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	<description>Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich alles blöd finde - hier Dinge die ich gut finde: Norwegerpullis, Biker-Boots, Küken, Brüste.</description>
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		<title>Die Frau, die sich wie eine Fremde benimmt</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 16:55:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man ein Mensch ist, der im Urteilefällen immer ein bisschen zu schnell ist, dann fällt es manchmal schwer, überhaupt kein Urteil fällen zu dürfen. Zum Beispiel wenn man zu einem Unfall dazu kommt und neben einer alten Frau mit Platzwunde am Kopf auf eine Angehörige trifft &#8211; die Tochter vielleicht, oder die Schwiegertochter &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man ein Mensch ist, der im Urteilefällen immer ein bisschen zu schnell ist, dann fällt es manchmal schwer, überhaupt kein Urteil fällen zu dürfen. Zum Beispiel wenn man zu einem Unfall dazu kommt und neben einer alten Frau mit Platzwunde am Kopf auf eine Angehörige trifft &#8211; die Tochter vielleicht, oder die Schwiegertochter &#8211; die Taschentücher auf die Wunde drückt, aber entweder zu geschockt oder zu teilnahmslos ist, wenigstens ein paar ruhige Worte zu sprechen. Da fällt es einem schwer, diese Person nicht auf Anhieb und ohne sie näher zu kennen, zu hassen.</p>
<p>Und dann kniet man sich hin, vergisst sich nach dem Namen der alten Frau zu erkundigen, aber fragt wenigstens ob ihr schwindelig ist und ob sie irgendwo anders Schmerzen hat. &#8220;Soll ich den Krankenwagen rufen?&#8221;, will ich wissen und krame in meiner Tasche nach Taschentüchern. &#8220;Nein ach, das geht schon.&#8221;, murmelt die alte Frau, denn sie will den Leuten keine Umstände machen. &#8220;Ich fahre sie gleich.&#8221;, sagt die andere, denn sie hat keine Ahnung. Ich löse sie dabei ab, mit dem Taschentuch die Wunde zu verschließen. Ich kann bis auf den Schädelknochen sehen, es fließt unnatürlich viel Blut, aber ich fühle mich dämlich, wenn ich jetzt frage, ob sie Blutverdünner nimmt. Ein Mann mit Krücken kommt vorbei, er wohnt gleich nebenan und er bietet sich an, eine Decke zu holen. Eine junge Frau, die in dem Fotogeschäft um die Ecke arbeitet, bringt einen Verbandskasten vorbei und verständigt den Krankenwagen, nachdem wir zweimal angedeutet haben, dass ein Krankenwagen vielleicht besser wäre und von der Frau, die die Verantwortung tragen sollte, zur Antwort bekommen &#8220;Na, dann rufen sie eben den Krankenwagen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich bringe nur mal schnell die Taschen ins Auto.&#8221;, sagt die Frau, die sich benimmt wie eine Fremde. Sie greift nach den zwei Einkaufstüten und verschwindet aus meinem Blickfeld. &#8220;Es blutet schon etwas weniger.&#8221;, sage ich zu der alten Frau. Für einen kurzen Moment sind wir alleine. &#8220;Bitte sagen Sie Bescheid, wenn Ihnen schwindelig wird.&#8221; Der Mann kommt mit der Decke zurück, die Frau ist ebenfalls zurückgekehrt und will sie am Arm hochziehen. Ich greife ihr von hinten unter die Achseln, damit ihr nicht der Arm abfällt, und wir hiefen sie gemeinsam auf die Decke.</p>
<p>Die Frau, die sich benimmt wie eine Fremde, verbindet der alten Dame mit einer Mullbinde aus dem Verbandskasten den Kopf und dann warten wir, zu dritt neben ihr stehend auf den Krankenwagen. Ich schaue der Frau ins Gesicht, ich mag sie nicht, sie hat so etwas extrem verhärmtes an sich, wie alle Frauen vom Dorf, die vergessen haben oder nie wirklich wussten, dass man auch mit über dreißig noch einigermaßen attraktiv sein kann auf die ein oder andere Art, und dass es auch keine Schande oder ein Zeichen für Oberflächlichkeit ist, es sein zu wollen, wenigstens ab und zu für sich selbst. Und dann schüttle ich über mich selbst den Kopf, weil ich nicht weiß, was mir da für ein Mensch gegenüber steht. Jeder geht anders um mit Problemen. Vielleicht würde ich, weil mein Leben seit Jahren trist und sinnlos und voller Pflichten und immer weniger Rechten ist, meine Mutter auch alleine lassen mit einer Platzwunde am Kopf und einer wildfremden Frau, um meine Einkäufe im Auto zu verstauen und ein- oder zweimal tief durchzuatmen.</p>
<p>Die alte Frau beginnt ihre Hände zu kneten, die mit eingetrockneten Blutflecken bedeckt sind. Es klebt und es stört sie, das sieht man. Man bringt ihr ein Glas Wasser, sie trinkt zwei Schlücke, wimmert ein bisschen. Ich finde es schrecklich, dass wir hier so stehen und diese dusselige Kuh sich nicht hinter sie kniet, sie stützt, ihr einen Arm auf die Schulter legt, sie tröstet und dafür sorgt, dass ihr nicht schwindelig wird und sie nach hinten wegsackt. Ich könnte das ja machen. Der Mann mit den Krücken kann sich nicht einfach so hinknien. Aber ich bin nur dazu gekommen. Ich bin nicht mit ihr verwandt, vielleicht ist ihr das unangenehm, und außerdem ist es traurig, dass ihr Tochter &#8211; ich vermute es ist ihre Tochter &#8211; das nicht macht, was ist das für eine komische Gesellschaft, in der Familienangehörige teilnahmslos über das Dach des Parkhauses hinweg in die Ferne schauen, aber alle zwei Minuten ein Fremder vorbeikommt, eine Decke bringt, Verbandszeug bringt, ein Glas Wasser bringt, helfen will. Was ist das für eine komische Welt?</p>
<p>An welchem Punkt im menschlichen Miteinander verschwindet Anteilnahme? Und wer verdient mehr Mitleid? Derjenige, der gestolpert ist? Oder der, der nicht mehr in der Lage ist, demjenigen aufzuhelfen?</p>
<p>Als die alte Frau auf der Trage liegt, gehe ich kurz zu ihr, vorsichtig, weil ich Angst habe, dass ich die Sanitäter störe, eine Frau und einen Mann ungefähr in meinem Alter. Ich habe immer Angst, irgendwen zu stören. Dem Mann hat sie gesagt, dass sie Marcumar nimmt. Ihre Tochter hat sich verabschiedet. &#8220;Ich komme mit dem Auto hinterher.&#8221; hat sie gesagt.</p>
<p>Ich berühre die Schulter der vor mir liegenden Frau, drücke sie kurz, ich weiß nicht, ob sie es spürt durch den roten Anorak und die Decke hindurch. &#8220;Alles Gute Ihnen, ja?&#8221;, sage ich. Sie bedankt sich. Zweimal.</p>
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		<title>Liebes Tagebuch</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 08:13:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich will seit Monaten einen Artikel über Frei.Wild-Fans schreiben. Das ist nämlich -  geht man mal von den Kommentaren aus, die sie z.B. auf Facebook hinterlassen &#8211; eine unglaublich inspirierende Gruppe von Menschen. Persönlich habe ich noch keinen fanatischen Frei.Wild-Anhänger getroffen, aber schon ein paar wenige, die die Musik gelegentlich hören und wenn das Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich will seit Monaten einen Artikel über Frei.Wild-Fans schreiben. Das ist nämlich -  geht man mal von den Kommentaren aus, die sie z.B. auf Facebook hinterlassen &#8211; eine unglaublich inspirierende Gruppe von Menschen. Persönlich habe ich noch keinen fanatischen Frei.Wild-Anhänger getroffen, aber schon ein paar wenige, die die Musik gelegentlich hören und wenn das Menschen sind, die ich gut leiden kann, dann komme ich einfach zu dem Schluss, dass sie zu den 5 bis  (großzügig geschätzt) 15% gehören, die eben keinen so reparaturbedürftigen Dachschaden in Verbindung mit einer so unterhaltsamen Rechtschreibschwäche haben. Und dann meide ich Gespräche zum Thema Musikgeschmack, weil ich eben nicht in Tränen ausbrechen oder auf dem Boden hin und her rollen möchte vor Scham und mir all das einfach zu viel Lebensenergie raubt.</p>
<p>Was einige hartnäckige Frei.Wild-Fans besonders gerne betonen ist, dass sie stolz sind auf ihr Land. Und dass das auch vollkommen in Ordnung ist. Das dürfte man nicht verbieten, man könne das ja heutzutage gar nicht mehr frei äußern, ohne teilweise als Nazi beschimpft zu werden. Die blöden Amis dürfen doch auch stolz sein auf ihr Land, warum dann nicht die Deutschen oder die Österreicher oder die Italiener oder wasweißich.</p>
<p>Ich möchte, dass ihr folgendes wisst:</p>
<p>Die Amis dürfen schon allein deshalb stolz auf ihr Land sein, weil ihr Fernsehprogramm einfach besser ist, ok? Das ist der Grund. Ihre großartige Film- und Fernsehindustrie lenkt wirkungsvoll davon ab, dass die Amerikaner genauso viel Mist verzapfen wie verschiedene andere Länder dieser Erde. Wäre ich Amerikanerin, dann würde ich die ganze Zeit mit einer Freiheitsstatue auf dem Arm herumlaufen, so viele High Fives wie möglich verteilen und Gespräche nur noch mit &#8220;Oh, say can you seeeeee&#8230;&#8221; beginnen. Ok, genug der Scherze.</p>
<p>Auf wikipedia steht: <em>Der Stolz ist die Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken.</em> Das dürfte eine gut verständliche Definition von Stolz sein, die man ruhig so stehen lassen kann. Dann stolpert man im Internet über Aussagen wie &#8220;Was ist falsch an Heimat, Treue und Ehre? Ich bin stolz darauf, Deutscher zu sein.&#8221; und weiß nicht genau ob man jetzt lachen oder weinen soll.</p>
<p>Warum um alles in der Welt sollte ich stolz auf meine Staatsbürgerschaft sein? Ich meine, ich hab ja im Mutterleib keinen extrem schwierigen Test mit sehr gut bestanden, an dessen Ende mir dann das Deutsch-Sein geschenkt wurde, weil ich mich als herausragender Erdenbürger qualifiziert habe. Meine Eltern sind Deutsche und ich wurde in einem Krankenhaus irgendwo in Hessen geboren. Das hat mit Leistung nichts zu tun, das ist Zufall, also hört doch bitte auf von Stolz und Ehre zu reden als wärt ihr bei den Hunger Games oder im Champions League Finale.</p>
<p>Ein Familienvater darf stolz sein auf sein Kind, das beim Fußballspielen immer wieder den Ball weggenommen bekommt, aber sich trotzdem nicht den Spaß verderben lässt. Wenn du für einen Test tagelang gelernt und eine gute Note geschrieben hast, obwohl das Fach nicht zu deinen Stärken zählt und du eigentlich nie wirklich verstehst worum es eigentlich geht, dann darfst du stolz auf dich sein. Du hälst eine Rede vor hundert Leuten und pisst dir nicht in die Hose. Du hälst eine Rede vor tausend Leuten und pisst dir nur einmal kurz in die Hose. Du kannst jonglieren mit sieben Bällen. Du bist mit deiner hochschwangeren Freundin auf einem Segelschiff, ein Sturm zieht auf, sie bekommt Wehen und du musst das Kind gebären. Du überwindest deine Vorurteile und gehst auf einen Menschen zu, auch wenn euch scheinbar nichts verbindet. Du schmeißt deinen Job bei der Bank hin und wirst Kindergärtner. Du bist Krankenschwester und beschließt mit 38 Jahren, dass du jetzt doch noch Medizin studieren willst. Du bist blind, seit einem Unfall vor vier Jahren, und es bringt dich nicht um. Deine Mutter erhält eine Krebsdiagnose, fünf Monate später erhält dein Vater eine Krebsdiagnose und es zerreißt dich nicht, sondern du schaffst es, dass irgendetwas dich zusammenhält. Ein Kind lächelt dir zu, du lächelst zurück, es schaut zu dir hoch und greift in seine Jackentasche, weil es dir zwei Steine zeigen will, die es eben aufgesammelt hat, das machen Kinder so und das wird sich hoffentlich nie ändern, es sagt dir seinen Namen und den Namen seines Haustiers und du schaffst es stehen zu bleiben, obwohl du immer ein bisschen Angst hast, wenn Kinder auf dich zukommen, weil du manchmal nicht so genau weißt, wie du mit ihnen umgehen sollst. Du hast Asthma, gehst aber regelmäßig klettern, weil du nicht zu Hause sitzen und dich mit einem Spray in der Hand deinem Schicksal beugen willst. Du erfindest etwas und es rettet tausenden von Menschen das Leben. Du behandelst den Kellner wie den Unternehmensberater, weil dir einfach keine vernünftige Antwort einfallen will auf die Frage, was an dem einen besser ist als an dem anderen. Die Frage &#8220;Und was machst du so beruflich?&#8221; stellst du erst nach einer halben Stunde. Du schaffst es, immer Ruhe zu bewahren, auch wenn du innerlich gerade in aggressiver Jahrmarktstimmung bist. Du ziehst mutterseelenallein zum Studieren in eine Stadt ans andere Ende des Landes, in der du niemanden kennst. Du lebst in Altötting und gestern war dein Coming Out und du hast es überlebt. Du verlierst nie deinen Humor, auch nicht in Momenten, in denen du allen Grund dazu hättest.</p>
<p>Dann kannst du stolz auf dich sein. Nicht weil du Deutscher bist. Oder Österreicher. Oder Italiener. Oder Amerikaner. Nicht auf etwas, was du nicht beeinflussen kannst.</p>
<p>Und da wäre noch etwas. Es wird dir, lieber Fan, vielleicht nicht aufgefallen sein, aber deine Lieblingsband verwendet in ihrer Musik neben einigen problematischen auch unglaublich viele Texte, die man problemlos auf einen Sampler zusammen mit &#8220;Gib mir noch Zeit&#8221; von Blümchen stecken könnte und ich finde das, vor dem ganzen Hintergrund, wahnsinnig amüsant.</p>
<p>Laut langwieriger Internetrecherche stammt folgender Text von Frei.Wild</p>
<p><em>Kennst du den Schmerz, </em><br />
<em>diesen Schmerz verlorener Phantasien </em><br />
<em>Strom kann unterbrochen werden, </em><br />
<em>Gedanken leider nicht. </em><br />
<em>Du warst die süßeste Versuchung, </em><br />
<em>fühlte mich toll und jetzt als Wicht. </em><br />
<em>Erst war alles im Reinen, warum jetzt auf einmal nicht?</em></p>
<p>Ernsthaft? Süßeste Versuchung? Eure stolze Rockband aus Tirol singt in einem Lied, das sich &#8220;Schmerz der Phantasie&#8221; nennt von der &#8220;süßesten Versuchung&#8221;? Bei solchen Worten wird mir ganz warm ums Herz, ganz schummerig im Kopf,  ich bekomme eine neckische Gänsehaut und bekomme Lust mich genussvoll mit Lavendelöl einzucremen. Was kommt als nächstes? Frei.Wild als Vorgruppe von Eros Ramazotti?</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Liebes Tagebuch</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 10:19:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich aß gestern vegetarische Frikadellen. Der Fehler erschließt sich einem ja eigentlich sofort, da muss man nicht groß überlegen. Vegetarische Frikadellen. Intelligente Nazis. Oberteile von H&#38;M für 5,95 €, in denen man nicht schwitzt wie ein Schwein. Das sind alles Dinge, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich wurde erzogen in der Annahme, dass Frikadellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich aß gestern vegetarische Frikadellen. Der Fehler erschließt sich einem ja eigentlich sofort, da muss man nicht groß überlegen. Vegetarische Frikadellen. Intelligente Nazis. Oberteile von H&amp;M für 5,95 €, in denen man nicht schwitzt wie ein Schwein. Das sind alles Dinge, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich wurde erzogen in der Annahme, dass Frikadellen immer aus Fleisch bestehen.</p>
<p>Ich achte aber nun sporadisch immer mal wieder auf meine Ernährung. Also: 4 Tage lang ernähre ich mich vorbildlich, dann bekomme ich eine Art Tollwut, hervorgerufen durch einen akuten Mangel an Kohlehydraten und ernähre mich in Folge dessen 18 Tage lang wie ein Klempner, dessen Frau gerade mit ihren Freundinnen ein verlängertes Wochenende in Dorf Münsterland verbringt, beginne mich schon am 3. Tag schlecht zu fühlen, denke mir aber zunächst nichts dabei, sondern bin mir stattdessen sicher, totkrank zu sein, komme nach einer intensiven google-Recherche zu dem Ergebnis, dass ich eine Autoimmunerkrankung habe, fühle mich jedoch schier erschlagen von der großen Auswahl an Autoimmunerkrankungen und beschließe schließlich, dass es an meiner Ernährung liegt und, sollte ich doch eine Autoimmunerkrankung haben, ich das gar nicht wissen möchte. Der Kreislauf beginnt dann von vorne. 4 Tage lang Sträucher, Gräser und Kerne, 18 Tage lang Fondor.</p>
<p>Am Samstag nahm ich jedenfalls diese vegetarischen Fertig-Frikadellen mit. Freute mich dann wie ein Kleinkind auf das leckere, halbwegs gesunde Essen. Sie schmeckten fürchterlich und aus Trotz werde ich mir gleich eine Packung Schaumküsse kaufen und mir später auf dem Nachhauseweg einen Döner mitnehmen.</p>
<p>Außerdem glaube ich, dass ich wieder mehr von der Basis aus bloggen sollte, so wie wir das alle 2007 noch gemacht haben. Ich möchte mich nicht als konservative Person bezeichnen, die der Vergangenheit nachtrauert, aber damals gab es noch deutlich weniger konsumgeile Rotzblagen, die mit ihren langweiligen, ewig gleichen Produktempfehlungen meine Erwachsenenakne begünstigen. Wobei ich mit Produktempfehlungen nicht nur Musik, irgendwelche scheiß Turnschuhe, Partys oder Telefone, sondern tragischerweise auch Menschen und Lebenseinstellungen meine.</p>
<p>Ich kenne jetzt alle essgestörten Jurastudentinnen, die in Russland, den USA und irgendeinem asiatischen Land gerne ihre Nippel zeigen, um auf Missstände in der Welt aufmerksam zu machen. Ja, es ist auch wahnsinnig aufregend, wenn sich Leute mit den immer gleichen Fressen leicht angedüdelt in die Badewanne legen oder irgendjemand im Strahl Lametta auf einen Hundekadaver kotzt. Es gibt auch unzählige, talentierte Fotografen da draußen. Schade nur, dass nie jemand fette Menschen mit fahler Gesichtshaut fotografiert, außer es sind Trucker oder arbeitslose Mütter.</p>
<p>Das normale Leben wird viel zu selten weiterempfohlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bist du noch wach?</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Mar 2013 13:35:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[musik & medien]]></category>
		<category><![CDATA[web & fundus]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin mir nicht sicher ob ich diese Rezension schreiben soll wie ein Mensch, der ein großartiges Buch gelesen hat oder ein Mensch, der die Autorin in ihr Herz geschlossen hat. Ich versuche es mit einer Mischung aus beidem. Elisabeth Rank hat ein Buch geschrieben, ihr zweites nach dem Debut &#8220;Und im Zweifel für dich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin mir nicht sicher ob ich diese Rezension schreiben soll wie ein Mensch, der ein großartiges Buch gelesen hat oder ein Mensch, der die Autorin in ihr Herz geschlossen hat. Ich versuche es mit einer Mischung aus beidem.</p>
<p><a href="http://mevme.com/lizblog/">Elisabeth Rank</a> hat ein Buch geschrieben, ihr zweites nach dem Debut &#8220;Und im Zweifel für dich selbst&#8221; aus dem Jahr 2010. Am Samstag lag das Vorab-Exemplar in meinem Briefkasten, ein schönes Buch, so von außen, eines, das sich gut macht in meinem Bücherregal. Als ich dann nachts um halb vier mit Lesen fertig war &#8211; unterbrochen von einem Besuch im Kino und einem Schmaus mit netten Menschen), war mir ein bisschen komisch zumute. Ein bisschen wehmütig, ein bisschen traurig, ein bisschen dankbar. Lasst mich das kurz erklären:</p>
<p><a href="http://www.patsyjones.de/bist-du-noch-wach/rank_b/" rel="attachment wp-att-9987"><img class="alignleft size-medium wp-image-9987" style="margin: 10px;" title="rank_b" src="http://www.patsyjones.de/wp-content/uploads/2013/03/rank_b-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Lisa erzählt in <a href="http://www.amazon.de/Bist-du-noch-wach-Roman/dp/3827010950/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1363180098&amp;sr=8-1">&#8220;Bist du noch wach?&#8221;</a> von Rea, die in einer WG wohnt, in einer Agentur als Grafikerin arbeitet und sich am Anfang des Buches gerade von Albert trennt, aus Gründen die unter anderem in einem Satz wie diesem beschrieben sind:</p>
<p><em>&#8220;Er würde den Lappen in die Spüle legen, die Reste würde er nicht im Mülleimer entsorgen, er ließe den Lappen liegen, weil er Dinge nie zu Ende brachte.&#8221;</em></p>
<p>Reas Mitbewohner und bester Freund ist Konrad, der sich schon zu Beginn des Buches, im Verlaufe der Geschichte jedoch immer mehr, von ihr entfernt, wobei man sich als Leser die Frage stellt, inwieweit beide etwas zu dieser für Rea sehr quälenden Situation beitragen. Ob es hauptsächlich an Konrads neuer Freundin liegt, ob es eher ein unumgänglicher Teil des Erwachsenwerdens ist, das kann jeder für sich selbst herausfinden.</p>
<p>Man begleitet Rea durch ihre, meist verlassene Wohnung, von der Küche zum Bad in ihr Zimmer, durch den Flur, man begleitet sie auf einige Partys, wo sie Bekanntschaft mit unterschiedlichen Menschen macht, man begleitet sie durch die Straßen Berlins, zu ihrer Mutter und in ein Krankenhaus, in dem ihr schwer kranker Vater liegt und um sein Leben kämpft.</p>
<p><em>&#8220;Ich wusste genau, wo ich aussteigen musste. Ich kannte den Snackautomaten am Bahnsteig, ich wusste, dass man darin neben einer Bifi einen Schwangerschaftstest kaufen konnte, ich kannte die Preise der Blumen ober auf der Brücke, die seit dem letzten Jahr nicht gestiegen waren, ich wusste dass es bis zur Tankstelle ein halbes Lied dauerte, dass es bis zur zweiten Brücke den Rest des Liedes dauerte, wenn man zu Fuß unterwegs war, ich wusste, dass man das Lied danach sorgsam auswählen musste, denn das Lied danach würde das Lied sein, bei dem das Krankenhaus sichtbar wurde, es würde das sein, zu dem man durch die Drehtür ging und am Ende des Flures schon die Tür zur Kapelle sah, solche Lieder musste man gut auswähllen, sonst brach man sich mitunter das Herz&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Es sind ausgedehnte Sätze wie dieser, die man nicht müde wird zu lesen, man erwartet nicht ungeduldig den weiteren Verlauf der Geschichte, sondern verharrt kurz in dieser Beschreibung, als wäre jeder Satz für sich eine kleine Geschichte, und man denkt: Das könnte man auch an eine Häuserwand werfen, diesen unendlich langen Satz, und ihn ausmalen und jeden Tag beim Vorbeigehen lesen und sich immer wieder aufs neue darüber freuen.</p>
<p>Ich musste mir einigen Male die Nase kräftig schnäuzen und mir einige Zitate notieren, die darauf warteten von mir entdeckt zu werden. Ich musste auch oft schmunzeln, vor allem über Stellen, in denen Reas Katze durch die Wohnung streift und Katzendinge tut. Ja, dieses Buch ist auch eins, das genug Raum bietet für eine Katze und ihre Eigenheiten und ich finde das schön.</p>
<p>Am Ende des Buches begleitet man die Protagonistin mit drei Arbeitskolleginnen auf eine kurze Reise, man schlägt sich die Beine blutig und zieht schließlich mit ihr in eine neue Wohnung, allein, ohne den besten Freund und mit der Gewissheit, dass es ihn vielleicht nicht mehr gibt, diesen besten Freund, aber</p>
<p><em>&#8220;&#8230;wenn wir dann alt sind, Konrad, und auf diese Tage zurückschauen, werde ich dasitzen und sagen, mit dir habe ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Das wird sich nicht ändern, das nicht.&#8221;</em></p>
<p>Lisas Worte, ob in Buchform oder auf ihrem Blog, sind wie eine kleine Entspannungskur, eine Kur fürs Herz und den Bauch, für den verspannten Nacken und für die Aufmerksamkeit, wenn man Angst hat, etwas zu verpassen, Details des eigenen alltäglichen Lebens. Man verlässt dann das Haus und erinnert sich wieder, das es etwas zu entdecken gibt im Drinnen und im Draußen, es muss sich nicht groß ankündigen, mit viel Lärm und Tamtam, das Besondere liegt in der Summe der vielen kleinen Dinge und wie das Licht manchmal drauffällt und sie schafft es, die vielen kleinen Dinge auf eine Art und Weise zu benennen, die mich beeindruckt.</p>
<p>Konfetti und Liebe und Smarties und viele begeisterte Leser wünsche ich dir, von Herzen für einen Herzmenschen.</p>
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		<title>Aufwachen. Aufhören.</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jan 2013 13:02:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[gabi & klaus]]></category>
		<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Freitagmorgen. Ich bekomme auf twitter mit, wie Frauen und Männer unter dem Hashtag #aufschrei Erlebnisse offenbaren, in denen sie Opfer sexueller Gewalt oder in irgendeiner Art und Weise belästigt wurden. 2. Ich erwähne den Kunden, der mir mal ein Überraschungsei auf den Tisch legte mit den Worten &#8220;Franzi, du spielst und nascht doch bestimmt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Freitagmorgen. Ich bekomme auf twitter mit, wie Frauen und Männer unter dem Hashtag #aufschrei Erlebnisse offenbaren, in denen sie Opfer sexueller Gewalt oder in irgendeiner Art und Weise belästigt wurden.</p>
<p>2. Ich erwähne den Kunden, der mir mal ein Überraschungsei auf den Tisch legte mit den Worten &#8220;Franzi, du spielst und nascht doch bestimmt gerne.&#8221; auch wenn ich mir in diesem Moment gar nicht so sicher bin, ob das nicht vollkommen unerheblich ist neben den vielen Geschichten, die wirklich betroffen machen.</p>
<p>3. Es mischen sich auf twitter einige Stimmen darunter (weibliche, aber deutlich mehr männliche), die die Aktion ins Lächerliche ziehen. Ich mache mich auf meine Art über die Männer lustig, je mehr Tweets sich allerdings ansammeln, desto häufiger denke auch ich mir: Was zum Teufel ist denn daran sexuelle Belästigung?</p>
<p>4. Ich schreibe einen Blogeintrag darüber, in dem ich äußere, wie sehr mir einerseits der ganze übertriebene Feminismusscheiß auf die Nerven geht, weil einige von ihnen mich allein mit ihrer Sprache schon aggressiv machen, ungefähr so aggressiv wie all die Männer, die mir in den letzten Jahren gesagt haben, ich soll doch mal lächeln. Unangenehmere Situationen als diese fallen mir erstmal nicht ein. Ich erinnere mich daran, wie ich vor Jahren bei einem Fall, der passiert ist, nicht verstand, wie man sich als Frau in eine Situation begeben kann, in der man von Männern oder Jungs vergewaltigt wird und komme irgendwie zu dem Fazit, dass wir mehr oder weniger alle sexistisch sind, uns jetzt nicht vom jeweils anderen Geschlecht entfernen oder Dinge überdramatisieren sollen und man sich als Frau doch wehren kann, wenn man zum Beispiel in der Öffentlichkeit angefasst oder beleidigt wird.</p>
<p>5. Ich lese Blogeinträge von anderen Frauen, auch Männern und bleibe schließlich bei einem <a href="http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/">Artikel von Frau Meike</a> hängen, der meine Meinung zum Thema voll trifft und auch Frauen in der Verantwortung sieht (bezüglich eigener Wahrnehmung, nicht immer still halten, die eigenen Grenzen kennen, nicht zur Wehrlosigkeit verdammt sein).</p>
<p>6. Am nächsten Tag lösche ich meinen Tweet, weil er lächerlich ist im Vergleich zu dem, was anderen passiert ist. Ich überlege, meinen Blogeintrag zu überarbeiten oder zu löschen, weil er vollkommen unreflektiert war, auch wenn sich an meiner Einstellung, dass die Verantwortung doch irgendwie nicht allein bei den Männern liegt, sondern wir doch alle irgendwie das Problem sind, nichts groß geändert hat.</p>
<p>7. Ich mache mir den ganzen Samstag Gedanken darüber, ob ich eigentlich jemals direkt (also persönlich) als &#8220;Schlampe&#8221; betitelt wurde, jemals voller Absicht angefasst oder angegrabscht wurde, mir jemals jemand hinterher gerufen hat &#8220;Willste ficken?&#8221;. Um mich herum scheint es von Frauen zu wimmeln, für die das Alltag ist. Ich bin wütend (Was für Männer laufen da draußen eigentlich rum?). Ich bin verwundert (Woran liegt es, dass es Frauen gibt, denen das dauernd passiert und Frauen, denen das noch nie passiert ist?)</p>
<p>8. Ich ertappe mich dabei, wie ich es zum Beispiel vollkommen absurd finde, wenn eine Frau im engen Oberteil sich darüber beschwert, häufig angemacht zu werden oder gesagt zu bekommen &#8220;Du hast schöne Titten!&#8221; Denn auch wenn das oft unterstes Niveau ist ist es doch in keinster Weise auch nur irgendwie gleichzusetzen mit sexueller Belästigung, oder? Wenn man sich selbst mag und sich gefällt und Oberteile mit Ausschnitt trägt und doch weiß, wie viele hormongesteuerte Idioten da draußen rumlaufen, denen die Zunge nunmal etwas lockerer sitzt, muss man dann nicht mit sowas leben? Warum regt ihr euch über so eine Scheiße auf und wir reden jetzt nicht mal alle zusammen über die Frauen, die wirklich Angst haben müssen, die wirklich schlechte Erfahrungen gemacht haben, die wirklich benachteiligt, gedemütigt, verletzt wurden?</p>
<p>9. Ich muss an die Situation denken, in der ich mal vor sieben Jahren von einem alten, betrunkenen Mann angemacht und belästigt wurde und mein damaliger Freund weggesehen hat, weil es ihm wichtiger war, sich vor einer anderen zum Kasper zu machen. Dass ich den Tränen nahe stand und dann ein Typ in der Gruppe den Mumm besessen hat, dem besoffenen Arschloch seine Grenzen aufzuzeigen. Was sagt mir das? War das Belästigung? War ich da ein Opfer? Zeigt mir das vielleicht einfach nur, dass es schlicht und ergreifend besoffene Trottel, verdammte Feiglinge und Menschen mit Mumm in den Knochen unter den Männern gibt? Ich weiß es nicht genau.</p>
<p>10. Ich stelle in den nächten zwei Tagen fest, dass viele Frauen der Meinung sind, dass es pures Glück ist, wenn man nicht von sexueller Belästigung betroffen ist und ich denke: Nein, das kann doch nicht sein, hat man denn nicht ein kleines bisschen Kontrolle über sein Leben? Dass ich noch nicht angegriffen oder gar vergewaltigt wurde, das ist wirklich pures Glück. Dessen bin ich mir vollkommen bewusst. Aber das alltägliche Miteinander, die kleinen Demütigungen, die niveaulosen Sprüche&#8230; verdammt nochmal&#8230; das hat man doch unter Kontrolle! Lebe ich in einer Welt, in der ich nicht mal das unter Kontrolle hab? Das ist traurig, das macht mir Angst, ich will das nicht glauben.</p>
<p>Sind das Opferbeschuldigungen, wenn man als Frau davon ausgeht, dass all die unzähligen Frauen es wenigstens in der Hand haben, ob sie Tag für Tag gedemütigt werden (auf verbaler Ebene). Betreibe ich, wenn das meine Einstellung ist, Opferbeschuldigungen? Ist das nicht traurig? Für mich? Oder haben die es einfach nicht kapiert? Habe ich etwas nicht kapiert?</p>
<p>11. Gestern dann habe ich das dringende Bedürfnis eine simple Grafik zu malen und die auf meinen Blog hochzuladen mit Pfeilen und zwei Männchen, die in zwei unterschiedlich großen Kreisen stehen, die sich in der Mitte überschneiden, weil ich mir einbilde: Das Problem sind die Grenzen, man muss es doch nicht komplizierter machen! Männer erkennen ihre Grenze naturgemäß viel später, das kriegt man nicht so einfach aus ihren Köpfen raus, das sollte man ihnen als Frau zeigen, jeden Tag aufs neue. Warum bringen wir Männern nicht jeden Tag aufs neue bei, dass es sie nicht gibt, die typische Frau, die man bedrängen, übersehen, verletzen, austauschbar machen kann?</p>
<p>Das Bild, das Männer von Frauen haben, muss sich ändern, aber das kann es doch nur, wenn man als Mutter, als Schwester, als Tochter, als Freundin, als Arbeitskollegin jemand ist, der nicht austauschbar, berechenbar,  beeinflussbar, fügsam ist. Sind viele Männer einfach so, weil sie eine oftmals unbekannte Frau (auf der Straße, in Bars, Discotheken, auf dem Flur in der Firma, wo auch immer) gar nicht als Individuum wahrnehmen können, sondern größtenteils einfach nur als Objekt, eben weil sie ihrer Meinung nach umgeben sind von fügsamen, austauschbaren <del>Frauen</del> Objekten?</p>
<p>Und ich bekomme Kopfschmerzen von diesem Gedanken, weil ich zu dem Ergebnis komme: Wenn man als Frau in dieser Gesellschaft von allen Seiten beigebracht bekommt, dass man möglichst hübsch und eloquent, charmant und fluffig und brav und ordentlich und in schwierigen Situationen lieber still sein sollte, dann ist das Problem nicht mal eben gelöst durch &#8220;Jetzt sei stark (stark? wtf?!!) und wehr dich doch, sei doch keine dumme Kuh!&#8221; Und dann kann man auch nicht mit Gewissheit, wenn man seinem Bruder eine super Schwester oder Mutter ist, die intelligent und eigenständig ist, dafür sorgen, dass er nicht irgendwann mal auf dem Heimweg ein Mädchen sexuell bedrängt.</p>
<p>Ich habe meinen Blogeintrag also gelöscht. Weil er einen falschen Eindruck hinterlassen hat, auch wenn ihn sicher nicht besonders viele Leute gelesen haben. Ich habe ihn gelöscht, weil ich nicht allzu erleichtert darüber sein möchte, dass ich noch nie Opfer von schlimmeren Belästigungen wurde.</p>
<p>Ich habe ihn gelöscht, weil mir eben auf der Straße etwas aufgefallen ist, was mir vorher noch nie aufgefallen ist. Ich fuhr an zwei Frauen vorbei, eine davon eher noch ein Mädchen. Sie lief die Straße entlang, warf gelegentlich flüchtige Blicke Richtung Straße und sie fuhr sich durch Gesicht und Haare, eine unsichere &#8220;Ich weiß nicht wohin mit meinen Händen&#8221;-Geste, die ich sehr gut kenne, weil ich das selber ständig mache, obwohl ich mich weder als sehr unsicher, aber eben auch nicht als sehr selbstbewusst bezeichnen würde. Die andere Frau wartete fünfzig Meter weiter und stand mit verschränkten Armen da, etwas in sich zusammen gesunken.</p>
<p>Mir ist das nie bewusst aufgefallen, weil ständig Frauen um mich herum sind, die sich unsicher durch die Haare fahren, die Arme verschränken oder Blicken ausweichen. Irgendwie ist das schon Normalität geworden. Eher fallen mir dann Frauen auf mit ruhigen Bewegungen, offenem Blick, die durch ihre Haltung Selbstsicherheit ausstrahlen. Solche Frauen sehe ich nicht häufig. Denn sie sind in der Minderheit.</p>
<p>Bei Männern fällt mir hingegen auf, wenn sie zusammen gesunken an mir vorbei laufen, etwas ratlos wirken, zerstreut. So etwas sehe ich nicht häufig, das ist dann sozusagen etwas besonders.</p>
<p>Und bisher dachte ich: Ich muss das so hinnehmen, ohne mir wirklich etwas dabei zu denken. Weil es nichts bedeutet. Es muss mir nichts sagen, dass da draußen viel mehr Frauen eine unsichere Haltung einnehmen. Oder dass ich selber so eine Frau bin. Das hat nichts zu bedeuten, wenn überhaupt, dann dass Frauen nunmal eher passiv sind, nicht so dominant, so selbstbewusst wie Männer.</p>
<p>Und genau das ist der Fehler. Es hat etwas zu bedeuten. Dass mir mehr unsichere weibliche Personen begegnen, allein auf der Straße, ohne dass denen in diesem Moment wirklich was passiert oder gerade passiert ist, das hat etwas zu bedeuten. Dass viele Frauen eine Schutzhaltung einnehmen, instinktiv, selbst die die sich selbst gar nicht unbedingt so sehen wollen, das muss mir etwas sagen.</p>
<p>Und dann habe ich <a href="http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2013/01/aufschrei-es-geht-nicht-um-mich.htm">das hier</a> gelesen. Und viele andere Meinungen. Und dass es nicht so schwachsinnig ist von einer gewaltfreien Gesellschaft zu &#8220;träumen&#8221;. Und dass Menschen wie ich vielleicht unbewusst doch Opferbeschuldigungen machen, ohne es zu wollen, ohne es nur zu ahnen. Und dass ich sehr froh bin das heute nach drei Tagen erkannt zu haben.</p>
<p>Nein, für mich ist das kein Problem, wenn mir ein Mann in die Wange kneift und einen blöden Spruch macht. Wenn der Bus bremst und die Hand eines Fremden landet auf meiner Brust, dann kann das absichtlich oder unabsichtlich gewesen sein. Wenn ich ein Oberteil trage mit einem großen Ausschnitt dann weiß ich, dass mir in den nächsten Stunden weniger Männer in die Augen schauen, weil sie Brüste mögen. Es sind diese Kleinigkeiten, die für mich keine große Rolle spielen. Auf die man sich teilweise einstellt.</p>
<p>Und dass man sich eben drauf einstellt,  sagt schon einiges über die Gesellschaft aus. Und ich bin sehr froh, dass wir seit Freitag darüber sprechen, was das überhaupt heißt, dass man sich auf gewisse Dinge &#8220;einstellt&#8221;. Ein Artikel, den ich auch noch hervorheben möchte, ist <a href="http://serotonic.de/Von-Laemmern-und-Loewinnen-267.html">dieser hier von serotonic</a>. Das kommt meiner Einstellung am nächsten, wegen dem folgenden Zitat:</p>
<p><em>&#8220;Trotzdem habe ich kein Problem mit Männern; ich fühle mich sogar meist unter ihnen wohler (npi). Vielleicht, weil ich sie als direkter, ungefilterter, ehrlicher empfinde. Vielleicht, weil ich mit anständiger Damenhaftigkeit weniger anfangen kann, als mit offenen Diskussionen in ungeschönter Ausdrucksweise.&#8221;</em></p>
<p>Mir geht es da sehr sehr ähnlich. Und ich kann mich nur sehr sehr vage in die Lage der vielen Männer reinversetzen, denen das alles jetzt auch Denkanstöße gegeben hat und die sich unter anderem jetzt fragen: Was tue ich, wenn ich denselben Heimweg habe wie eine Frau, wie mache ich ihr in der Dunkelheit klar, dass sie sicher ist, dass ich ihr nichts tue, dass ich keiner von denen bin?</p>
<p>Die meisten Männer, denen ich je in meinem Leben begegnet bin, haben einer Frau, so vermute und hoffe ich, nie etwas getan. Haben vielleicht mal kleine Spitzen verteilt, Scherze gemacht, Dinge gesagt, die etwas unter der Gürtellinie sind, aber nie etwas, was mich schweigend und mit einem Gefühl der Ohnmacht und Wertlosigkeit zurück lässt. Viele Frauen, mich eingeschlossen, sind im Gegenzug auch nicht zimperlich und lassen auch mal einen Spruch auf die Menschheit los.</p>
<p>Gestern dachte ich noch, ich müsste mich auch mal fragen wie viele Männer denn eigentlich in den Hobbykeller flüchten vor einer zeternden, unzufriedenen Frau, die jede Handlung ihres Freundes oder Ehemanns als eine Bedrohung ihrer eigenen kleinen Welt ansieht. Gestern dachte ich noch, das könnte man doch genauso gut auch mal thematisieren um den Männern zu zeigen: Beruhigt euch, macht euch jetzt nicht alle Vorwürfe, wir wissen genau, was ihr manchmal so &#8220;mitmacht&#8221;. Dass jahrelanger Psychoterror einen Mann ebenso zusetzen kann wie ständige Demütigungen und Angst oder Unsicherheit einer Frau zusetzen kann.</p>
<p>Aber, scheiße, darauf muss man nicht genau jetzt extra noch hinweisen um die Schwere des eigentlichen Problems noch zu entkräften. Und ich weiß nicht wie man´s angeht. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass in jeder einzelnen Lebenslage miteinander sprechen hilft. In Beziehungen, im Job, in der Familie, einfach überall. Wenn wir öfter miteinander sprechen würden, wenn wir uns alle viel besser kennen lernen würden, dann ist das vielleicht langfristig gesehen ein ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung und führt vielleicht dazu, dass man in entsprechenden Situationen andere Leute, die offensichtlich wehrlos sind, in Ruhe lässt. Dass man überhaupt nicht daran denkt, die Wehrlosigkeit auszunutzen. Weil man begriffen hat &#8220;Das ist ein Mensch, kein Objekt, mit dem ich machen kann, was ich will&#8221;.</p>
<p>Nichts gegen ein gesundes Feindbild, das man aus der Ferne superdoof finden kann. Nichts gegen ein paar liebgewonnene Vorurteile, die einen gelegentlich dazu inspirieren auf dem eigenen Blog eine flammende Rede gegen irgendwelche besonderen &#8220;intellektuellen Härtefälle&#8221;  zu halten. Aber Frauen sind keine Objekte, auch wenn jeder von uns einige kennt, bei denen wir der Meinung sind, dass sie sich leider zu einem machen oder <em>machen lassen</em>.</p>
<p>Das ist alles vollkommen scheißegal in diesem Moment. In dem Moment ist das nicht der Fehler dieser einen Frau. Es ist der Fehler des Mannes, der seine eigenen Grenzen nicht kennt. Vielleicht weil ihm niemand beigebracht hat, dass es Grenzen gibt. Vielleicht, weil man es ihm beibrachte, er es aber wieder vergessen hat, was in dieser Welt, mit diesen Medien und dieser Moral, nicht mal großartig verwundert, auch wenn es nichts entschuldigen darf. Vielleicht, weil seine eigenen Grenzen irgendwann einmal von jemandem überschritten wurden, der mehr Macht hatte.</p>
<p>Meine eigenen Erfahrungen sind in diesem Moment nicht wichtig. Nichtmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es geht nicht um mich. Es geht nicht um Einzelne. Es geht um uns alle. Frauen und Männer. Uns alle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>And all she keeps inside isn&#8217;t on the label</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jan 2013 01:37:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Und wie manche Menschen machen, dass einem Dinge egal sind. Und wie manche Menschen machen, dass einem Dinge eben nicht egal sind.  Und wie einem die Wucht vom einen Ende des Lautstärke-Reglers nicht laut genug sein kann und dass ich jede Nacht bete, dass euch nie etwas passiert, nie mehr als ein Kratzer, oberflächliche schnell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und wie manche Menschen machen, dass einem Dinge egal sind. Und wie manche Menschen machen, dass einem Dinge eben nicht egal sind.  Und wie einem die Wucht vom einen Ende des Lautstärke-Reglers nicht laut genug sein kann und dass ich jede Nacht bete, dass euch nie etwas passiert, nie mehr als ein Kratzer, oberflächliche schnell heilende Wunden, und dann im Bett liege und mir dasselbe für mich wünsche und weiß, das eine kann ich noch weniger beeinflussen als das andere, ich kann es nur herausfordern und fortschicken und zufrieden sein, wenn die Augenblicke dazwischen lange genug andauern, einen neuen Gedanken fassen zu können, damit man sagen kann, man wäre ein neuer Mensch.</p>
<p>Und wie man sich manchmal wünscht, dass man nur mit ein paar Gedanken die Welt zusammen halten kann. Und weiß wie aussichtslos das ist und es trotzdem macht, weil man sonst Menschen von Monstern nicht mehr unterscheiden könnte.</p>
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		<title>zitiert</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jan 2013 17:46:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[zitiert & kurz notiert]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Was sind das für Menschen, die kommen und gehen und dabei nicht einmal merken, dass sie Spuren hinterlassen?&#8221; (heldensucht) Tweet]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Was sind das für Menschen, die kommen und gehen und dabei nicht einmal merken, dass sie Spuren hinterlassen?&#8221; <a href="http://heldensucht.tumblr.com/post/30304020652/was">(heldensucht)</a></p>
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		<title>&#8220;Django Unchained&#8221;. Eine Kritik.</title>
		<link>http://www.patsyjones.de/django-unchained-ich-auch-eine-kritik/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jan 2013 11:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[musik & medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe keine Ahnung von Filmen. Ich finde Owen Wilson unglaublich nervig und &#8220;Kein Pardon&#8221; irgendwie albern, &#8220;Die nackte Kanone&#8221; hingegen großartig. Ich finde Sean Penn ist ein großartiger Schauspieler, ich mag Liev Schreiber unheimlich gerne, &#8220;Prometheus&#8221; letztes Jahr war ein absoluter Witz und der dritte Batman Film von Christopher Nolan ist eigentlich mindestens so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe keine Ahnung von Filmen. Ich finde Owen Wilson unglaublich nervig und &#8220;Kein Pardon&#8221; irgendwie albern, &#8220;Die nackte Kanone&#8221; hingegen großartig. Ich finde Sean Penn ist ein großartiger Schauspieler, ich mag Liev Schreiber unheimlich gerne, &#8220;Prometheus&#8221; letztes Jahr war ein absoluter Witz und der dritte Batman Film von Christopher Nolan ist eigentlich mindestens so gut wie der zweite. Anne Hathaway sollte ihre Haare immer kurz tragen, Amanda Seyfried ist vollkommen talentfrei, ungefähr so talentfrei wie Pierce Brosnan. Man sollte Pierce Brosnan in allen seinen Filmen durch Kevin Spacey austauschen, was total absurd ist, aber egal. Sagen wir, für jeden Film mit Pierce Brosnan hätte es stattdessen Filme mit Kevin Spacey geben sollen. Die Szene wie Kevin Spacey am Ende des eher durchschnittlichen Films &#8220;Margin Call&#8221; seinen Hund beerdigt, ist wunderschön. Tim Burton und Johnny Depp nerven übrigens auch. So im Doppelpack quasi. Frances McDormand sollte jedes Jahr aus Prinzip einen Oscar bekommen.  Und wo ist eigentlich Winona Ryder?</p>
<p>Das nur um einen Eindruck zu bekommen. Ich habe keine Ahnung von Filmkunst. Ich schaue mir keine &#8220;Nischenfilme&#8221; an, jedenfalls nicht bewusst. Und ich finde die zwei besten Filme von Guy Ritchie sind besser als die zwei besten Filme von Quentin Tarantino. Bei Quentin Tarantino weiß ich nämlich auch gar nicht, welcher neben &#8220;Pulp Fiction&#8221; noch sein bester Film ist. Und ich weiß auch gar nicht, ob man die zwei überhaupt gegenüber stellen kann. Ich mag das Irrwitzige bei beiden, also kann man sie wohl irgendwie vergleichen und wer die beiden Namen mal bei google eingibt, wird feststellen, dass sie häufig miteinander verglichen werden, bzw. oft die Frage auftaucht, wessen Filme man denn jetzt eigentlich mehr mag.</p>
<p>Ich mag die Filme von Guy Ritchie nicht nur wegen all der großartigen Figuren („Bullet Tooth“ Tony!!! Brick Top!!! Rory Breaker!!!), sondern weil in seinen Filmen Jason Statham schauspielern kann. Er lässt es zumindest so aussehen. Das ist eine beachtliche Leistung. Für mich persönlich liegt Guy Ritchie vorne. Aber ich wollte etwas zu Quentin Tarantino sagen, besser gesagt zu seinem neuen Werk, auf das ich mich seit Wochen gefreut hab. Django Unchained. Würde ich jetzt schreiben &#8220;Ich wurde enttäuscht&#8221;, wäre das gelogen. Ich wurde nicht direkt enttäuscht, ich bin einfach nur ein bisschen irritiert, wenn ich mir die Bewertungen der Leute heute auf moviepilot anschaue. Bei einigen Filmen habe ich mich in den letzten paar Monaten gefragt: Nach welchen Kriterien bewerten diese Menschen dort Filme? Und mir dann selber die Antwort gegeben: Es gibt keine Kriterien, die gibt es bei mir ja auch nicht, wir haben alle keine Ahnung von Filmen, es geht nur um unser subjektives Empfinden und&#8230; und&#8230; ABER WARUM HAT EIN GROSSTEIL DER ANDEREN  LEUTE DA DRAUSSEN SO EIN BESCHISSENES  SUBJEKTIVES EMPFINDEN?!!</p>
<p>Ich fühle mich oft überrollt und überlegen und dumm gleichermaßen, weil ich dann immer zwischen &#8220;Ich bin zu beschränkt um die Begeisterung zu verstehen&#8221; und &#8220;Ihr habt alle keine Ahnung!&#8221; pendele. Und bei &#8220;Django&#8221; fühle ich mich heute auch so. Ich muss dazu sagen, ich hab den Film auf deutsch gesehen und irgendwas geht da verloren, vermute ich.</p>
<p>1. Leonardi DiCaprio passt da irgendwie nicht hin, wobei ich das aber nicht ganz so kritisch sehe wie viele andere, die der Meinung sind, dass er völlig fehlbesetzt war. Jemand wie Tom Hiddleston hätte vielleicht besser in die Rolle gepasst. Der ist noch nicht so prominent und irgendwie charismatisch und boshaft zugleich. Oh, es wäre ein Fest gewesen jemanden wie ihn in dieser Rolle zu sehen.</p>
<p>2. Die Beziehung zwischen Django und Broomhilda kümmert mich irgendwie nicht. Es interessiert mich den ganzen Film über nicht, was mit den beiden passiert.</p>
<p>3. Christoph Waltz ist großartig in dem Film. Er ist mit Abstand der großartigste Charakter in der ganzen Geschichte. Und ich habe damit ein Problem. Alles was seine Figur tut oder sagt ist darauf ausgelegt, wahnsinnig toll  zu sein. Alle anderen verschwinden beinahe. Etwas boshaftes in mir möchte sich fragen: Was ist das für ein Drehbuch, in dem ein Nebendarsteller, der eigentlich eher ein Hauptdarsteller ist, so viel Raum einnimmt, während alle anderen beinahe nichtssagende Dinge tun. Die Darbietung von Samuel L. Jackson ändert nichts an dieser Meinung.</p>
<p>4. Man kommt ja beim Schauen von Filmen nicht umhin, irgendeine &#8220;Verbindung&#8221; zu den Personen aufzubauen, zumindest macht das irgendwie eine Geschichte aus, die einigermaßen gut ist. Für mich zeichnet sich eine gute Geschichte dadurch aus, dass im Vorfeld nicht so offensichtlich ist, zu welchen der Personen ich diese &#8220;Verbindung&#8221;, dieses nähere Interesse aufbaue. In &#8220;Django&#8221; ist das der von Christoph Waltz verkörperte Kopfgeldjäger. Eindeutig. Es geht möglicherweise nicht nur mir so, man wird sozusagen mit der Nase draufgestoßen, vor allem weil er das erste Drittel des Filmes klar dominiert. Und dann stirbt er nach zwei Stunden. Und das ist nicht tragisch, ehrlich gesagt hätte es mich verwirrt, wenn er überlebt hätte. Das Tragische ist eher, dass Quentin Tarantino mir zuvor nicht die Möglichkeit gibt, für einen der anderen irgendeine Art von Begeisterung zu empfinden. Ich muss dann noch eine halbe Stunde im Kinosessel rumrutschen und interessiere mich eigentlich gar nicht mehr so sehr für das Gezeigte. In einem wirklich guten Film hätte ich mir gedacht &#8220;Ok, schade, Dr. King Schultz ist tot, war ein guter Mann, aber jetzt will ich wissen, wie es mit den anderen weitergeht!&#8221; Hier ist es mir dann egal, ob irgendwem jetzt das Glied abgesäbelt wird.</p>
<p>5. Liebe Filmliebhaber, das Drehbuch ist nicht originell. Glaubt mir. Das Wort stört mich ungemein, es macht mich grad ein bisschen närrisch. Bitte hört auf in Bezug auf den Film das Wort &#8220;originell&#8221; zu benutzen, um Gottes Willen. Die Schießereien sind meisterhaft, der Soundtrack ist großartig, es gibt ein paar witzige Szenen, Christoph Waltz hat den Golden Globe ohne Frage verdient, aber DAS DREHBUCH IST NICHT ORIGINELL. Ein originelles Drehbuch besteht aus interessanten Figuren und großartigen Dialogen und davon hat der Film meiner Meinung nach eher wenige. Ja, ich weiß, der Film wurde vor drei Tagen für &#8220;bestes Drehbuch&#8221; ausgezeichnet. Ja, ich weiß, ich habe keine Ahnung vom Filmemachen. Aber das Drehbuch ist nicht originell.</p>
<p>Und der Film hat auch nicht mehr als 7 von 10 Punkten verdient. Er ist mir persönlich an einigen Stellen zu langatmig: schon am Anfang, dann die Szene mit den Säcken über dem Kopf, von der ich hoffe, dass sie im Original weniger albern rüberkommt, die Szenen, in denen Django an Broomhilde denken muss, die Szene, in der die Gruppe auf Candyland zureitet, der leichte Ungehorsam von Steven wird ein kleines bisschen zu sehr in die Länge gezogen.</p>
<p>Zuletzt: Ich mochte sämtliche Brillen in dem Film. Ich denke, es geht in dem Film um Brillen. Und drei Szenen stachen für mich aber irgendwie doch sehr positiv hervor 1. Die Szene, in der Christoph Waltz das Bier zapft und zu dem Tisch bringt. 2. Die Szene, in der Django mitansehen muss wie die drei Hunde D´Artagnan zerfleischen und er vollkommen unbeeindruckt bleiben muss. Und 3. die komplette Szene, in der Django und Schultz Monsieur Candie während des Mandingo-Kampfes kennen lernen.</p>
<p>Alles was danach kommt sorgt leider dafür, dass ich dem Film &#8220;nur&#8221; eine 7.0 gebe. Ich werd ihn mir aber auf jeden Fall nochmal im Original zu Gemüte führen, denn oft ist die Scheiß Synchronisation auch irgendwie mit verantwortlich für schlechtere Bewertungen.</p>
<p>Zu meinem &#8220;Christoph Waltz ist wunderbar!&#8221;-tumblr-Blog geht es übrigens <a href="http://waaaltz.tumblr.com/">hier entlang</a>. Und zu den bisher von mir auf moviepilot bewerteten Filmen <a href="http://www.moviepilot.de/users/patsyjones/rated/movies">dort entlang</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mein WTF-Moment des Tages</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jan 2013 15:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[mode & mädchenecke]]></category>
		<category><![CDATA[web & fundus]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin gerade Dank eines Artikels von Stephan Kleinert zu einem Blogpost gekommen, in dem Gastbloggerin Anzhelika Zandt auf kwerfeldein über ihre Arbeit schreibt. Anzhelika war vorher als Model tätig und kam dann über die Fotografie zur Retusche. Dass sie das wahnsinnig gut macht (erst seit März 2012, wohlgemerkt), kann man unter anderem auf ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin gerade Dank eines <a href="http://massenbelichtungswaffen.de/models/meine-kunst-ist-viel-perverserer-als-deine/">Artikels</a> von Stephan Kleinert zu einem Blogpost gekommen, in dem Gastbloggerin Anzhelika Zandt auf <a href="http://kwerfeldein.de/2013/01/03/leidenschaft-retusche/">kwerfeldein </a>über ihre Arbeit schreibt. Anzhelika war vorher als Model tätig und kam dann über die Fotografie zur Retusche. Dass sie das wahnsinnig gut macht (erst seit März 2012, wohlgemerkt), kann man unter anderem auf ihrer <a href="http://www.anzhelika-zandt.com">Homepage</a> sehen.</p>
<p>In dem Blogpost auf kwerfeldein schreibt sie allerdings etwas, das mich etwas stutzig macht.</p>
<p>&#8220;Fast jeder hat mal ein paar Pickel und Hautunreinheiten, die sicherlich nicht schlimm sind. Für die meisten Werbezwecke wird allerdings sehr viel Wert auf eine perfekte Haut gelegt, die trotzdem natürlich aussieht. Das setze ich bei meinen Arbeiten um. Auch, weil es mir persönlich so besser gefällt.&#8221;</p>
<p>Es wird also Wert auf eine perfekte Haut gelegt, die trotzdem natürlich aussieht. Lasst diese Aussage bitte mal für einen Moment auf euch wirken.</p>
<p>&#8230;21, 22&#8230;</p>
<p>Hallo, Guten Morgen, das funktioniert doch überhaupt nicht! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Bild in irgendeinem Magazin gesehen, in dem eine Frau perfekte und trotzdem natürliche Haut hat. Und das ist gar nicht schlimm, denn ich möchte das auch gar nicht. Ich möchte in der Vogue gar keine Frauengesichter sehen, die so fleckig und uneben sind wie mein eigenes Gesicht. Wo kämen wir da hin? Ich soll konsumieren in der Annahme bald genauso schön zu sein, als könnte man einmal kurz ein Lebensgefühl einatmen und es bleibt für immer in einem drin. Ich soll konsumieren, nicht zufrieden sein, so ist die Welt ja nicht gemacht, so ist das nicht gemeint.</p>
<p>Ich akzeptiere diesen Blödsinn. Weil ich weiß, dass die Bilder retuschiert wurden, akzeptiere ich diesen Blödsinn. Aber die Begründung, dass die Bilder retuschiert werden, damit die Haut perfekt, aber TROTZDEM  NATÜRLICH aussieht, die akzeptiere ich nicht. Nicht ohne wenigstens einmal verzweifelt mit den Augen gerollt zu  haben. Die werden retuschiert, damit wir denken, dass Falten, Flecken, Male und Unreinheiten hässlich sind. Verdammte Hacke. Damit wir glauben, man könnte Schönheit kaufen, in einem Tiegel, 50 ml für 39 Euro. Deshalb werden all diese Bilder retuschiert. Weil sie Verlangen und Kaufwünsche und verzweifelte Sehnsucht wecken sollen.</p>
<p>Und morgen laufen wieder Tausende Frauen und Mädchen zwischen 16 und 26 zu Douglas und besorgen sich irgendeine Pampe fürs Gesicht. Weil die Pampe irgendeinen Glow verleiht. Für weichgezeichnete Gesichter. WEICHGEZEICHNETE GEHIRNE!!!!!</p>
<p>Dass man das nicht offen ausspricht, dass es perfekte, aber natürliche Gesichter nicht gibt, wenn man gleichzeitig für all die großen Firmen arbeitet, ist recht logisch. Aber man könnte doch einfach die Unwahrheit mal NICHT schreiben. Das ist fast genauso gut wie die Wahrheit schreiben. Oder einigen wir uns doch einfach darauf, dass Natürlichkeit perfekt sein kann, es aber andersrum einfach nicht möglich ist. Amen.</p>
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		<title>So ein Vormittag an so einem Montag im Januar</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jan 2013 11:51:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patsy Jones</dc:creator>
				<category><![CDATA[wahnsinn & alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich helfe ihm, seine Einkäufe aufs Band zu legen. Er ist mir auf dem Gang begegnet, da wo es den Kaffee gibt und er hat mich vorgelassen, damit ich mich nicht an ihm vorbei quetschen muss. Er ist langsam, zittrig, unsicherer Gang, er trägt einen Hut und graue Wollhandschuhe schauen aus seinen Jackentaschen hervor. Trübe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich helfe ihm, seine Einkäufe aufs Band zu legen. Er ist mir auf dem Gang begegnet, da wo es den Kaffee gibt und er hat mich vorgelassen, damit ich mich nicht an ihm vorbei quetschen muss. Er ist langsam, zittrig, unsicherer Gang, er trägt einen Hut und graue Wollhandschuhe schauen aus seinen Jackentaschen hervor. Trübe Augen schauen mich an, sie sind strahlend blau und ich glaube, nein ich hoffe, dass er früher einmal schelmisch mit ihnen geblitzt hat. An der Kasse stehe ich hinter ihm. Er will mich vorbei lassen, weil ich nur ein Netz mit Clementinen, eine Tüte vom Metzger und Paprikas in der Hand halte. Ich lächle ihn an, schüttele mit dem Kopf und sage ihm, dass ich Zeit habe. Meine Einkäufe lege ich an den Rand des Bandes.</p>
<p>Ihm ist anzusehen, wie unangenehm es ihm ist, dass er sich bücken und in den Tiefen seiner Tasche nach dem Brot und dem Joghurt kramen muss, mühselig, immer nur ein Päckchen greifend. Ich helfe ihm, hinter mir werden die Kunden unruhig, aber ich tue es nicht nur deshalb, ich will ihm zeigen, dass er sich nicht schämen muss für sein Alter und seine Gebrechlichkeit und ich habe Angst, dass ich mich später selber jeden Tag schäme für mein Alter und meine Gebrechlichkeit und dass ich allen zur Last falle und mir dann vielleicht kein Mensch hilft im Supermarkt an der Kasse und generell, überall.</p>
<p>Zweimal winke ich ab, als er mir durch Gestik und leise, halb ausgesprochene Sätze zu verstehen gibt, dass ich ruhig vorgehen kann. Er ist es gewohnt, dass um ihn herum alle in Eile sind, niemand hat Zeit, das ist das Gift in unserer Gesellschaft, niemand hat mehr Zeit und niemand schaut sich mehr um und irgendwann leben vermutlich nur noch Arschlöcher auf dieser Welt, die glauben, dass Freundlichkeit irgendetwas mit Spendenkonten zu tun hat, Leute, die vergessen haben oder nie wussten, dass man sie verschenken kann, das kostet nichts, nur einen Moment Lebenszeit. Ich rede ja nicht mal von Nächstenliebe, ich ganz bestimmt nicht, bin ich doch am nächsten Tag vielleicht genau die ungeduldige Person, die erleichtert ist, wenn die zweite Kasse geöffnet wird.</p>
<p>Auf dem Weg zurück muss ich zweimal zwinkern und einmal schlucken und denke mir, dass das Problem nicht die Hilflosen sind und auch nicht die Rücksichtslosen, sondern Menschen wie ich, die nicht konsequent genug sind, sondern immer nur sporadisch hilfsbereit, weil es von uns so unglaublich viele gibt und wir immer in Eile sind, mit den Gedanken woanders und nicht bei dem, was sich vor uns abspielt. Nie bei uns selbst, im Hier und Heute,  stattdessen immer bei dem was war und was wird.</p>
<p>Wir wünschen uns, dass die Rücksichtslosen aufhören rücksichtslos zu sein. Und warten ab. Hoffen. Vielleicht wachen wir ja morgen auf und die Gesellschaft ist eine andere. Dieses Abwarten schließt die Hilflosen aus, denen helfen wir damit nicht, denn in deren Richtung schauen wir nicht. Wir schauen immer nur nach denen da oben. Mit dem Kopf im Nacken, bis es weh tut. Bis wir unsere Hände tröstend auf die kleine Stelle legen müssen, die beides zusammen hält, und ohne Aussicht auf Erfolg mit kleinen Bewegungen versuchen die Anspannung zu lösen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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