufen werde.

Ein südländischer Verkäufer, der uns Kleider andrehen will, fragt uns ob wir aus Spanien oder Italien kommen. Ich sage ihm, dass wir blond sind, german nazis, er erwiedert, dass wir etwas südländisches im Gesicht haben, er gaukelt mir Liebe vor, ich kaufe ihm ein Kleid ab, das mir später gar nicht mehr gefällt und besser zu einem Tuch oder den Unterrock der Königin umfunktioniert werden sollte. Verdammte Scheiße. So ein Arschloch!!!!!

Ich will unbedingt noch Highgate Cemetery sehen, aber es ist schon zu spät und ich muss dieses für mich klare Highlight auf den nächsten London-Besuch verschieben. Zurück in und um King´s Cross tun mir meine Füße so unglaublich weh, dass mir schwindelig ist vor Schmerzen. Ich bin nun 300 Kilometer gelaufen und trotz sehr guter gesundheitlicher Verfassung am Ende meiner Fortbewegungskräfte. Im Hotel lasse ich Wasser über meine Füße laufen und alles ist wieder gut.

Besser wird es unter anderem als mir im Big Chill House, das nur 5 Minuten von unserem Hotel entfernt ist, auffällt, dass es doch viele gutaussehende Engländer gibt. Baumfäller-Typen. Bärte. Flanellhemden. Lässig sitzende Jeans. Männer mit großen, schmalen Händen und melancholischem Blick. Die gerade von der Baustelle kommen und nach den zwölf Bier noch zu einer Dichterlesung gehen. Versteht ihr? Versteht ihr mich? Typen mit der perfekten Nicht-Frisur.

Dennoch: sich betrinken ist in London gar nicht so leicht. 200 Euro für ein Bier. Ach. Dafür schmeckt die Pizza später umso besser. Hab ich schon erwähnt, wie unheimlich wichtig mir die Nahrungsaufnahme ist? Dass ich lieber 8 Stunden lang essen als schlafen würde, wenn mein Körper das mitmachen würde? Ich muss übrigens nochmal ins Big Chill House. Erwähnte ich die lässigen Typen? Da kann man auch frühstücken. Ich muss so schnell wie möglich wieder noch London. Ich brauche Geld. Wer leiht mir Geld?!

Dienstag: Wir irren ein bisschen durch Notting Hill. Bin enttäuscht, dass uns Hugh Grant nicht über den Weg läuft. Erblicke einen Buchladen mit vielen vielen wunderschönen Büchern, die ich gerne alle gekauft hätte. Kaufe mir dann schließlich nur Chuck Palahniuks “Survivor”, ein Buch über Bill Hicks und zwei Comics (Spider Man und Silver Surfer), um sagen zu können, dass ich zwei Original Comichefte aus einem urigen Buchladen aus Notting Hill habe. Davon ab bin ich aber wirklich Fan vom Silver Surfer.

Mit dem Bus geht´s dann Richtung Victoria Station und weiter mit der U-Bahn zur St. Paul´s Station, es begegnen uns viele geschäftige Banker mit Stecker im Ohr, die alle schwitzen in ihren Anzügen, wir schauen kurz bei Topshop vorbei, kaufen aber nichts, gucken uns die St. Pauls Cathedral von außen an (Ich bin nicht hochgestiegen, wird mal nachgeholt, denke ich) und gehen dann über die Millenium Bridge in Richtung Modern Tate. Das ist dieses Umsonst-Museum, das alle so gut finden. Ich fand irgendwie den Laden unten, in dem man viele schöne Bücher, die alle irgendwas mit Kunst, Malerei, Pinselschwingerei  etc. zu tun haben, irgendwie spannender als die Ausstellungen an sich. Da waren auch viele geplagte Schulklassen mit vielen magersüchtigen englischen Mädchen, die ebenso unwissend durch die Räume schlichen. Vielleicht war ich auch einfach nur müde. Beim nächsten Mal nehm ich mir jedenfalls 500 Pfund mit, die ich nur für Bücher ausgebe. Wer von euch leiht mir denn nun das Geld?!

Danach setzt die Müdigkeit ein und wir beschließen, jetzt in irgendeinen Bus zu steigen und irgendwohin zu fahren. Das Ziel ist Camberwell im Süden von London, danach steigen wir um um wieder nach Norden zu fahren und in der Old Street in Shoreditch Döner zu essen, der jedoch kein richtiger Döner ist, sondern irgendein Brot und daneben ein bisschen Fleisch und Salat. Gibt es in London richtigen Döner, so wie wir ihn kennen? Falls nicht, sollte mal jemand dort einführen, die Londoner freuen sich bestimmt darüber.

Am Mittwoch ist nicht mehr viel passiert, weil wir vom Hotel aus um 12 Uhr direkt zum Flughafen gefahren sind. Ausgerechnet an dem Tag fing es auch wieder an zu regnen, wir hatten also richtig Glück mit dem Wetter in diesen vier Tagen. Mein Fazit? Ich bin froh, unheimlich viel gesehen zu haben. Ich habe tatsächlich so viel gesehen und bin so viel gelaufen, dass wenig Zeit für das eigentliche “Erleben” blieb und das schöne daran ist, dass ich London definitiv noch einige Male einen Besuch abstatten werde, mich dann dort schon ein kleines bisschen auskenne und einiges schon gesehen hab. Dass ich nie verkatert aufgewacht bin, war das beste, was mir passieren konnte. Ich bin nämlich ein Mensch, der dann gerne bis 17 Uhr im Bett liegen bleibt, versucht die Sprache neu zu erlernen, kurz aufsteht und lustlos in eine Pizza beißt und dann wieder zurück ins Bett geht. Stell dir vor du bist in London und verschläfst den ganzen Tag oder sitzt mit einem riesen Schädel in der U-Bahn.

Es war perfekt so und ich will sobald wie möglich wieder hin und dann weniger sehen, dafür mehr erleben. Ich spreche hier von Lebensmittelvergiftungen, unverständlichen Stand-up-Comedians, Nahtoterfahrungen, Diebstählen und solchen Sachen. Und bitte entschuldigt, dass in dem Bericht hier so viele Zeitsprünge sind. Die korrigier ich aber jetzt nicht, die müsst ihr akzeptieren.

Also… London 2012… wer kommt mit? Lasst uns anfangen zu sparen, dann wird das ganz groß werden. 6-Bett-Zimmer und es kann losgehen.

Im Herbst geht´s für drei Tage nach Paris. (Hat mein Schatz mir zum Valentinstag geschenkt. Oder nee, warte mal, ich glaub, da hab ich jetzt was verwechselt. Der hat mir ja zum Valentinstag das vietnamesische, 1,43 m große Dienstmädchen und die Abenteuersafari durch Südafrika geschenkt. Tschuldigung, bin übermüdet, ignoriert es einfach, erwähnte ich schon wie unglaublich schlecht es mir gestern ging? Das ist der Nachsuff.) Da freu ich mich auch schon drauf. Völlig andere Stadt. Und es gibt dort Essen. Hach. Und Männer.

Franziska schreibt einen planlosen Blogeintrag über Emanzipation Teil 1.

Ich weiß nicht so genau, was Feminismus und Emanzipation nun eigentlich bedeuten. Das sind ja auch zwei verschiedene Wörter, ihr könnt sie ergoogeln, bei wikipedia nachlesen, es gibt Literatur darüber, es gibt unzählige Blogs, die sich damit beschäftigen. Und wenn wir mal ehrlich sind passiert uns – und mit uns meine ich Männer und Frauen auf dieser Welt – mehrmals die Woche etwas, das so ein bisschen unter den Leitgedanken “Feminismus” fällt.

Ich beschäftige mich eher unbewusst damit, habe nicht studiert, keine Fachliteratur gelesen, kann verschiedene Begriffe nicht richtig einordnen und am Ende ist mir das irgendwie auch scheißegal, weil diese Dinge etwas mit meinem Alltag zu tun haben und den muss ich nicht mit irgendwas umschreiben, nicht auf irgendeine Doktorarbeit verweisen oder jetzt auf Artikel verlinken, die vielleicht irgendetwas mit dem hier zu tun haben könnten. Also vielleicht wird das hier ein feministisch angehauchter Blogeintrag oder vielleicht wird das auch ein Blogeintrag über Vorurteile oder Erziehung oder das Fernsehen. Das weiß ich nicht so genau.

Was ich allerdings weiß ist, dass mir in letzter Zeit zwei Dinge passiert sind, die irgendwie auf ein für mich grundsätzliches Problem aufmerksam machen. Und damit meine ich, dass es für euch da draußen überhaupt gar kein Problem darstellen muss. Ich spreche hier für mich. Und ihr sprecht für euch (also zumindest könnten einige von euch das ab und zu mal versuchen). Also.

Es ist ein paar Wochen her, da sagte mir eine männliche Person, mit der ich mich eigentlich immer ganz gut verstanden habe, dass ich nie einen Mann abbekommen würde, wenn ich mich weiterhin so kleide. Darauf folgte ein kurzer Wortwechsel, ein paar Beleidigungen, am Ende entschuldigten wir uns beide und alles war wieder in Ordnung. Nun möchte ich mit euch sicher nicht darüber sprechen, was ich an diesem Abend anhatte (Es gibt jedoch eine Statistik, die besagt, dass ich besser angezogen bin als etwa 82% meines näheren und weitläufigen Umfeldes, aber vielleicht hab ich mir das auch nur gerade ausgedacht). Es sei soviel gesagt: Ich trage gerne schwarz, ich hasse Strass-Steine und silbrig schimmernde poppige Aufdrucke, die Farbe Lila verursacht bei mir meist Panik und Sodbrennen, ich habe einen prachtvollen riesengroßen Arsch, der die Dinge nicht leichter macht, und Frauen, deren scheinbar einzige modische Regel es ist, immer möglichst viel Ausschnitt zu zeigen, bekommen von mir definitiv kein Foto.

Zum dämlich dahingesagten Vorwurf nun mein Kommentar: Wer sich auch nur ein bisschen, also wirklich nur ansatzweise mit einem Menschen wie mir beschäftigt, wird irgendwann feststellen, dass ich zwar sehr wohl ab und zu irgendeinem Mann gefallen möchte, mir also diesbezüglich sicher nicht alles egal ist, ich möglicherweise sogar heiraten und ein Superbaby haben möchte (soweit möglich in Verbindung mit einem Mann) aber… du meine Güte, wie gerne würde ich jetzt schon anfangen zu fluchen… es mir im Moment mindestens genauso wichtig ist, einigermaßen unverkleidet vor die Tür zu gehen, tun und sagen zu dürfen wonach mir gerade ist und eine gute Zeit zu haben egal wann und wo und egal mit wem. Ich möchte sagen dürfen, dass du ein Arschloch bist und du darfst mir dann auch irgendwas sagen. Ich möchte schwarz tragen, ich möchte Stiefel mit wenig Absatz tragen dürfen und weite Tshirts über langweiligen Leggins. Ich möchte noch viele Bücher lesen, viele gute Filme gucken und ich möchte… wenn ihr wahnsinnig großartigen Männer mir das wohl bitte mal eben gestatten würdet … verfickte Scheiße nochmal einigermaßen ich selbst sein dürfen.

Bitte lasst die Tatsache, dass ihr für alle subtilen Dinge des Lebens keinen Platz habt, nicht an mir aus, denn eigentlich kann ich nichts dafür, dass ihr so ein unheimlich langweiliges Schwarzweiß-Denken an den Tag legt, das euch offenbar zu derlei idiotischen Kommentaren veranlasst. Menschen präsentieren sich täglich, jeder tut das, und es erscheint mir ziemlich witzlos, dass ein Teil der Männer wie ihr offenbar nur eine Form von weiblicher Präsentation toleriert.

Aber hey, krempelt euch doch demnächst die Ärmel eurer Hemden ein bisschen nach oben, auch wenn´s schneit, ich gucke mir so unheimlich gerne leicht gebräunte, kräftige Unterarme und Männerhände an, und wenn sich unter den Jeans so ein bisschen was abzeichnet, geht mir auch das Herz auf. Ginge das? Das sind primäre Geschlechtsmerkmale, das ist Frauen wie mir unheimlich wichtig, man muss schon von weitem erkennen, dass da ein richtig guter Deckhengst angetrabt kommt, also arbeite doch bitte an deinem Gang und deiner Haltung. Und wenn du wohl so gut wärst, mir die nächsten Getränke auszugeben, ich will eingeladen werden, ich steh auf großzügige Männer die ab und zu mal was springen lassen, was fährst du denn eigentlich für ein Auto? Ach du fährst keinen Audi? Und auch kein BMW? Noch nicht mal einen getunten 2er Golf? Das ist ja erschreckend unmännlich, finde ich ja ganz und gar nicht beeindruckend, entschuldigung, aber da hinten hat mich gerade jemand gerufen, ich muss jetzt leider gehen.

So möchte ich nicht sein. So bin ich auch nicht, glaube ich. Es gibt Männer, die mich interessieren. Aus vielen verschiedenen und auch nicht immer denselben Gründen. Wenn sie stark davon abweichen, sprich überhaupt nicht mein Fall sind, interessiere ich mich eben nicht für sie. Klingt logisch, ist es glücklicherweise auch. Dann stehe ich ihnen neutral gegenüber, sehe sie nicht als Mann unter sexuellen Aspekten, sondern als Mensch, mit dem man sich versteht oder eben nicht. Wie auch immer. Ich würde denen niemals sagen, dass sie irgendetwas verändern sollen, weil es mir scheißegal ist, wie sie aussehen. Es gibt keinen Grund für einen Menschen einem anderen zu sagen, dass er irgendetwas anders machen soll, solange er nicht persönlich unmittelbar davon betroffen ist. Ich glaube, das kritischste, was ich gegenüber Männern mal von mir gegeben habe war, dass ich nur auf jene ein Auge werfe, die ab und zu mal einen Dreitagebart haben. Ziemlich allgemein und ziemlich wenig beleidigend, würde ich sagen.

Deine Olle geht in Jogginghose auf ´nem Empfang? Ehrlich Mann, sag ihr deine Meinung, bevor ihr das Haus verlasst, vielleicht kannst du sie ja noch davon überzeugen, sich umzuziehen.

Ein Mädchen, das du flüchtig kennst und mit dem du dich kurz vorher noch eine halbe Stunde unterhalten hast, sitzt zwei Meter neben dir und du sagst ihr, sie sollte sich mal anders anziehen, damit sie einen Mann abbekommt? Und die Tussi ist noch nicht mal fett oder in Lumpen gekleidet, sondern entspricht in diesem Moment einfach nicht deinem persönlichen Bild einer scharfen Mietze? Mein Gott, Arschloch, halt lieber den Mund, sonst wird sie dir wahrscheinlich gleich sagen, dass du deine Fresse halten und deine Mutter ficken gehen sollst. Das wird sie nicht ernst meinen und ihr werdet euch nachher beieinander entschuldigen (Sie zuerst. Weil sie Arsch in der Hose hat, die kleine graue Maus), aber für das arme Ding pardon die klasse Frau wirst du jetzt ewig der bleiben, der auf sexy, pseudo-elegante Ghettoschnepfen steht, denen es oberwichtig ist, dass ihr scheiß Lidschatten obtimal verblendet ist.

Mein Gott. Das musste meiner Meinung nach jetzt sein. Ganz ehrlich. Und wenn ich die einzige bin, die über sowas den Kopf schütteln muss, dann ist es auch ok.

Und in Teil 2 erfahrt ihr, wie unterschiedlich Frauen und Männer Emanzipation interpretieren.

motherfucking facebook. motherfucking twitter.

Facebook ist ´ne tolle Sache. Haben wir alle verstanden.

Schon klar, Facebook prägt das Internet mehr als alles andere, ist für das 21. Jahrhundert wichtiger als ebay oder amazon, vielleicht sogar bedeutsamer als youporn, bringt uns alle näher zusammen, bietet unzählige Möglichkeiten mit Freunden, Fremden, Kunden oder Sarah Kuttner in Kontakt zu treten.

Man kann virtuell Gemüse anpflanzen (Farmville ist befriedigend auf irgendeine Art und Weise, 99% fertiger Brokkoli, die liebevollen Geschenke der Nachbarn, Rinder, Schafe, Ziegen, Blumentöpfe, der erste eigene Pferdestall, Naturburschen-Dasein on Demand für alle, die 25 Stunden vorm Rechner hängen und aussehen wie nach einer Chemotherapie. Braungebrannt und in Latzhose ist man Herr über den eigenen Bauernhof.).

Man kann dämliche Fragen über andere Leute beantworten (Glaubst du, XYZ kriegt den Hals irgendwann nochmal voll genug? Findest du ABC schön und begehrenswert? Hättest du gern Sex mit Dingsbums?) Oder man kann fünfmal am Tag sagen, wo man gerade ist (Superschön. Jedoch: Wen außer eure Freundinnen interessiert das eigentlich? Ich fänd den Service “hat gerade Sex mit” deutlich interessanter, um ehrlich zu sein. Aber mich fragt ja wieder keiner. Scheiße)

Oder man kann sagen was einem gefällt, auch wenn das so subtile Dinge sind wie Sauerstoff, Essen, Feierei, harte Nippel und Brückentage (Merkste was?) Hans Maulwurf geht jetzt mit Popo-Klaus eine Bratwurst essen. 15 Leuten gefällt das. Und du denkst dir: Alter, wer will jetzt die 15 Leute in die Luft sprengen? Soll ich? Oder will jemand anderer ran? Und manchmal drückst du selbst noch auf „gefällt mir“, um die Dämlichkeit dieser Welt zu feiern und danach ein bisschen zu weinen.

Die superneutrale Geilness nervt.
Seid doch mal richtig scheiße oder pervers oder wenigstens komisch.

Die allgemeine Awesomeness (sprich: endlose Blödheit) wird beinahe greifbar. Du kannst sie beinahe hören, riechen, schmecken. Du schämst dich und willst das alles in witzig oder wenigstens in pervers oder sonstwas. IRGENDWAS, was nicht so donnerdumm ist, etwas das wenigstens von purer, eindeutiger Scheißheit oder Großartigkeit zeugt. Aber nicht dieses… dieses… versteht ihr… diese nichtssagende Schwachköpfigkeit. Und du spürst im selben Atemzug: Du bist einer dieser Schwachköpfe, wenn du dich auch zu einer anderen Gruppe von Vollidioten zählst. Du willst dich abgrenzen, weißt aber nicht so genau, ob du das überhaupt kannst und ob das überhaupt mehr als zehn andere verstehen. Du bist doch selbst angemeldet in diesem Portal der Schönen, Reichen, Geistlosen und Sinnfreien. Du bist selber ein Bekloppter. Bei Facebook angemeldet sein, sich aber über die Auswirkungen oder Teilaspekte beschweren – das ist ungefähr so schlimm, wie in einer Beziehung sein und dauernd nörgeln, was einem vom Endgegner Freundin oder dem hirnlosen Poser-Freund alles nicht erlaubt wird.

Aber mal ehrlich, die bumsen und saufen nur auf Facebook. Die sitzen nur darum, denen ist langweilig, die warten auf den Feierabend oder jammern rum oder flechten sich die Haare oder finden Mario Barth immer noch witzig. Ab und zu wird eine Diskussion mal sinnvoll oder so absurd-witzig, dass es Spaß macht. Aber Facebook und seine Bevölkerung – die haben trotzdem nicht besonders viel übrig für Wortgewalt. Wortgewalt, die neben guter Musik und Neugier, der Grund dafür ist, dass ich überhaupt ins Internet gehe.

Wortgewalt! Und, ja, ich finde, das kann man durchaus suchen und finden im Internet

Und wenn man jetzt behauptet, dass Wortgewalt nicht existiert oder, wenn sie existiert, man sie doch nicht im Internet und schon gar nicht in Netzwerken wie Facebook sondern lieber in der Bibliothek danach suchen und sich dann daran erfreuen soll, dann ist man irgendwie im klassischen Sinne beschränkt. Oder eingeschränkt. Tschuldigung: meine Meinung. Ich würde mich langweilen, wenn ich im Internet nur mich selbst, mein Hobby, meine Interessen und meine Geilness oder Langeweile (weil an dem und dem Tag das Fernsehprogramm so scheiße ist) präsentieren und teilen dürfte. Ich will das nicht. Ich find mich da draußen, wo die Sonne scheint, an sich ja schon gut genug. Sprich: Ich komme klar mit mir. Punkt. Das kann ich jetzt so, an diesem sonnigen Tag im April 2011 sagen.

Und das Problem ist nicht, dass anderen so ein Netzwerk ausreicht, weil ihnen die Wortgewalt und ein paar Lichter und Farben egal sind und auch egal sein dürfen. Das Problem ist, dass ich das Gefühl habe, dass man nichts anderes wollen darf. Und dass es nervt, wenn man mehr tut oder andere Sachen macht. Das Internet wird runtergebrochen auf eine Kiste mit vielen Informationen und Austausch von Banalitäten. Was ist, wenn ich genau diesen Austausch von Banalitäten nehme und daraus etwas machen will, das sich schön anhört, wenn man es jemandem vorliest, das irgendwen zum Lachen und irgendwen zum Weinen bringen kann? Und was ist, wenn das viele Menschen wollen?

Man beobachtet eigentlich schon seit einigen Jahren diesen Kampf zwischen Facebook und twitter. Mich interessieren nicht die Nutzerdaten oder irgendwelche Zahlen oder die Möglichkeiten der Kommunikation und der Sympathiebekundungen. Vielleicht ist twitter im Gegensatz zu Facebook wirklich unwichtig, klein, nichtssagend.

Facebook: die öffentliche Straße.
Twitter: der Hinterhof, das Wohnzimmer, ein langer schmaler Flur

Aber ich lache oft 17 Mal richtig laut am Tag. Auch anhaltend, mit Schmerzen, die nach zwei Minuten auftreten. Und Schluckauf. Und das kommt natürlich von Freunden, die neben mir herspazieren oder mir gegenüber sitzen. Das bringt der Alltag so mit sich. Aber oft kommt es auch, weil jemand in 140 Zeichen etwas gesagt hat, was charmanter, witziger und besser ist als 90 Minuten Dieter Nuhr, von dem ich einst ein großer Fan war und eigentlich auch immer noch bin. Weil jemand das Leben beschreibt, mit 9 Wörtern, und das ist so gut, da kann man nicht wegsehen, das muss man retweeten, dem Gesagten muss ich folgen, damit ich nichts verpasse. Nirgendwo sonst gibt es plumpe Aussagen, die gleichzeitig subtil sind und einen damit beinahe schon auf den Pfad der größten Erkenntnis geleiten, die man je erfahren hat. Es gibt diese wahnsinnig gestörten, wortgewaltigen, wunderbaren Menschen nur auf twitter. Nirgendwo sonst.

Ich finde, dass auch nirgendwo besser über die Liebe gesprochen wird, als auf twitter. Über den blödsinnigen Alltag, über Begegnungen mit Menschen. Ich finde auch, dass twitter nicht dazu geführt hat, dass weniger richtig gebloggt wird, im Gegenteil. Man „begegnet“ dort einer Reihe intelligenter, interessanter, humorvoller Menschen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist und manchmal stellt sich heraus, dass man sich auch im echten Leben gut mit ihnen versteht. Das Internet ist ein Teil unseres Lebens und nach 3 Jahren auf twitter und auch 3 Jahren auf facebook kann ich für mich sagen, dass twitter dieses Leben echter und besser wiederspiegelt, obwohl es überhaupt nicht mit den Funktionen des Netzwerk-Giganten mithalten kann. Vielleicht weil dort alles etwas persönlicher, kleiner, verletzlicher ist.

Auf twitter haben manchmal sogar dezente Beleidigungen ein gewisses Niveau. Twitter ist fein-herb, es macht nicht so schnell müde und auch wenn ich die Musiktipps, Veranstaltungseinladungen und Wochenend-Statusmeldungen meiner Facebook-Bekanntschaften nicht missen möchte, fühle ich mich doch dort nicht so wohl wie beim kleinen, viel belächelten Zwitscher-Dienst. Es ist ein bisschen so als würde man bei Facebook einigermaßen gut gekleidet eine öffentliche Straße entlang laufen, man trifft Bekannte, gute Bekannte, Fremde, Halbfremde und dann zieht man sich zurück in ein kleines Haus, dort sind auch viele Fremde, aber der Lärm der Straße ist weg, keine plakatierten Wände und man kann sich irgendwohin zurück ziehen, vielleicht in die Küche, weil dort doch immer die nettesten Menschen sind, oder man nimmt sich ein Bier und setzt sich zu irgendwem aufs Sofa, man muss nicht mehr auf seine Körperhaltung achten, man ist ein bisschen mehr man selbst. Das ist twitter.

Aber ich will nun aufhören. Denn was am allerbesten ist, sind Menschen aus Fleisch und Blut die mit einem in einem Raum mit echten Wänden und echter Tapete sind oder auf einem echten Balkon stehen. Die man anstupsen und kneifen oder Unordnung in ihre Haare bringen kann. Das kann man alles nicht auf facebook. Und auch nicht auf twitter.

forever today

Es sind die kleinen Dinge. Winzig kleine ausschlaggebende Dinge. Die sich zu einem kleinen Haufen auftürmen, wie buntes Herbstlaub, nur dass es kein goldenes, orangenes, rotes Herbstlaub ist. Es sind Pastellfarben. Und die glitzern in der Sonne, egal wie pathetisch und schrecklich das klingen mag. Wie wenn man sich die Augen reibt und für einige Sekunden kleine Lichter vor der Linse auf und ab tanzen, aufeinander zu, voneinander weg, um dann nach rechts oben zu verschwinden.

Und dieser Moment, der aus aneinander gereihten Tagen oder drei hilflos in den Seilen hängenden Sekunden bestehen kann, bleibt einem in Erinnerung. Und wenn man erblindet, dann verschwindet er nicht, er löst sich nicht auf, man kann ihn sehen und sich erinnern, auch daran, dass Dinge, die man anfassen kann, nie an die Großartigkeit der Dinge heran reichen können, die etwas in uns ausgelöst haben, weil man sie nur herbeifühlen oder in der Magengrube tastbar machen kann.

Und dann weißt du, dass du keine Drogen, nur gelegentlich ein Gläschen Schnaps benötigst, denn Fantasie kommt ohne Drogen aus, sie entsteht aus dem Nichts, aus einem hohlen farblosen Raum, zieht einen Faden aus Bedeutungslosigkeit hinter sich her, der sich irgendwann zu verknoten beginnt oder hängen bleibt und plötzlich ist das alles gar nicht mehr so bedeutungslos. Nur noch ein bisschen. Und im weiteren Verlauf deines Lebens immer weniger.

Und du fühlst dich gar nicht benachteiligt wie früher, als der Blick deiner Mutter dich dazu ermahnt hat, die Schokolade mit den anderen Kindern zu teilen, weil es diesmal anders ist, weil ihr euch alle gegenseitig etwas schuldig seid, nur fühlt es sich nicht an wie Schuld, sondern wie etwas Selbstverständliches. Als hätte jeder Mensch auf dieser Welt das was er ist in ein Tuch gepackt und zu einem Knäuel zusammen gedrückt und es dir gegeben, damit du es in eine Kiste packen kannst, um es im darauf folgenden Moment wieder zu verteilen, es jemand anderem zu geben – und so hat jeder Mensch einmal im Leben etwas von einem anderen gehabt.

always spring

Natürlich kann man sich verantwortlich fühlen. Das ist das naheliegendste. Zumindest für einen Teil dieser Gesellschaft. Vielleicht ist das so, dass eine Hälfte der Menschen auf dieser Erde sich immer verantwortlich fühlt und die andere Hälfte nicht und da ist es dann am Ende leicht zu sagen, wer die Schuld trägt. An Winzigkeiten, Kleinigkeiten, Großartigkeiten. Nichtigkeiten. Bei mir ist das so. Irgendetwas Bedeutungsloses passiert und ich fühle mich verantwortlich. Weil ich etwas gesagt oder getan oder aufgeschrieben haben könnte. Und am Ende ist es beinahe egal, wie sehr man sich verändert, was man erkannt und nicht erkannt und wieviel Verantwortung man eigentlich bewusst auf sich genommen, wie viele Entscheidungen man mittlerweile richtig getroffen hat. Am Ende macht einem diese kleine Frage “Ist das jetzt schon wieder meine Schuld?” einen Strich durch die komplizierte Rechnung der eigenen komplizierten Existenz. Die sich gut anfühlt manchmal. Eben gar nicht kompliziert. Nur in diesen Momenten, da wird sie wieder kompliziert. Und aus dem Schuldgefühl, von dem man nicht weiß ob es überhaupt berechtigt ist, wird Unsicherheit. Sie bleibt nicht lange, nur für ein oder zwei Tage. Nie bleibt sie lange, das ist ja das Schöne. Das aus einem generell unsicheren Mensch im Laufe eines Vierteljahrhunderts jemand werden kann, der dieser Unsicherheit eine Sicherheit, eine undefinierbare Stärke zur Seite stellen kann und so stolpern diese zwei Vögel Hand in Hand durchs Leben und es sieht wunderbar aus von hinten, wenn man sie dabei beobachtet, obwohl man doch mitten drin steckt.

Bin ich allein Schuld? An dem großen Nichts, das gar keine Rolle spielt, nie eine Rolle gespielt hat und – was heißt das eigentlich: eine Rolle spielen. Bin ich Schuld? War ich schon wieder dieses oder du oder wer oder könnte es sein, dass ich es diesmal gar nicht bin? Warum trampeln wir sie nicht tot, die Schuld, und lassen sie da unten liegen und dann kannst du sie anstarren und ich kann sie anstarren, damit wir uns bloß nicht gegenseitig anstarren müssen, im übertragenen Sinne, verfickt nochmal, so lange, bis wir sie vergessen haben, du unfairer Mensch, und dann ist es gut und ich kenne deinen Namen doch auch gar nicht mehr und auch nicht den Namen der Schuld, klingt doof, aber ist doch wahr, und du kennst meinen Namen auch nicht, das ist mir schon klar, vor allem das.

You´re still my friend, it´s impossible to hate you (eine nie und nimmer allgemeingültige Anleitung)

Es gibt viele wunderliche Dinge auf Gottes schöner Erde. Viele Ängste die man ausstehen, viele Erfahrungen die man machen, viele Probleme, die man bewältigen muss. Neben all diesen Dingen, die uns in schöner Regelmäßigkeit ohrfeigen, gibt es auch Dinge, die uns das Leben versüßen, sodass wir am Ende wieder bei Null rauskommen und von vorne beginnen können.

Dazu zählt: kühle Limonade. Ein anständiger Orgasmus. Das Kleingedruckte lesen und verstehen. Pralle Brüste. Original Thüringer Bratwurst. Optimal verblendeter Lidschatten. Der letzte Tag der Menstruation. Die Lieblingsfußballmannschaft gewinnt irgendwas. 3 Sonnenbrillen zum Preis von zweieinhalb. Und so weiter.

Wir können vieles nicht beeinflussen. Was wir jedoch beeinflussen können, bis zu einem gewissen Punkt, sind unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Unsere Freundschaften. Freundschaften mehr als Beziehungen, weil sie keinen Sex und dafür ein bisschen mehr Vernunft enthalten – in den meisten Fällen. Meine Familie ist mir treu, Männer haben möglicherweise auch irgendeinen Zweck in meinem Leben, aber Freunde prägen mich und inspirieren mich und ich bin zwar kein Mensch, der zur Selbstaufgabe neigt, aber so etwas sollte nach Möglichkeit beschützt werden.

Unsere Freundschaften… die können wir so führen, dass sie eine gewisse Zeit halten, dass sie uns glücklich machen, dass wir unser Gesicht nicht verlieren, aufgeben wollen, dass wir mit ihnen wachsen und schöne wie schlechte Dinge miteinander teilen können. Freundschaften sind von Bedeutung. Allerdings gibt es für mich persönlich Regeln, die mir helfen, den Karren nicht vor die Wand zu fahren. Es sind meine Regeln, nicht eure, wie gesagt. Aber vielleicht sind sie ja für irgendeinen Menschen von Belang, helfen weiter, als kleiner Überblick, nun… für diejenigen, die manchmal nicht so genau wissen, wo ihre Prinzipien liegen oder ob sie überhaupt welche haben oder jemals welche hatten.

1. Lästern ist in Maßen jederzeit und überall erlaubt. 98% der Menschheit lästert regelmäßig. Den anderen 2 % hat man beide Ohren abgeschnitten, den Mund mit Panzertape zugeklebt, ihnen die Augäpfel entwendet und unterirdisch vergraben. Das ist eine Tatsache. Oder eine Behauptung. Wie auch immer.

2. Entscheidend ist nicht ob, sondern über wen wir überhaupt lästern.

3. Sucht euch als Objekt eurer Sticheleien niemals einen Menschen in eurem engsten Freundeskreis aus. Sucht euch nicht, um euren eigenen Frust irgendwie zu händeln, eine eurer fünf, sechs, sieben engsten Freundinnen aus. Niemals. Tut ihr es doch, zeugt dies ohne Frage von absolut unmenschlichter Dummheit und bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärungen, Untersuchungen oder Nachforschungen.

4. Nun, da du Dank Punkt 3 festgestellt hast, dass du offenbar ein totaler Schwachkopf bist, könnte ich eigentlich direkt aufhören zu palavern, aber ich palavere, schwafele, blubbere und predige gerne schriftlich im Internet. Es hilft mir sehr, nicht auch noch da draußen im anfassbaren Leben ein wichtigtuerisches, ewig erzählendes, knatschiges Arschlochkind zu sein. Glaubt mir. Dieser Ausgleich ist wichtig und irgendwie auch erfolgversprechend.

5. Solltest du weiblich sein (was offenbar schonmal ein Riesennachteil für Freundschaften ist) und dich mit einer anderen weiblichen Person anfreunden, die dir in einigen Bereichen – innerlich wie äußerlich – sehr ähnlich ist: Komm nicht in Versuchung dich mit ihr zu vergleichen. Bitte klärt vorher durch Gedankenübertragung oder einen Blickwechsel, wer von euch Schneeweißchen und wer Rosenrot ist. Das ist wirklich von großer Wichtigkeit. Ihr könnt nicht beide immer auf dem selben Level sein und nicht immer in derselben Mannschaft spielen. Eine von euch IST heißer als die andere. Eine von euch IST humorvoller als die andere. Die Titten der einen sind nicht die Titten der anderen. Viele Dinge sind wissenschaftlich gar nicht möglich. Eine von euch hat mehr Spliss. Kommt damit klar. Dafür hat die andere vielleicht brüchiges Schamhaar oder ihr fehlt ein Vorderzahn. Akzeptiere deine Freundin. Liebe deine Freundin. Aber vergleiche dich nicht mit ihr. Das führt zu Lästereien. Immer. Und Lästereien unter Freundinnen bedeuten das Ende einer Freundschaft. Die klügere von euch beiden weiß das. Eine von euch beiden ist immer klüger. Naturgesetz!!!!

6. Die Klügere von euch beiden lebt nach einer ganz einfachen Regel: Wer den dringenden Wunsch verspürt, über Mitmenschen zu lästern, suche sich dazu bitte Personen aus, mit denen man aus evolutionstechnischen, gesellschaftlichen und sonstigen Gründen nie befreundet sein könnte. Falls diese Leute sich aus irgendwelchen Gründen am Rande deines Freundes- und Bekanntenkreises bewegen, sozusagen im Dunstkreis, mach dir keine Sorgen, das ist dann ihr Problem und nicht deins. Du hast sie ja schließlich nicht herein gebeten. Und sie haben dich ja schließlich auch nicht herein gebeten. Alles nur Zufall. Was will man da machen. Überschneidungen gibt es überall. Gäbe es sie nicht, wäre das Leben eine einzige Badewanne voller Langeweile.

7. Über welche Menschen kann man lästern? Wer bietet sich an, gibt es Hitlisten, bestimmte Vorgaben, irgendeinen Anhaltspunkt? Nun, da wären zunächst einmal die drei klassischen B´s. Blogger, Busen, BWL. Das habe ich mir jetzt ausgedacht und – fickt mich, wenn ich mich irre – es ist völlig logisch und überhaupt nicht abwegig. Zerreiß dir das Maul über Leute, die Sachen ins Internet schreiben. Zerreiß dir gerne auch das Maul über Frauen mit wahnsinnig großen Brüsten. Tu es aus falschen Gründen (purer Neid) oder weil du vollkommen Recht hast (hässliche, sehr bald, sehr stark herunter hängende Dinger). Und zieh auch ein paar Segelschuh tragende Lacoste-Werbeträger in den Dreck, wenn du magst und der Meinung bist, dass das etwas mit BWL zu tun hat und du jetzt irgendwas dagegen sagen musst. Hauptsache du lässt deinen Frust nicht an deiner Freundin aus.

8. Wer wäre da noch? Ich finde es zu leicht, über Menschen zu lästern, nur weil sie schöner, reicher oder klüger sind. Das macht man nicht. Das ist unsinnig, gemein und irgendwie witzlos. Gern warte ich zwei bis drei Wochen, bis irgendwer vorbei kommt und mir erzählt derjenige ist eine dusselige, labile Persönlichkeit, die chronische Angst vor Zurückweisung, übermäßige Angst vorm Alleinsein, der Zukunft, der primitiven Bürgerlichkeit, dem Internet oder Clowns-Portraits hat, möglicherweise dazu auch noch irgendeine gewisse Arroganz und Überheblichkeit mit sich herum schleppt, deren Ursprung niemals geklärt werden wird, was alles in allem eine irre gute Mischung ergibt, die geradezu danach schreit, angegrunzt und belächelt zu werden. Schachtelsatz my motherfucking ass oh yeah.

Was sollte das jetzt alles? Ich glaube, ich finde es einfach wichtig, im Leben ein oder zwei Prinzipien zu haben. Mehr nicht, mehr sollen es ja gar nicht sein. Je weniger Prinzipien ein Mensch hat, desto weniger Sorgen muss er sich darum machen, wer sich von ihm auf den Schlips getreten fühlt, wann er wo anecken darf, zu wem er ehrlich sein und wem er vertrauen darf.

Vertrauen? Grundsätzlich niemandem, aber wenn es sein muss zwei oder drei anderen Personen. Was noch? Sei direkt. Und zwar immer. Das spart Energie. Wer direkt und zu den richtigen Leuten hundertprozentig ehrlich ist, spart sich lästiges Ausdenken langweiliger Geschichten und sonstigen Scheiß. Glaubt mir. Ihr wisst es. Leute hassen dich und du hasst sie? Aus echten, unechten oder künstlich heran gezüchteten Gründen? Macht nichts, geh trotzdem ab und zu mal hin und sprich ein Wort mit ihnen. Lächle, wenn es dir in den Kram passt. Dasselbe gilt für weinen, toben, fluchen, tanzen und ficken. Zweimal täglich, neun Mal stündlich oder fünf Mal in einem Monat. Allein oder zu zweit. Ist ja wohl sowas von scheißegal. Andere urteilen über dich: Du weißt es sind Schwachköpfe. Du urteilst über andere? Freunde dich damit an, ebenfalls ein Schwachkopf zu sein. Mach trotzdem irgendwas draus. Herrgott. So ist das. Für mich. Keine Ahnung wie´s für euch ist.

you´re so right

Wenn wir Wildfremde wären. In einer wildfremden Stadt. Und ich wüsste nicht was ich weiß. Und du wüsstest nicht was du weißt. Und ich hätte dich nie zuvor gesehen. Und du hättest mich nicht zuvor gesehen. Und ich hätte dich nicht ausgelacht. Und du hättest mich nicht ausgelacht. Und wir hätten übereinander nicht den Kopf geschüttelt. Und es gäbe keine vorgefertigte Skizze, keine Vorurteile, keine Angst, keinen Rahmen, keine Eitelkeit. Wenn wir Wildfremde wären und wir würden uns begegnen. Und wir würden einander nicht kennen. Ein weißes unbeschriebenes Blatt Papier. Keine bunten Kritzeleien vermischt mit düsteren, eingetrocknete, rauhen Flecken. Keine Risse, keine Knicke, keine Falten. Wenn wir Wildfremde wären und da wäre dieser Park und es wäre Frühling oder Herbst oder wasweißich. Und ich würde etwas sagen und du würdest etwas sagen. Und wir würden ein Stück gehen. Und ich würde lachen und du würdest lachen und nach einer Weile würden wir wissen, dass wir über dasselbe gelacht haben und man würde nur noch einen von uns den Weg entlang laufen hören, weil wir im Gleichschritt laufen würden irgendwann. Wenn wir Wildfremde wären. Aber das sind wir nicht.

Guten Morgen, Berlin. Ich muss zum Frisör.

Diese letzten Tage. Das war schon was. Ich bin ein bisschen betrunken noch von gestern. Und müde. Und so. Und diese Erkenntnis, dass ich überall überleben kann, solange mein Körper mich nicht im Stich lässt, die ist gut und schwer zu verdauen und… ja.

Ich habe mich verfahren. In Bottendorf. Im Mühlenweg. Das bin ich. So ist das. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass es Menschen gibt, die man trifft, mit denen man eine Weile fährt, geht, dieselbe Luft teilt, die man unheimlich schnell ins Herz schließt. Menschen, mit denen man vorher nur im Netz kommuniziert hat, sonst nichts.

Diese Menschen laden einen ein, fahren mit einem, haben so gemütliche Betten. Und Italiener. Francesco Tortellini. Alessandro Pompinelli. Und so weiter.

Wie die re:publica 2011 war… ich weiß es nicht so genau. Da waren drei verdammt großartige Veranstaltungen. Sascha Lobo. Gunter Dück. Und: Raphael, ich habe dir präzise Anweisungen gegeben!

Es war schön. Was allerdings viel wichtiger ist: Unmenschlich bekloppte Menschen wohnen dort in Berlin. Und gut sehen sie auch noch aus. Und das ist selten. Das kannte man bisher ja nur von Menschen wie mir. (Achso… nein, das war jetzt ein Scherz. Ihr habt gesehen, dass ich in echt zehn Kilo schwerer bin, eine unreine Haut und überflüssige vertikale Falten habe, oder?)

Berlin ist schön, wenn die Sonne scheint. Berlin ist schön, mit viel Spucke und geschnittenen Schnitzel und Leuten die aussehen wie Peter Fox und Leuten die aussehen wie Emile Hirsch in Milk und Leuten, die es tatsächlich von Bad Wildungen bis nach München geschaffft haben. Berlin ist schön, wegen Pommes in Jalapeno-Käsesoße und… ach, ich hätte ihn gerne gesehen, den Crèpes-Verkäufer mit französischem Akzent. Berlin ist schön und die schönsten Männer sind oft schwul. Das ist tragisch, aber irgendwie auch wieder gut. Das muss so sein.

Schöne Momente gab es viele. Ich will sie hier sammeln. In kurzen Sätzen. Wenn Menschen Rick-Astley-Platten geschenkt bekommen. Überhaupt, Menschen mit denen man sich auf der Hinfahrt gut versteht. Man könnte sich ja auch anschweigen, sich miteinander langweilen, unterschwellig doof finden oder sonst irgendwas. Aber man mag und verabscheut dieselben Dinge. Und Leute. Die aussehen wie Gollum. Und denen man auf twitter nur folgt, weil sie so scheißblöd sind. Ja. Scheißblöde Menschen haben auch ihre Berechtigung.

Man kommt da an in Berlin, Mittwochnachmittag, freut sich dass man sich soweit versteht, und hofft, dass man sich mit dem Rest auch versteht. Und dann steht da dieses kleine hübsche braunhaarige Wesen und nach drei Tagen weiß man: Herzlichen Glückwunsch, das Wesen ist noch positiv-beknackter als erhofft und vermutet. Überhaupt leben in dieser Wohnung recht viele verstörte Menschen. Wunderbare verstörte Menschen.

Oh. Ein Knie.

Und die Pizza schmeckt und Felix Schwenzel und ich haben doch nun wirklich fast dieselbe Haarfrisur und Sascha Lobo prangert in seinem wunderbaren Vortrag unsere Scheißheit an und hat vollkommen recht und… ja, es wäre schön, wenn “Poesie der Beschimpfung” im März 2012 tatsächlich erscheinen würde.

Auf einmal gab es da bis zu vier Friedrichs.

Weil man zu sehr damit beschäftigt ist, sich selbst, göttlich-leckere Salate oder Menschen wie Holm Friebe aus der Ferne abzufeiern, vergisst man, dass man noch mit anderen einen Kaffee trinken wollte und man will es nachholen, weil man jetzt erahnen kann: Die sind alle bekloppt und verstört und wunderbar. Und sehen gut aus. Nein wirklich, das kenne ich hierzulande nicht. Es gibt hier nur Vorzimmerdamen oder Nutten oder Magersüchtige oder sterile Kindsfrauen mit Verzweiflung im Blick und da sind weniger, die man lieben und drücken und knutschen kann.

48 Würfel!!!!!!!!!!!!!!!

Und die Pommes… sie sind stark gesalzen, aber so gut, weil die Frau, die sie macht, so gut ist. Und wenn Nilz Bokelberg dann am Ende Lionel Richie und “Born this way” spielt, dann ist das schön und dann ist es auch nicht schlimm, dass Sarah Kuttner auch noch auftaucht und mich nicht erkennt und mich nicht grüßt, dabei kann sie sich doch denken, dass ich das bin und das hätte ich nicht gedacht, wie ich so vieles nicht gedacht hätte, zum Beispiel dass überall in Berlin Orchideen wachsen, also wirklich überall, und das ganze Jahr Kirschblüte ist und Menschen einen anhalten und von Netzaktivismus hin zu Frauen kommen, die sicher lockerer mit vielen Dingen umgehen würden, wenn sie nur ab und zu mal ein bisschen mehr LSD konsumieren würden.

Schnulli?

Jedenfalls… da war diese Tasche, diese Sporttasche, mit Kuscheltieren. In die konnte man reingreifen und Dinge mit ihnen tun und es ist ja so, dass vieles leichter geht, wenn man es einfach reinstopft.

Und dann kommt man nach Hause und ist so müde und möchte sofort wieder wegfahren, auf ein Festival, mit allen wunderbaren Menschen, oder nochmal nach Berlin, oder zu ihm, nur ganz kurz oder zu Leuten, die auch nicht so genau wissen, was sie tun sollen.

Jedenfalls. In vielerlei Hinsicht. Dankeschön.

I know places

Dieses Jahr war komisch bisher. Es war ein bisschen geprägt von Angst. Angst um die eigene Gesundheit. Im Prinzip ist das nichts neues für mich. Ich habe seit ungefähr sieben Jahren mal mehr und mal weniger Angst um die eigene Gesundheit. Dinge prägen einen, nicht nur diejenigen, die mit einem selbst passieren. Wenn Menschen, die dir nahe stehen, plötzlich krank werden, ernsthaft krank, dann kannst du nicht weitermachen wie bisher. Du ziehst die Angst wie eine Tigerente an der Leine hinter dir her. Überallhin. Immer.

Die Angst um andere und die Angst um einen selbst wechseln sich ab. An einem Freitag stirbt ein Mensch aus eurer Mitte, drei Tage später hast du einen Termin, weil du die Angst um dich selbst nicht mehr aushälst und irgendetwas tun musst, weil du merkst, dass du seit Monaten gelähmt schlafen gehst und gelähmt auch wieder aufstehst und froh bist, dass du diese beiden Momente den Rest des Tages ausblenden kannst. Du hast diesen Termin und auf dem Weg nach Hause spürst du: Die Lähmung ist nicht weg, sie ist immer noch da. Du weißt, dass du Geduld haben musst, drei Wochen lang, und dass es sinnlos ist, dir Sorgen zu machen. Und dass du diese Ungewissheit nicht zum ersten Mal spürst. Nur ist sie diesmal quälender, weil du dir diesmal fast sicher zu sein scheinst: Es wird nicht gut ausgehen.

Und am nächsten Tag findest du Trost an einem Ort, den du seit vielen vielen Jahren nicht mehr aufgesucht hast. Du verabschiedest dich von einem Menschen. Und du weißt, dass in dieser Runde einige denjenigen eher wiedersehen werden als andere und hast Angst davor, einer dieser Menschen zu sein.


Foto: Dampfmaschinenmuseum Schreufa

Drei Wochen lang wartest du. Und du machst Pläne. Sagst Ja, geprägt von dieser Angst, keine Zeit für die Dinge zu haben, die du noch erleben willst. Oder sie nicht so erleben zu können, wie du es gerne hättest. Du hast Angst und es hat dich verändert und es hört nie auf dich zu verändern und du bist dankbar, fährst gleichzeitig zwei Parallelstraßen entlang, die sich an der ein oder anderen Stelle kurz berühren um dann wieder in stiller, brutaler Harmonie nebeneinander weiterzuführen. Du bist dankbar, weil du weißt, dass nichts in deinem Leben sinnvoller gewesen, dir mehr geholfen hätte als diese Erfahrungen, die zu dieser stillen Angst geführt haben, die deinen Blick manchmal trüben und dich ab und an zu einer silbernen Raupe zwischen knallbonbonfarbenen Schmetterlingen machen.

Du erlebst diesen Tag so wie du es dir immer vorgestellt hast. Mit einer in rasender Geschwindigkeit stattfindenden Verdopplung deiner Angst. Und Minuten, die sich wie Kaugummi ziehen. An diesem Tag im April erfährst du, dass es weitergehen wird. Und für den Moment alles gut wird. Dir fällt kein Stein vom Herzen. Aber diese Hülle, die es spinnwebenartig umgibt, lockert sich ein wenig und glänzt ganz leicht im Spektrum einer ganzen Armee von Farben in der Sonne, die du wieder herein bitten kannst, als du den Parkplatz überquerst und die Freudentränen wegblinzeln musst.

I´m writing that stereotype a sonett. Sterotypes love sonetts.

Ich muss gestehen, ich habe meine Aufgabe als Single-Lebenshilfe lange Zeit vernachlässigt. Aber seid gewiss, ich war nicht untätig. Ich habe monatelang beim Durchstöbern unzähliger tumblr-Blogs neben dem Bewundern von süßen Katzen, depressiven grünstichigen Fotos irgendwelcher Landschaften und seelen- zuweilen titten- oder arschlosen Modeeuphorieschlampen eine besorgniserregende Entdeckung gemacht. Die ich euch jetzt mitteilen will. Mitteilen muss.

Sie ist bahnbrechend. Der atomare Supergau. Das größte Missverständnis der Menschheitsgeschichte. Ein Fehler, der uns Jahrzehnte kostet. Der uns Menschenleben kostet. Denn ich will nicht wissen, wieviele Leute sich deswegen schon von der dritten Stufe einer Leiter herunter gestürzt haben. Der Buchdruck hat uns nicht so geprägt wie euch die Aufklärung des nun folgenden epischen Missverständnisses prägen wird. Buchdruck my ass. Elektrisches Licht my ass. Atomkraft? Interessiert kein Schwein. Fukushima my vagina. Hoppe Hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er… ich will nun zum Wesentlichen kommen!

Frauen und Männer lieben sich. Jetzt nicht jede Frau jeden Mann oder umgekehrt, das würde zu weit führen, aufwandtechnisch nicht realisierbar, eine nicht enden wollende Prozeder und außerdem ekelhaft… nein… aber generell kann man sagen: Frauen und Männer lieben sich. Die gehören zusammen. Penis und Vagina. Mu und Doing. Puzzleteilchen mit Wölbung nach innen, Puzzleteilchen mit Wölbung nach außen. Ihr versteht.

Da ist was. Da knistert es. Da liegt was in der Luft. Pollenflug der Leidenschaft. Pi Pa po.Ja, auch dort findet bisweilen viel statt.

Ich kann diese wunderschöne Thematik nur aus Sicht der Weiblichkeit erörtern, bin ich doch zu 95% weiblich, zu 3% männlich und zu 2% biologisch abbaubar; die Gesetzmäßigkeiten sind also relativ klar. Frauen mögen, respektieren, lieben an Männern viele unterschiedliche Dinge, was glücklicherweise zu einer Artenvielfalt der Liebe führt. Die Liebe, die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen ist das am meisten diskutierte und teilweise in brotloser Kunst behandelte Thema der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und das führt mich direkt zu den oben erwähnten tumblr-Blogs. Sie sind Plattformen für Stimmungen, Emotionen, Sehnsüchte. Natürlich auch für sehr viel Wut und Wahnsinn.

Ein beliebtes Thema, das uns immer wieder dort begegnet ist das Interesse, was Männer an Frauen und umgekehrt haben. Wir sehen eine Frühlingswiese, ein Mädchen mit kastanienbraunem, von der untergehenden Sonne in sanftes Licht getauchtes, Haar, irgendwo ist ein Eichhörnchen zu sehen; und in Helvetica hat jemand einen romantischen Satz oben drauf gesetzt, der Sehnsucht ausdrücken soll, und wahrscheinlich Worte wie “follow” oder “safe” oder “complete” oder fucking “hold my hand” beinhaltet. Die Farbabstufungen der Liebe finden sich in den Farbabstufungen der Bilder wieder, er möchte da sein für sie, sie will das selbstverständlich auch, zweifelsohne, Ritterlichkeit ist super, alles perfekt.

Was meiner Meinung nach dadurch vermittelt werden soll, egal von wem es kommen mag, ist vor allem die Haltung, dass eine Frau grundsätzlich auf der Suche ist nach einem Mann, der unheimlich viel bereit ist zu geben und/oder zu tun.  Das ist ein Missverständnis. Einige Frauen heben für sympathische Männer mit Ecken und Kanten gerne selbst mal ihren Arsch hoch. Was ich viel weltbewegender finde als Männer die den Unterschied zwischen dem “Sympathieträger” und dem “Sympathieträger mit Ecken und Kanten”* auch nach Jahren noch nicht verstanden haben, ist folgendes:

Auf einem dieser tumblr-Blogs fand ich einen Eintrag mit folgendem Satz, der mich nachdenklich machte:
“Don´t be discouraged by her pulling away, bro. I can almoust garantuee, she just wants you to chase her.”

Eine weibliche Person, die sich die Mühe macht und die Zeit nimmt, einen Mann, dessen Gefühle sie scheinbar erwiedert, immer wieder zurückzustoßen, weil sie will, dass er ihr hinterherläuft – für welche Art von Frau hättet ihr, die Männer, dann demzufolge Gefühle? Ist das ein Mensch, für den ihr euch wirklich interessiert oder um den ihr wirklich kämpfen wollt? Eine Frau mit so einer Denkweise? Was kann man von einer Person, die eurer Meinung nach möchte, dass ihr weiterhin hartnäckig bleibt,  dann später erwarten?

Da ist ein riesiger Denkfehler in den Köpfen einiger Menschen, ob nun Männer oder Frauen. Wobe ich mich frage, wer für diesen Irrtum verantwortlich ist. Und ob es daher kommt, dass die Leute unheimliche Probleme mit dem Wechselspiel aus Nähe und Distanz haben. Und dass dieses Problem die Ursache dafür ist, dass kaum jemand von uns mehr in der Lage ist, Dinge einigermaßen richtig einschätzen zu können.

Und das hat nichts, wirklich rein gar nichts mit der Tatsache zu tun, dass man um etwas kämpfen muss. Wofür man kämpfen muss ist, dass man eines nahen oder fernen Tages eine Person ist, die es wert ist geliebt zu werden, weil sie sich selbst liebt. Und weil sie auch ohne eine andere Person ihren Platz in der Welt hat. Wofür man niemals kämpfen sollte ist jemand, der ein Verhalten, dass im Kindergarten durchaus seine Berechtigung und seinen Sinn hatte, mit fortgeschrittenem Alter nicht ablegen kann und dessen Selbstwertgefühl immer sehr stark abhängig ist, von der Aufmerksamkeit anderer.

Ich bezweifle ja nicht, dass es solche Frauen gibt. Es gibt genug Frauen, die nichts schöner finden, als wenn jemand sich um sie kümmert, sie umsorgt, nachgiebig und geduldig ist und sich auch gerne mal auf der Nase herumtanzen lässt. Das ist bei manchen Frauen ein angeborenes Talent, vermute ich. Und vielleicht denken deshalb auch einige Männer, dass es eigentlich ein gutes, oder wenigstens kein wirklich schlechtes Zeichen ist. Vielleicht haben sie sich daran gewöhnt, dass es so ist.

Wenn sie tatsächlich genau so ein Mensch ist, willst du dich dann immer noch in dieser Form für sie interessieren? Was wäre, wenn sie so ein Mensch nicht ist, einfach die Aufmerksamkeit nicht haben will und nichts empfindet, bist du dann einigermaßen beruhigt, dass du keine Zeit für eine seelenlose Schlampe vergeudet hast und akzeptierst es, dass die dusselige Kuh nichts von dir will? Weil es nunmal Chemie ist und die funktioniert nunmal nicht häufig auf dieser Erde. Wie wäre es mit Möglichkeit 2?

Und könnten die Menschen da draußen vielleicht endlich mal verstehen, dass es noch eine kleine, verlorene Gruppe von Personen gibt – stellt sie euch ein bisschen so vor wie in Lost – die niemals aus Bequemlichkeit, großer Sympathie, kurzfristiger glühender Flamme oder anderen Gründen mit anderen Menschen zusammen sein werden. Niemals. Diese Leute… diese scheinbar überaus seltene Art von Menschen sind mit anderen Menschen zusammen, weil ihre Lebensvorstellungen entweder ihre eigenen sind oder sie sich von ihnen überrumpeln lassen wollen. Weil es in der Magengrube wehtut – dieses hohle, hungrige, nicht wirklich gut in Worte zu fassende Gefühl – wenn der andere die gottverdammte Gefängniszelle, den Raum, den Saal betritt. Weil sie beste Freunde mit gleichem Humor sind. Weil sie voneinander lernen können. Weil man sich nicht so schnell aufgibt. Weil sie dieselben Dinge grässlich finden können. Weil der eine über den anderen sagt “Ich bin noch derselbe Mensch wie früher, aber durch dich auch jemand anderer und das passt gut zusammen.”

Könnte also bitte… bitte diese sinnlose Welt sich wieder daran gewöhnen, dass es so sein kann? Der letzte Absatz. Nicht bei allen. Ich will euch nicht wecken, nichts schlecht machen, ich kenne Paare die wunderbar sind, die noch nichtmal ahnen, dass jemand wie ich das über sie denkt, die muss man nicht wecken, die machen vieles richtig und von denen kann man aus der Entfernung sogar noch etwas lernen.

Ich habe also eine Weltsensation aufgedeckt. Wir können jetzt alle wieder wir selbst sein. Uns auf uns selbst konzentrieren. Die Zeit, die wir für Interpretationen vergeuden, den Menschen schenken, bei denen wir auf Anhieb spüren, dass da etwas zurück kommt, das über eine bestimmte Ebene hinaus geht.

Diejenigen, insbesondere Frauen, die mit ihrem Verhalten, der Wahl ihres Partners und manchen anderen Dingen einen Zweck erfüllen wollen und das Push-&-Pull-Prinzip so hervorragend beherrschen, dass man daraus tausende Bilder schießen und das Internet damit zuscheißen kann:  Sprecht für euch selbst.

*Um nochmal auf den Sympathiträger mit Ecken und Kanten zurück zu kommen. Das hat nichts mit blauen Flecken, Frauenhäusern, Panzerfäusten, Massenvergewaltigung, cholerischer Bockigkeit, kaputter Anruf-Annahme-Taste, Arroganz und Selbstherrlichkeit zu tun.