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Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich alles blöd finde – hier Dinge die ich gut finde: Norwegerpullis, Biker-Boots, Küken, Titten.

Fox & Woolf – Wie im Krieg

Kann man zusammen “ein bisschen miteinander musizieren”, ohne sich jemals persönlich begegnet zu sein? Man kann durchaus. Phillip und Gina haben sich im Netz kennen gelernt, er schickte ihr einen Song zu, sie schrieb dazu den Text, hat den Gesang dazu aufgenommen und Phillip bastelte das ganze am Schluss zusammen. Heraus gekommen ist das hier:

Das Internet macht es möglich und ich find´s gut.

We are the sum of all the people we ever met

Wir sind die Summe aller Menschen, denen wir jemals begegnet sind. Das ist zum Lachen und zum Weinen und hätte in jedem Fall auch anders ausgehen können. Was hätte bleiben können nach so langer Zeit? Die schlechten Tage hätten dichter aufeinander folgen können, bis da irgendwann kein Platz mehr gewesen wäre für die unbeschwerten, die zufriedenen, die glücklichen, die guten Tage. Wie schnell kann das passieren, wie schnell vergisst du, dass du wenigstens ein paar Prinzipien haben solltest im Leben und dass du verraten und verachten und verurteilen kannst, wen immer du willst, wenn du nicht die verrätst und verachtest und verurteilst, die du liebst und die dich nie enttäuscht haben und denen du, sollten sie dich doch einmal enttäuschen, verzeihen würdest.

Wo würdest du jetzt stehen? Ohne diese ein oder zwei Begegnungen, Konfrontationen, Gespräche – wann wäre dir der Gedanke gekommen, dass Menschen einander das Menschliche nicht so recht verzeihen wollen. Hättest du ewig so weiter gemacht ohne dich jemals zu fragen wie das möglich ist, dass die einen dich in ihr Herz schließen, wenn du schwach, verletzlich und unberechenbar bist, während die anderen, die immer immer immer verdammt nochmal in der Überzahl sind, dir das Gefühl geben, dass du erst dann akzeptiert wirst, wenn du diesen Teil deiner Persönlichkeit beiläufig hinten runterfallen und nie wieder auftauchen lässt.

Musst du dich rechtfertigen, vielleicht sogar entschuldigen? Dafür, dass du mittlerweile ganz genau weist, welche Art von Menschen in deinem Leben eine Rolle spielen oder irgendwann mal eine Rolle spielen werden, welche von dir Respekt und Hilfe erwarten dürfen und dass diejenigen, die von Anfang an nicht da rein passen und die auch nicht den Anschein erwecken es jemals in irgendeiner Art und Weise zu tun, diese Dinge nicht erwarten können, weil du deine verdammte Energie nicht verschwenden kannst und willst für einen großen Haufen luftleere Toleranz, die rein gar nichts bedeutet.

Kannst du dir nicht öfter mal erlauben, den frenetischen Jubel anderen zu überlassen, denen die immer jubeln, wegen dem ewig gleichen Scheiß, weil du nämlich stattdessen einfach mal still daneben sitzen willst und zu dem Entschluss kommst, dass die Menschen, die dich offenbar bisher am wenigsten enttäuscht, manipuliert oder von oben herab behandelt haben,  nie in großen Gruppen, unter Konfettiregen einen Raum betreten.

An welchem Ort laden wir unsere überschüssigen Aggressionen, unsere unterschwellige Abneigung ab? Gibt es dafür falsche und richtige Orte? Darfst du deine Abneigung jemandem gegenüber öffentlich mitteilen und wenn ja, wo tut es mehr weh? Bist du schlichtweg durchtränkt von Neid auf eine Person, wenn deren Anwesenheit die Verhaltensweisen anderer stark beeinflusst, sodass Dinge auseinander fallen oder ziehst du dich zurück, weil du dir das Recht heraus nimmst, allein zu entscheiden ob du es mit einer armen Wurst zu tun hast, die möglicherweise auf den Zuspruch der kompletten Weltbevölkerung angewiesen ist.

Wo willst du stehen? Und worin unterscheidet sich dein neuerlicher Drang zum Aussortieren von der Aussortiererei der anderen? Bist du manchen Menschen vielleicht sogar dankbar dafür, dass Dinge auseinander gefallen sind, weil Auseinanderfallen heißt, dass da ein Raum entstanden ist, mit dem du jetzt etwas anfangen kannst.

Wirst du irgendwann zu demjenigen gehen, der dich bisher- subjektiv empfunden – am meisten umgekrempelt hat innerhalb eines kurzen Augenblicks und wirst du es ihm sagen, anstatt immer nur in die andere Richtung zu schauen oder zu reagieren wie jemand, der bedauerlicherweise keine Ahnung hat davon, dass er umgekrempelt wurde? Und wirst du demjenigen irgendwann verzeihen und ihm sagen, dass dieses Umkrempeln mit Zweifeln verbunden war, die sich wie körperliche Schmerzen anfühlten und wird dieser Mensch dir das dann glauben?

Wird man aus Schaden klug? Oder zynisch? Oder immer dann, wenn Bedarf besteht, einfach nur ein bisschen arrogant?

nom nom nom

Ich mag Essen. Essen in allen Variationen. In meiner Familie bin ich bekannt dafür, wirklich alles zu essen außer Marzipan und Erbsen. Sogar Dinge, auf denen Kümmel drauf ist. Ich gehe soweit zu sagen, dass Essen mit zu den wichtigsten Dingen des Lebens zählt, weil es untrennbar mit Genuss, Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl verbunden ist. Essen, Musik, Sex und Sauerstoff, das ist was zählt, versteht ihr?

Wenn man mich also fragt, ob man mir ein Päckchen zuschicken kann mit leckeren Dingen, mit denen man Köstlichkeiten zubereiten kann, dann sage ich nicht nein, denn das wäre selbstzerstörerisch und dumm und wider meiner Lebensphilosophie.

Jetzt fragt ihr euch: Was will sie nur? Kochen will ich. In den nächsten Tagen. Mit den da oben abgebildeten Dingen. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr dann natürlich noch. Und bis dahin müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden und mit euch selbst beschäftigen. Übrigens gibt es dann auch etwas zu gewinnen. Oder vielleicht auch nicht. Ach, was weiß denn ich, wir sind doch hier nicht bei der Wohlfahrt!!!*

Und nun wünsche ich euch noch einen schönen Donnerstag. Sollte ich Neuigkeiten aus meinem Leben haben, von denen ich stark annehme, dass man sich für sie interessiert, teile ich sie euch mit. Hier oder auf twitter. **

* Es gibt etwas zu gewinnen.
** Nun, es gibt schon Neuigkeiten. Ich entdeckte gestern Abend meine Lieblingsaltbiersorte. Zuhause warten 20 Körbe Wäsche auf mich. Ich habe einen strikten Haushaltskostenplan entwickelt, den einzuhalten mir auch noch Spaß macht. Letzten Freitag habe ich mich mit einer Pulle Rotwein besoffen und ich habe Arthrose im rechten Handgelenk. Und ich möchte, dass ihr mir mal bitte jetzt sofort sagt, was man einer Katze für Bachblüten einflößen kann, wenn sie frühmorgens um zehn nach vier schutzbedürftig und sehnsüchtig miauend an die Schlafzimmertür kratzt und um Einlass bittet.

Paris. Ich weiß ja nich´.

Vor zwölf Jahren war ich mal zehn Tage lang in Frankreich. Ich erinnere mich noch an komisches Essen, ein paar sehr herzliche Menschen und schlecht ausgebaute Straßen. Am Wochenende habe ich der Hauptstadt mal einen kurzen Besuch abgestattet. Da ich schlecht darin bin, in chronoligischer Reihenfolge einen sehr aufregenden Reisebericht zu schreiben, hier nur ein paar Stichpunkte.

1. In Paris sehen eigentlich alle Frauen gut aus. Sie haben zum größten Teil diese natürliche Grazie, nach der du hier in Deutschland manchmal suchen musst. Französische Frauen kleiden sich ganz selten in schreiend lilafarbene Gewänder. Wenn sie neonfarbenen Nagellack tragen, passt das beängstigenderweise zum Outfit und wirkt nicht automatisch nuttig. Sie trampeln nicht über die Straße wie Nilpferde. Einige von ihnen sehen aus wie eine grässliche Kreuzung aus Kim Kardashian und noch irgendwas anderem. Das tut dann schon ein bisschen weh, lenkt aber nicht sonderlich von der Schönheit und Artenvielfalt der anderen Frauen ab. Als Mann ist Paris ein Paradies.

2. Die meisten Pariserinnen passen ihr Schuhwerk den Straßenbedingungen an. Sie tragen Ballerinas, Sneakers, Treter mit Keilabsatz. In angenehmen Farben. Alle paar Meter begegnet einem jedoch ein Exemplar, dass völlig verstört auf 15 Zentimeter hohen Absätzen die Champs-Élysées entlang stolpert. Diese Frauen stehen im krassen Gegensatz zu den jungen Studentinnen, die luftig gekleidet mit dem Fahrrad an ihnen vorbei fahren und viel mädchenhaften, tollen Charme verbreiten. Dutzende Male habe ich mich verliebt in diesen zwei, drei Tagen. Ja, man darf sich als Frau durchaus auch mal in Frauen verlieben.

3. Die Champs-Élysées scheint tatsächlich die prächtigste Straße der Welt zu sein. Wenn man da steht und Richtung Triumphbogen schaut, möchte man weinen, weil es ein so schöner Anblick ist. Sobald man das Viertel wechselt, möchte man ebenfalls weinen. Allerdings nicht, weil es immer noch ein so schöner Anblick ist, sondern weil es stinkt wie Hölle, der Müll auf der Straße rumliegt und man keine vernünftige Fressbude ausfindig machen kann, in der man halbwegs vernünftig essen kann.

4. Wenn du Diabetiker bist, geh da bloß nirgendwo hin und bestell dir ein Crèpes. Tu. Es. Nicht. Ich hab es zweimal gemacht. Einmal an einem Stand auf der Champs-Èlysées, einmal in einem kleinen Café in Montmartre. Beides mal dachte ich, ich müsse verrecken, weil so viel Zucker da hineingeklatscht wurde, dass ich eine zwanzigköpfige Kaffeekränzchen-Gesellschaft damit hätte versorgen können.

5. Freu dich nicht zu früh, wenn es heißt “Wir machen heute Abend eine schöne Bootstour auf der Seine”. Glaub bloß nicht, dass du dich da irgendwo hinpflanzen und Wein schlürfen und den Anblick genießen kannst. Vor allem dann nicht, wenn das irgendein anderer für die Gruppe organisiert. Ich frage mich ja bei solchen Aktionen immer, warum man nicht mal 20 Euro mehr bezahlt und dafür dann ein, zwei schöne Stunden irgendwo verbringen kann. Wo man sitzen und sich solide wegfenstern kann, Herrgottnochmal!!! Nein, da landet man dann bei der ultimativen Massenabfertigungs-Bootstour mit ungefähr drei Millionen anderen Touristen und fühlt sich wie in einem Eisenbahn-Waggon Richtung Konzentrationslager.

6. Die glücklichsten Menschen in Paris sind Obdachlose. Weil die Obdachlosen nämlich kein ganzes Monatsgehalt für ihre 15 m² Wohnung bezahlen müssen. Sie sammeln sich von irgendwoher ein paar Paletten, besorgen sich noch eine Plane und bauen sich dann in irgendeinem Park ein Haus. Dafür haben sie an warmen Oktobertagen einen schönen Ausblick auf irgendeinen Palast und können die Gesellschaft von Tauben genießen. Das kostet nichts und steht im krassen Gegensatz zum normalen Single-Pariser, der zwei Jobs hat und zum kacken vor die Haustür muss.

7. Es gibt zwei Arten von Gastfreundlichkeit in Paris. Die Gastfreundlichkeit und die nicht vorhandene Gastfreundlichkeit. Es kommt einem in dieser sehr kurzen, und somit nicht allgemeingültigen Zeit, so vor, als hätte man beim Essengehen entweder die Wahl zwischen der ein bisschen überforderten, aber superfreundlichen zugewanderten Bedienung und dem hundsgemeinen Ur-Franzosen. Ich wollte zwischenzeitlich behaupten, wir wären Niederländer, weil ich annahm, dass die Franzosen nicht so gut auf Deutsche zu sprechen sind, war mir aber relativ sicher, dass man uns durchschauen würde. Was die Franzosen da den normalen Bürgern so servieren, würde ich möglicherweise nicht mal essen, wenn ich nachts um viertel vor fünf sturzbesoffen nach Hause käme und noch einen richtigen Heißhunger hätte. (Ich bevorzuge dann Fisch aus Konserven oder kalte Pizza oder fantasievolle Toastvariationen)

8. Der Verkehr in Paris ist eine beeindruckende Zurschaustellung südeuropäischer, gänzlich unorganisierter, beinharter Lässigkeit. Dass man sich drauf einigen konnte rechts zu fahren, ist eigentlich auch schon alles. Die Franzosen fahren rechts, wie die Deutschen. Und völlig nach Gefühl, das ist recht undeutsch. Ab und zu gibt es eindeutige Fahrspuren, das ist dann schön, weil irgendwie “überschaubar”. Meistens – vor allem vor, in und kurz nach Baustellen – drängen sich die Autos, Mofas, Lieferwagen, Fahrräder und Reisebusse jedoch unkontrolliert in die nächste freigewordene Lücke. Die Menschen in Paris sind allesamt mit einem gesunden, ja man möchte fast sagen leicht aggressiven Selbsterhaltungstrieb ausgestattet, der mich abwechselnd faszinierte und völlig verstörte.

9. Warum behaupten alle immer, London sei eine so teure Stadt? Von Paris sagen immer alle, sie sei die “Stadt der Liebe”, London ist “teuer”. London ist im Vergleich zu Paris gar nicht mehr so besonders teuer. London ist auch sauberer. London hat natürlich keinen Eiffelturm, der Abends zu jeder vollen Stunde glitzert und blinkt. Ein wirklich großartiger Anblick. Aber alles in allem ist London eine viel tollere Stadt, die ich gerne jedes Jahr zweimal besuchen würde, wenn ich genug Geld verdienen bzw. sparen könnte. Paris würde ich für ein ausgiebiges Frühstück irgendwo auf der Champs-Élysées und einen Besuch im Louvre trotzdem auf jeden Fall nochmal besuchen.

10. Zum Schluss noch etwas, was mir dieses Wochenende wieder einmal bewusst wurde. Ich bin ein ganz schlechter Nichtraucher. Intolerant und grundsätzlich genervt von einer bestimmten Sorte Raucher. Ich hasse nicht alle Raucher. Und die die ich hasse, die hasse ich auch nicht ständig, nur in bestimmten Situationen. Zum Beispiel wenn man irgendwo hin oder irgendwo reinwill und diese Frischluft-Vegetarier noch stehen bleiben und sagen “Können wir noch kurz eine rauchen?” (Mach ich doch auch nicht, dass ich den ganzen Betrieb aufhalte, weil ich irgendwo stehen bleiben und betrunken werden möchte. Und glaubt mir, ich möchte theoretisch ganz oft irgendwo stehen bleiben und erst weitergehen, wenn ich betrunken bin)  Oder sich eine Gruppe schlagartig auflöst in zwei, drei, hunderttausend Teile, weil diese Affen sich zusammenrotten zum Qualmen, weil sie offenbar sonst irre werden. Und dann die grundsätzliche erste Frage, immer wenn man irgendwo ist. “Wo ist denn hier der Aschenbecher?”

Am besten sind die Raucher, die irgendwann nervös werden, wenn sie mindestens eine Dreiviertelstunde keine durchziehen können. Die könnte ich – bei allem Respekt – mit voller Wucht gegen die Wand klatschen. So nervös werde ich allerhöchstens, wenn ich schon vor 17 Minuten hätte pinkeln müssen. Wie man wegen ein bisschen Nikotin so abdrehen kann ist mir ein Rätsel. Ihr geht mir auf den Sack, ihr seid schlimmer und nervtötender als Leute, die kein Fleisch fressen und mir fallen jetzt plötzlich auch auf Anhieb mehr coole Nichtraucher als Raucher ein, weil die wenigstens schonmal nicht durchdrehen, wenn sie auf der verdammten Stehparty nur ein Bier in der linken Hand halten können. (Hilfe!!! Wie beschäftige ich meine rechte Hand? Sinnlosigkeit des Seins, wohin damit? Große Probleme des Lebens. Hol dir doch einen runter, wenn dich das so fertig macht, du Vollidiot!) Noch schlimmer als besonders nervige Raucher sind eigentlich nur noch Menschen die Blase und Darm nur in schalldichten, frisch desinfizierten Räumen entleeren können. Die Menschen auf dieser Erde müssen alle mal ein bisschen ruhiger werden, scheint mir. Ich natürlich auch. So innerlich. Joa.

don’t talk so loud, whisper now.

Früher ist sie immer noch ein Weilchen da geblieben. Hat sich festgehalten an irgendeinem Zipfel, einem Überbleibsel meiner Gedankenwelt. Ich konnte sie nicht loswerden, wollte sie eigentlich gar nicht loswerden, dachte das wäre ein Teil von mir, dachte das wäre sowas wie ein Antrieb. Und wenn es ein Antrieb ist, dann müsste ich das akzeptieren, dass sie nicht sofort verschwindet, sobald die Worte nach draußen gelangen. Ich dachte, das müsse ich in Kauf nehmen. Ich dachte, dass wäre sowas wie der Lehm, der die kleine Hütte zusammen hält, in der ich lebe. Und wenn ich es versuchen würde zu unterdrücken, dann würde alles über mir zusammen stürzen und ich hätte kein Zuhause mehr.

Ich habe sie nie weggeatmet, weggeschrien oder weggelächelt, weil ich wusste oder annahm, das würde mir Energie rauben, die ich vielleicht brauche, an anderer Stelle, um erklären zu können, warum ich ihr immer Obdach geboten hatte eine Zeit lang. Ich hab ihr immer gesagt, mit möglichst fester Stimme, sie soll sich dahin setzen und sich nicht rühren und dabei ist mir nicht aufgefallen, dass sie Platz weggenommen hat, etwas und jemandem, mehreren und mehrerem, egal wie eng sie sich an die Wand gedrückt und versucht hat, ganz flach zu atmen. Manchmal hat sie sich dann doch geregt, dann hat etwas geraschelt irgendwo hinter mir, und ich bin zusammen geschreckt und musste nochmal von vorn anfangen.

Ich hab mich an ihre Anwesenheit gewöhnt, aber sie trotzdem nie ganz akzeptiert. Und dann ist sie irgendwann gegangen. Freiwillig vielleicht. Oder weil sie gespürt hat, dass ich mir insgeheim wünsche, allein zu sein. Oder nicht mehr ständig in ihrer Nähe zu sein. Und manchmal sehe ich sie noch, wenn ich aus dem Fenster schaue, wie sie vorüber geht. Und wenn sie mich sieht, dann winkt sie mir zu und ich winke zurück und ich bin froh, dass es so ist.

Es ist nicht einsam ohne sie. Da sitzen jetzt andere. Denen ich nicht sagen muss, dass sie sich nicht rühren dürfen. Und bei denen ich mich nicht frage, ob sie mein Antrieb sind und ob das gut ist für mich und was sein wird, wenn sie irgendwann nicht mehr da sind. Ich weiß jetzt, dass alles um mich herum ein Antrieb sein kann.

Jetzt mal so unter uns gesprochen…

1. Wenn du als Mann einer 26jährigen sagst, dass sie wirklich fette Oberarme hat, wundert euch bitte nicht, wenn ihre Antwort darauf ist, dass du recht hast, dein Timing aber beschissen und es äußerst schade ist, dass von jemandem, der noch kein einziges Mal mit einer Frau geschlafen hast, die in gleichen Teilen halbwegs klug, gutaussehend und interessant ist, solche Kommentare kommen.

2. Aussagen wie “War doch nur Spaß” können manchmal ein Hinweis darauf sein, dass du überhaupt keine Ahnung von “Spaß” hast, sondern in manchen Momenten nur ein auf Krawall gebürstetes Opfer bist, dass Muschis, Bier und Scheiß Musik konsumiert.

3. Ich weiß jetzt nicht, was tragischer ist. Dass ihr in Gruppen zusammen steht und feststellt, dass all eure Exfreundinnen nach der Beziehung zu euch ziemlich fett wurden oder dass manche von euch zum Ausgleich zu der dicken Kuh seitdem nur noch minderjährige Kindsfrauen bumsen, die noch nicht mal den Ansatz einer Chance hatten, das Happy Meal aufzuessen, dafür aber schon meterweise Schwänze von irgendwelchen Totalversagern gelutscht haben, die außer ps-starken Karren nicht mehr viel zu bieten haben.

4. Mal ganz abgesehen davon, dass ich euch immer eine Schieferplatte quer durch die Visage ziehen möchte, wenn ihr über das “geile Figürchen” irgendeiner Person weiblichen Geschlechts sprecht, ist es auch äußerst irritierend dieselbe Person als “total hübsch” zu bezeichnen, wenn sich am Ende herausstellt, dass diejenige neben ihrem geilen Arsch im Gesicht aussieht wie ein Förster. Jedes Mal, wenn irgendein Mann über irgendeine Frau oder irgendein Junge über irgendein Mädchen sagt, sie sei “hübsch”, stelle ich mir jemanden wie Eva Mendes vor und schlage dann am Ende nach hinten um, weil so eine Schabracke mit Unfall-Augenbrauen, dünnen, blonden Haaren und Augen, aus denen die Dummheit nur so hervortrieft, an mir vorbeiläuft.

5. Um nochmal auf das “geile Figürchen” sprechen zu kommen: dieser Ausdruck ist ziemlich behämmert. Die meisten Frauen verdrehen dabei innerlich die Augen. Wisst ihr, Männer, das kommt ungefähr genauso dumm rüber, wie wenn Mädels sich über das “schöne, harte Pimmelchen” von irgendeinem Kerl unterhalten. Wollt ihr das? Ich meine, wünscht ihr euch, dass man über euer schönes, hartes Pimmelchen spricht? Ist euch schonmal in den Sinn gekommen, dass wir blöden Schlampen, wir unheimlich nervigen, penetranten, superkomplizierten Zicken einfach nur tierisch genervt sind von eurem verdammten Gequatsche? Wir wollen dann übrigens auch nicht, dass ihr Dinge sagt wie “Na, du musst scheinbar mal wieder richtig heftig durchgenommen werden, oder warum bist du so gereizt?” Denn erstens, wollen wir auch wenn wir nicht gereizt sind, immer mal wieder ganz gerne richtig heftig durchgenommen werden (Ernsthaft, kapiert es endlich! Mich kotzt das an, dass man das nie öffentlich so formulieren darf, dass es ja wohl ein alltägliches, menschliches, Ur-Bedürfnis ist, regelmäßig richtig heftig durchgenommen zu werden und es immer nur dann zur Sprache kommt, wenn irgendwo eine Frau scheinbar “hysterisch” wird.)

Zweitens ist es unser gutes Recht, ab und zu mal einfach so das Maul aufmachen zu dürfen. Und wenn ihr das nicht versteht, dann rottet euch doch bitte allein, zu zweit oder in Gruppen zusammen und geht zurück in den Busch, wo ihr hergekommen seid. Mit diesem genialen Wortspiel sage ich “Guten Tag” und wünsche allen einen schönen Wochenstart.

(Mich hat übrigens bis auf diese Sache ganz oben kein Mann in letzter Zeit beleidigt oder gekränkt. Es geht mir gut. Ich bin glücklich vergeben. Gestern sah ich bei RTL Exklusiv Weekend, dass Bar Rafaeli für ein Model auch viel zu fette Oberarme hat, das hat mich ungemein befriedigt. Ja… und ich mag Männer. Manche sollten sich nur ab und zu mal für einen kurzen Moment zum Teufel scheren.)

Sondre Lerche – Go right ahead

Go Right Ahead (uncensored version) from Sondre Lerche on Vimeo.

Cut Copy – Blink and you´ll miss a revolution

Cut Copy – Blink And You’ll Miss A Revolution from Cut Copy on Vimeo.

Beirut – Santa Fe

Trampelpfade

Zwischen den Tagen, in denen du glücklich bist, liegen oft Wochen in denen du es nicht bist. Und manchmal kannst du dich glücklich schätzen, dann nämlich, wenn es genau andersherum ist. Und du fragst dich wie das denn funktioniert, das Leben, die Menschen darin, die Entscheidungen die wir treffen oder die andere für uns treffen. Und je nachdem wie stark du dazu neigst, dich und andere zu reflektieren, wirst du früher oder später ein Muster erkennen. Oder einen Sinn hinter all dem. Also bedankst du dich für jede Person, die einmal deinen Weg kreuzte oder ein Stück mit dir gegangen oder vielleicht mehr als einmal gegangen und wiedergekehrt ist. Später wirst du wissen wieso. Wieso ihr euch begegnet seid. Oder wieso ihr zunächst ein ganzes Stück im weiten Abstand nebeneinander hergelaufen seid, ohne Berührungspunkte aber immer in Sichtkontakt, bevor ihr euch Schritt für Schritt aufeinander zubewegt habt.

Und du wirst auch wissen wieso dir einige Begegnungen zeitweise so schmerzhaft erschienen. Beinahe grundloser, irrationaler Schmerz, dem du damals Namen geben musstest, die du ihm heute nicht mehr geben kannst, weil du ein Stück weiter gelaufen bist. Du bist nicht geradeaus gelaufen, weiter in irgendeine bestimmte Richtung. Du bist Schlangenlinien gegangen, hast Kurven genommen und Haken geschlagen und dein Ziel gar nicht gekannt.

Und du bist gestolpert und jedes Mal, wenn du dich wieder aufgerichtet hattest so gut es ging, warst du dir vollkommen sicher, dass niemand so oft und so grundlos stolpert wie du. Aber du hast dann einfach nicht sehen können ob andere auch gestolpert sind. Ob sie auch manchmal der Länge nach hingeschlagen sind wegen einer Lappalie, die einem in schwerelosen Momenten nicht vorkommt wie eine Lappalie, sondern wie das Entweden des wichtigsten Teils deiner Persönlichkeit. Du konntest nicht sehen ob und wie oft die andere stolpern, weil du zu sehr damit beschäftigt warst dich zu fragen ob dir das alles vor dir selbst peinlich sein oder ob es dich auf etwas hinweisen soll.

Und irgendwann weist du, ohne ein weiteres Mal zurückschauen zu müssen, dass die anderen auch gestolpert sind und es noch immer tun. Und dass das nie aufhören wird. Weil irgendjemand immer ein Seil gespannt hat, irgendwo immer etwas fallen gelassen wurde, immer einer im Weg steht, der selbst nicht weiß, wie er die Karte lesen soll. Und dass es manchmal darum geht, stehen zu bleiben und auf einen anderen Menschen zu warten und gemeinsam Abkürzungen zu finden oder einen Weg einzuschlagen, den zu gehen man alleine sich nicht traut.