“Django Unchained”. Eine Kritik.
by Patsy Jones
Ich habe keine Ahnung von Filmen. Ich finde Owen Wilson unglaublich nervig und “Kein Pardon” irgendwie albern, “Die nackte Kanone” hingegen großartig. Ich finde Sean Penn ist ein großartiger Schauspieler, ich mag Liev Schreiber unheimlich gerne, “Prometheus” letztes Jahr war ein absoluter Witz und der dritte Batman Film von Christopher Nolan ist eigentlich mindestens so gut wie der zweite. Anne Hathaway sollte ihre Haare immer kurz tragen, Amanda Seyfried ist vollkommen talentfrei, ungefähr so talentfrei wie Pierce Brosnan. Man sollte Pierce Brosnan in allen seinen Filmen durch Kevin Spacey austauschen, was total absurd ist, aber egal. Sagen wir, für jeden Film mit Pierce Brosnan hätte es stattdessen Filme mit Kevin Spacey geben sollen. Die Szene wie Kevin Spacey am Ende des eher durchschnittlichen Films “Margin Call” seinen Hund beerdigt, ist wunderschön. Tim Burton und Johnny Depp nerven übrigens auch. So im Doppelpack quasi. Frances McDormand sollte jedes Jahr aus Prinzip einen Oscar bekommen. Und wo ist eigentlich Winona Ryder?
Das nur um einen Eindruck zu bekommen. Ich habe keine Ahnung von Filmkunst. Ich schaue mir keine “Nischenfilme” an, jedenfalls nicht bewusst. Und ich finde die zwei besten Filme von Guy Ritchie sind besser als die zwei besten Filme von Quentin Tarantino. Bei Quentin Tarantino weiß ich nämlich auch gar nicht, welcher neben “Pulp Fiction” noch sein bester Film ist. Und ich weiß auch gar nicht, ob man die zwei überhaupt gegenüber stellen kann. Ich mag das Irrwitzige bei beiden, also kann man sie wohl irgendwie vergleichen und wer die beiden Namen mal bei google eingibt, wird feststellen, dass sie häufig miteinander verglichen werden, bzw. oft die Frage auftaucht, wessen Filme man denn jetzt eigentlich mehr mag.
Ich mag die Filme von Guy Ritchie nicht nur wegen all der großartigen Figuren („Bullet Tooth“ Tony!!! Brick Top!!! Rory Breaker!!!), sondern weil in seinen Filmen Jason Statham schauspielern kann. Er lässt es zumindest so aussehen. Das ist eine beachtliche Leistung. Für mich persönlich liegt Guy Ritchie vorne. Aber ich wollte etwas zu Quentin Tarantino sagen, besser gesagt zu seinem neuen Werk, auf das ich mich seit Wochen gefreut hab. Django Unchained. Würde ich jetzt schreiben “Ich wurde enttäuscht”, wäre das gelogen. Ich wurde nicht direkt enttäuscht, ich bin einfach nur ein bisschen irritiert, wenn ich mir die Bewertungen der Leute heute auf moviepilot anschaue. Bei einigen Filmen habe ich mich in den letzten paar Monaten gefragt: Nach welchen Kriterien bewerten diese Menschen dort Filme? Und mir dann selber die Antwort gegeben: Es gibt keine Kriterien, die gibt es bei mir ja auch nicht, wir haben alle keine Ahnung von Filmen, es geht nur um unser subjektives Empfinden und… und… ABER WARUM HAT EIN GROSSTEIL DER ANDEREN LEUTE DA DRAUSSEN SO EIN BESCHISSENES SUBJEKTIVES EMPFINDEN?!!
Ich fühle mich oft überrollt und überlegen und dumm gleichermaßen, weil ich dann immer zwischen “Ich bin zu beschränkt um die Begeisterung zu verstehen” und “Ihr habt alle keine Ahnung!” pendele. Und bei “Django” fühle ich mich heute auch so. Ich muss dazu sagen, ich hab den Film auf deutsch gesehen und irgendwas geht da verloren, vermute ich.
1. Leonardi DiCaprio passt da irgendwie nicht hin, wobei ich das aber nicht ganz so kritisch sehe wie viele andere, die der Meinung sind, dass er völlig fehlbesetzt war. Jemand wie Tom Hiddleston hätte vielleicht besser in die Rolle gepasst. Der ist noch nicht so prominent und irgendwie charismatisch und boshaft zugleich. Oh, es wäre ein Fest gewesen jemanden wie ihn in dieser Rolle zu sehen.
2. Die Beziehung zwischen Django und Broomhilda kümmert mich irgendwie nicht. Es interessiert mich den ganzen Film über nicht, was mit den beiden passiert.
3. Christoph Waltz ist großartig in dem Film. Er ist mit Abstand der großartigste Charakter in der ganzen Geschichte. Und ich habe damit ein Problem. Alles was seine Figur tut oder sagt ist darauf ausgelegt, wahnsinnig toll zu sein. Alle anderen verschwinden beinahe. Etwas boshaftes in mir möchte sich fragen: Was ist das für ein Drehbuch, in dem ein Nebendarsteller, der eigentlich eher ein Hauptdarsteller ist, so viel Raum einnimmt, während alle anderen beinahe nichtssagende Dinge tun. Die Darbietung von Samuel L. Jackson ändert nichts an dieser Meinung.
4. Man kommt ja beim Schauen von Filmen nicht umhin, irgendeine “Verbindung” zu den Personen aufzubauen, zumindest macht das irgendwie eine Geschichte aus, die einigermaßen gut ist. Für mich zeichnet sich eine gute Geschichte dadurch aus, dass im Vorfeld nicht so offensichtlich ist, zu welchen der Personen ich diese “Verbindung”, dieses nähere Interesse aufbaue. In “Django” ist das der von Christoph Waltz verkörperte Kopfgeldjäger. Eindeutig. Es geht möglicherweise nicht nur mir so, man wird sozusagen mit der Nase draufgestoßen, vor allem weil er das erste Drittel des Filmes klar dominiert. Und dann stirbt er nach zwei Stunden. Und das ist nicht tragisch, ehrlich gesagt hätte es mich verwirrt, wenn er überlebt hätte. Das Tragische ist eher, dass Quentin Tarantino mir zuvor nicht die Möglichkeit gibt, für einen der anderen irgendeine Art von Begeisterung zu empfinden. Ich muss dann noch eine halbe Stunde im Kinosessel rumrutschen und interessiere mich eigentlich gar nicht mehr so sehr für das Gezeigte. In einem wirklich guten Film hätte ich mir gedacht “Ok, schade, Dr. King Schultz ist tot, war ein guter Mann, aber jetzt will ich wissen, wie es mit den anderen weitergeht!” Hier ist es mir dann egal, ob irgendwem jetzt das Glied abgesäbelt wird.
5. Liebe Filmliebhaber, das Drehbuch ist nicht originell. Glaubt mir. Das Wort stört mich ungemein, es macht mich grad ein bisschen närrisch. Bitte hört auf in Bezug auf den Film das Wort “originell” zu benutzen, um Gottes Willen. Die Schießereien sind meisterhaft, der Soundtrack ist großartig, es gibt ein paar witzige Szenen, Christoph Waltz hat den Golden Globe ohne Frage verdient, aber DAS DREHBUCH IST NICHT ORIGINELL. Ein originelles Drehbuch besteht aus interessanten Figuren und großartigen Dialogen und davon hat der Film meiner Meinung nach eher wenige. Ja, ich weiß, der Film wurde vor drei Tagen für “bestes Drehbuch” ausgezeichnet. Ja, ich weiß, ich habe keine Ahnung vom Filmemachen. Aber das Drehbuch ist nicht originell.
Und der Film hat auch nicht mehr als 7 von 10 Punkten verdient. Er ist mir persönlich an einigen Stellen zu langatmig: schon am Anfang, dann die Szene mit den Säcken über dem Kopf, von der ich hoffe, dass sie im Original weniger albern rüberkommt, die Szenen, in denen Django an Broomhilde denken muss, die Szene, in der die Gruppe auf Candyland zureitet, der leichte Ungehorsam von Steven wird ein kleines bisschen zu sehr in die Länge gezogen.
Zuletzt: Ich mochte sämtliche Brillen in dem Film. Ich denke, es geht in dem Film um Brillen. Und drei Szenen stachen für mich aber irgendwie doch sehr positiv hervor 1. Die Szene, in der Christoph Waltz das Bier zapft und zu dem Tisch bringt. 2. Die Szene, in der Django mitansehen muss wie die drei Hunde D´Artagnan zerfleischen und er vollkommen unbeeindruckt bleiben muss. Und 3. die komplette Szene, in der Django und Schultz Monsieur Candie während des Mandingo-Kampfes kennen lernen.
Alles was danach kommt sorgt leider dafür, dass ich dem Film “nur” eine 7.0 gebe. Ich werd ihn mir aber auf jeden Fall nochmal im Original zu Gemüte führen, denn oft ist die Scheiß Synchronisation auch irgendwie mit verantwortlich für schlechtere Bewertungen.
Zu meinem “Christoph Waltz ist wunderbar!”-tumblr-Blog geht es übrigens hier entlang. Und zu den bisher von mir auf moviepilot bewerteten Filmen dort entlang.
[...] Beitrag oder die beste Kritik, die ich in der vergangenen Woche auf einem Blog gelesen habe, war Franzi’s Meinung über Django Unchained und ihr späterer Tweet, dass sie den Film vielleicht doch mag… [...]
[...] P.S.: Eine weitere Kritik aus dem gut 40km entfernten und derzeit total verschneiten Frankenberg die das Wort Glied enthält: http://www.patsyjones.de/django-unchained-ich-auch-eine-kritik/ [...]
Ich war gestern dort und fühlte mich hinterher wirklich gut unterhalten.
Klar, von Tarantino wird man seit Jackie Brown nicht mehr so dolle überrascht, aber das ist doch alles immer noch wesentlich origineller und wunderbarer, als 8 von 9 anderen aktuellen Filmen.
Ich finde es schön, wie er Filmgenres maßlos übertreibt, klassische Szenen durcheinanderquirlt und “tarantinosiert”.
Einzige Kritik: dem Schnitt fehlte hier und da das Timing … aber das auch nur im Vergleich zu früheren Tarantinos.
Ich glaub, ich hätte einfach ohne Erwartungen in den Film gehen müssen, was natürlich schwierig ist, wenn man sich freut, dass das Drehbuch ausgezeichnet wurde und Christian Waltz als Nebendarsteller ebenso. Ich hätte mir einfach mehr skuril-boshaft-wahnwitzige Dialoge gewünscht und die große “Schießszene” mit Django war plötzlich so schnell vorbei, konnte man gar nicht richtig “genießen”.
(Ich bin eigentlich kein Fan von viel Blut und Lärm und Kugeln, die in Körper einschlagen, aber es ist halt Quentin Tarantino, da weiß man auf was man sich “freuen” kann)
Aber für den Soundtrack vergebe ich 11 von 10 Punkten. Da ist mir beim Schauen im Kino gar nicht richtig klar geworden, wie super ich ihn eigentlich finde.